Sven Stoll
25.01.2022

Fondswissen Abkürzungen: Das bedeuten die Buchstaben in Fonds- und ETF-Namen

Buchstabennudeln
Buchstabennudeln: Ausschüttend, thesaurierend, gehedgt? Weltweit gibt es mehr als 125.000 Fonds und ETFs – viele davon in unterschiedlichen Anteilklassen. Doch welche Abkürzung steht eigentlich für was?
© Imago Images / Panthermedia

Von den meisten Fonds oder ETFs gibt es mehrere Anteilklassen. Das können zwei oder drei sein, im schlimmsten Fall aber auch Dutzende unterschiedlicher Fondstranchen. Ein krasses Beispiel ist der Templeton Global Bond Fund, der in insgesamt 59 verschiedenen Varianten erhältlich ist. Ganz egal, welche man sich davon ins Portfolio legt: Das Fondsmanagement verwaltet das Geld immer nach den jeweiligen Anlagegrundsätzen des Fonds, dabei spielen die Anteilklassen keine Rolle. Sie können sich aber dennoch deutlich voneinander unterscheiden – zum Beispiel hinsichtlich der Gebühren, der Ausschüttung von Zinsen beziehungsweise Dividenden oder der Währungskomponente.

Über die Eigenschaften einer Anlageklasse geben in der Regel mehr oder weniger Buchstaben und Kürzel Aufschluss – wenn man denn weiß, was sie bedeuten. Wir erklären’s euch! 

Eine erste Information steckt bereits in der internationalen Identifikationsnummer, die jede Anteilklasse hat, der ISIN. Die ersten zwei Buchstaben der ISIN verraten, wo der Fonds aufgelegt wurde. Seit 2018 spielt es keine Rolle mehr, ob es sich um einen inländischen oder ausländischen Fonds handelt oder ob der Fonds ausschüttend oder thesaurierend ist. Alle Investmentfonds werden nach dem gleichen Prinzip versteuert. Das gilt allerdings nicht für Käufe vor diesem Datum. Für Anteile an ausländischen Fonds, die von Anleger:innen vor 2017 gekauft wurden und in einem deutschen Depot liegen, bleibt es bei der temporären Doppelbesteuerung.

Beachtet: Außerhalb der Europäischen Union aufgelegte Fonds und ETFs lassen sich für deutsche Anleger nur schwer kaufen.

Die häufigsten Länderkürzel für deutsche Anleger:innen:

  • DE: Deutschland
  • AT: Österreich
  • IE: Irland
  • LU: Luxemburg
  • CH: Schweiz
  • LI: Liechtenstein
  • GB: Großbritannien
  • US: USA

Mit oder ohne Ausschüttung?

Bei vielen Fonds haben Anleger:innen die Wahl zwischen einer ausschüttenden und einer thesaurierenden Variante. Grundsätzlich unterscheiden sich ausschüttende und thesaurierende Fonds durch den Umgang mit ihren Erträgen, also Zinsen und Dividenden. Das kann sich langfristig deutlich auf die Wertentwicklung auswirken: Die Rendite bei ausschüttenden Fonds nimmt nicht so schnell zu, weil durch das Auszahlen erzielter Erträge ein Teil der Basis für höhere Gewinne fehlt. Der Vorteil: Bei den Anteilseignern fließt regelmäßig Geld aufs Konto.

Thesaurierende Fonds hingegen legen Erträge automatisch wieder im Fonds an. Dadurch kommt es zum Zinseszinseffekt. Dieser kann sich vor allem bei längeren Investitionszeiträumen stark auf die Rendite auswirken.

An diesen Kürzeln erkennst du, was mit den Erträgen passiert:

  • Ausschüttend: dis, dist, A, D, Qdis (Erträge werden quartalsweise ausgeschüttet)
  • Thesaurierend: acc, T, C

Länderspezialität Österreich: Es gibt noch eine österreichische Besonderheit: Manche der dortigen Tranchen sind mit einem „VT“ am Namensende versehen. Das steht für „Vollthesaurierer“. Diese Anteilscheinklassen dürfen nur Anleger:innen kaufen, die in Österreich nicht steuerpflichtig sind, da sie keine Kapitalertragssteuer abführen. Bei den „VTs“ wird unterschieden zwischen „VTI“ (Vollthesaurierer, die von Devisenausländern auf Depots in Österreich gekauft werden) und „VTA“ (für Devisenausländer, die sie auf Depots im Ausland erwerben).

