Jan Tille, stellvertretender Leiter Research bei Absolut Research

Jan Tille, stellvertretender Leiter Research bei Absolut Research

Absicherung gegen Verluste

Herr Tille, welche Chancen und Risiken bieten Volatilitätsfonds?

Manager von Volatilitätsfonds betrachten die Schwankungen an den Börsen nicht als Risiko, sondern als eigene Anlageklasse. Mithilfe von Derivaten, die sie in verschiedenen Kombinationen im Portfolio zusammenfügen, wollen sie Anlegern Renditen liefern – und das weitestgehend unabhängig vom Auf und Ab an den Börsen. Stichwort: Diversifikation.

Die verfolgten Volatilitäts-Strategien sind jedoch nicht leicht zu verstehen, weshalb die Fonds-Sparte als Domäne großer, professioneller Investoren gilt. Welche Renditen bei welchem Risiko die Fonds erreichen, ist nicht pauschal zu sagen. Die Unterschiede sind groß. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com erklärt Jan Tille, stellvertretender Leiter Research bei Absolut Research, was sich hinter Begriffen wie Stillhalter-Strategie, Short-Gamma-Konzept oder Short-Vega-Strategie verbirgt und wo die Vor- und Nachteile einzelner Strategien liegen. 

DAS INVESTMENT.com: Seit wann gibt es Volatilitätsfonds? Für welche Anleger sind sie geeignet? 

Jan Tille: Die ersten Fonds kamen schon Mitte der 90er Jahre auf den Markt. Damals unter anderem der Dexia Getec Fonds, der mittlerweile liquidiert ist. Damals handelte es sich bei dem Fonds natürlich noch nicht um einen UCITS-konformen Fonds, die Umwandlung erfolgte erst nach der Finanzkrise. Seit 2004 sind diese Fonds im UCITS-Mantel umsetzbar, da seit dieser Zeit Derivate zu Anlagezwecken eingesetzt werden dürfen.

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Wo liegen die Vor- und Nachteile solcher Fonds?

Tille: Je nach Strategie, Short oder Long-Short, haben die Fonds unterschiedliche Vor- und Nachteile und Zielkunden: Long-Short- Volatilitätsfonds sollten eher von professionellen Anlegern gesucht werden. Short-Konzepte können auch für konservative Anleger sinnvoll sein, da Anleger hierdurch Zugang zu einer langfristig eher gering korrelierten Anlageklasse erhalten. 

Was steckt hinter den verschiedenen Volatilitäts-Spielarten? Fangen wir mit den Stillhalter-Strategien an?

Tille: Stillhalter-Strategien sind in der Regel so aufgebaut, dass aus dem Geld liegende Put-Optionen verkauft werden, ohne dass das Marktrisiko abgesichert wird. Dadurch profitieren die Fonds zum einen von der Vereinnahmung einer Volatilitäts-Risikoprämie, zum anderen jedoch auch von Bewegungen des Aktienmarktes. 

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