Unterschiedliche Fondstranchen für Privat- und Profianleger:innen

Üblicherweise stehen Privatanleger:innen stets nur die Retail-Tranchen eines Fonds zur Verfügung. Diese Tranchen beinhalten die für die Vertriebspartner (Banken, Sparkassen, selbständige Anlageberater) vorgesehenen Provisionen (Ausgabeaufschlag, Bestandsvergütungen), die beim Erwerb anfallen.

Daneben gibt es für immer mehr Fonds institutionelle Tranchen. Diese sind ein Teilvermögen des gleichen Fonds, das speziell für institutionelle Anleger (Banken und Sparkassen für ihren Eigenbedarf, Versicherungen oder Pensionskassen) vorgehalten wird. Diese Tranche wird nicht mit Provisionen belastet. Es werden auch keine Rückvergütungen bezahlt. Wegen der geringeren Gebühren ist die Wertentwicklung dieser Tranche stets besser als die der Retail-Tranche des gleichen Fonds.

Tipp: Wer auf Fonds und ETFs setzt, kann kräftig sparen. Onlinebroker und Fondsdiscounter bieten sie oft deutlich günstiger an als klassische Filialbanken. Plattformen wie FFB, ebase, Fondsdepotbank oder DAB BNP Paribas bieten zudem vermehrt provisionsfreie, auch Clean-Share genannte institutionelle Klassen ab geringen Sparsummen an. Der Finanzdienstleister AVL bietet eine Suchfunktion: Hier kannst du nachschauen, wo die gewünschte Anteilklasse zu kaufen ist.

  • Anteilsklassen für Privatanleger: P, R, L, N, A
  • Anteilsklassen für institutionelle Anleger: I, B, C, D, T, W, Y, Z

Welche Rolle spielt die Fondswährung?

Bei der Suche nach dem geeigneten Fonds stoßen Anleger:innen immer wieder auf verschiedene Währungsklassen. Denn in Deutschland zugelassene Fonds notieren nicht nur in Euro. Sie können auch in beliebigen anderen Währungen wie dem US-Dollar, Britischen Pfund, japanischen Yen oder auch in weniger gängigen Währungen wie der Dänischen Krone oder ungarischen Forint notieren (EUR, USD, JPY, CHF, GBP = Währungsklasse).

Die gängigsten Fondswährungen:

  • EUR: Euro
  • USD: US-Dollar
  • JPY: Japanischer Yen
  • CHF: Schweizer Franken
  • GBP: Britisches Pfund

Wichtig zu wissen: Entscheidend ist nicht die Währung eines Fonds, sondern der Inhalt. Sprich: Welche Aktien oder Anleihen befinden sich im Fonds? Ein Beispiel: Bei der Euro-Tranche rechnet der Fondsanbieter alle Wertpapiere von außerhalb der Eurozone laufend in Euro um. Falls es sich hingegen um andere Währungstranchen handelt (US-Dollar, Yen, Pfund), werden alle Wertpapiere außerhalb des jeweiligen Währungsraumes in diese jeweilige „Stammwährung“ der Anteilsklasse umgerechnet. Es besteht also immer das Währungsrisiko der im Fonds gehaltenen Papiere. Wenn in einem Fonds beispielsweise viele Aktien aus den USA enthalten sind, notieren diese in US-Dollar. Wertet der Dollar auf, erzielen die Anleger:innen Währungsgewinne. Sinkt der Dollar-Kurs, müssen dagegen entsprechend Verluste hingenommen werden.

Währungsgesicherte Fonds

Anders sieht es dagegen bei währungsgesicherten Anteilklassen aus. Diese sind am H wie Hedged zu erkennen. Sämtliche Fremdwährungen im Fonds sind gegenüber dem Euro oder einer anderen Währung abgesichert. Lautet die Absicherung in Euro, besteht für Euroanleger:innen kein Währungsrisiko. Ist der Fonds beispielsweise in US-Dollar abgesichert, besteht das Währungsrisiko zur US-Währung.

Da Absicherungen komplexe Vorgänge sind, bei denen beispielsweise Währungsoptionen oder Devisentermingeschäfte zum Einsatz kommen, werden diese Kosten an die Anleger:innen weitergegeben. So sind diese „gehedgten“ Fonds oftmals teurer. Unter Finanzexpert:innen ist die Währungsabsicherung umstritten. Kritiker:innen monieren die hohen Zusatzkosten und eine Verringerung der langfristigen Renditenchancen.

Nächste Schritte
03 | Was muss ich wissen?
Abkürzungen: Das bedeuten die Buchstaben in Fonds- und ETF-Namen
Auf diese Gebühren sollten Anleger achten
Drei wissenswerte Fakten über ETFs
Mein Fonds wird geschlossen – was tun?
Mit Fonds an Dividendenzahlungen teilhaben
...
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