Absicherungs-Strategien Das muss ein guter Absolute-Return-Fonds mitbringen

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Nur wenige kamen durch

Zudem starteten wir eine kleine Umfrage unter Fondsgesellschaften und Finanzagenturen, welche Fonds ihrer Meinung nach unsere Kriterien erfüllen. Doch hier bestätigte sich die dunkle Prognose von Eckhard Sauren: Nur wenige schafften alle Hürden. Entweder sind sie zu jung, oder mit der Wertentwicklung stimmt etwas nicht. Unter den Guten sind der hierzu-lande nicht allzu bekannte Mischfonds Natixis Seeyond Multi Asset Conservative, die Aktien-Long-short-Fonds DNCA Invest Miura und Allianz Discovery Europe Strategy sowie der Carmignac Portfolio Capital Plus. Wobei Letzterer Probleme bekommen dürfte, seine guten Zahlen fortzuschreiben. Zwar darf auch Fonds-manager Carlos Galvis an den Währungs- und Zinsmärkten long und short gehen und Kurse sichern. Allerdings hat sein Rückenwind durch die deutlich gesunkene laufende Verzinsung von Anleihen abgenommen.

Besser haben es Long-short-Aktien-fonds. Deren Manager haben heutzutage zwei Vorteile: Einerseits ist die Wirtschaft in einer enormen Fusionslaune. Kredite sind billig, die Konten sind voll, organisches Wachstum ist schwierig, also kauft man einen Gegner. Der Zusammenschluss des Ketchup-Riesen Heinz mit Kraft Foods ist nur ein Beispiel. Die andere Seite ist das in den vergangenen Jahren in Indexfonds geflossene Geld. Jene Anleger kaufen damit Aktien nach der Größe der Unternehmen und nicht nach ihrer fundamentalen Qualität. Das verzerrt Kurse und gibt versierten Fondsmanagern tolle Möglichkeiten, überteuerte Aktien zu shorten und missachtete Werte – die dann nicht in einem Index enthalten sind – zu kaufen.


Andere Fonds, andere Universen

Alle diese Manager gehen dabei nach fundamentalen Kriterien vor. Unterschiede gibt es in der Größe des Anlageuniversums und dem Saldo aus Long- und Short-Positionen. DNCA-Manager Cyril Freu beschränkt sich auf rund 120 europäische Werte, die er wirklich gut kennt und gegeneinander ausspielt. Beim Discovery-Fonds von Allianz Global Investors ist das Universum ungleich größer, nämlich ganz Europa inklusive Russland und Türkei. Die eingangs erwähnten Paul Marshall und Ian Wace sind hingegen global unterwegs. Und Kames Capital beschränkt sich auf Großbritannien.

Der Long-short-Saldo – Fachbegriff: Markt-Exposure – bestimmt, wie stark ein Fonds am Marktgeschehen hängt. Im Allgemeinen haben Long-short-Fonds einen Hang zur Long-Seite, profitieren also stärker von steigenden Märkten und leiden unter fallenden. Fonds, bei denen der Saldo um den Nullpunkt pendelt, bekommen gern den Zusatz „marktneutral“ – auch in unserer Tabelle. Cyril Freu von DNCA hält sein Exposure zwischen minus 20 und plus 20 Prozent. Beim Allianz-Fonds sind es laut Prospekt minus 30 bis plus 30 Prozent, in der Praxis ist es aber lediglich die Hälfte. Marshall und Wace rangieren zwischen minus 15 und plus 15 Prozent.

Ebensolche Unterschiede gibt es bei den Mischfonds. Carmignac-Manager Galvis mischt seinem Fonds maximal 10 Prozent Aktien bei. Die Manager von Seeyond dürfen bis zur Hälfte des Fondsvermögens in Aktien halten, davon 20 Prozent in Schwellenländern. Anleihen aus diesen Regionen sind ebenfalls zu maximal 20 Prozent erlaubt. Beim Management selbst geht es nicht nur um fundamentale Betrachtungen. Auch das Momentum, also die Dynamik und Richtung der jüngsten Kursbewegungen, spielt eine Rolle. Einzelne Aktien oder Anleihen wählen die Manager nicht aus. Sie arbeiten mit Indizes oder indexnahen Fonds und erzeugen ihr Alpha rein über die Vermögensaufteilung. Der First Private Wealth geht dagegen nicht nur in verschiedene Märkte, sondern fügt auch Hedgefonds-Strategien hinzu und geht selbst Absicherungsstrategien ein. Mehr Details finden Sie im Fondsporträt in Ausgabe 05/2015.

Ein am Markt sehr wichtiger Absolute-Return-Fonds taucht hingegen nicht in der Tabelle auf, weil die Ucits-Version noch keine fünf Jahre alt ist. In jeglicher anderer Hinsicht erfüllt der Standard Life Global Absolute Return Strategies jedoch alle An-forderungen an einen marktneutralen Fonds. Seit Auflegung am 26. Januar 2011 brachte er 27,4 Prozent Gewinn unter niedrigen Schwankungen. Das faszinierte die Konkurrenz von Invesco derart, dass sie 2013 Teile des Fondsmanagements abwarb und mit dem Invesco Global Targeted Returns ein ähnliches Produkt aufsetzte. Damit startete die „Battle of the Absolute Return Funds“, wie es das Internet-Portal „Investment Week“ nannte.

Nun läuft ein interessanter Zweikampf, der schon mal einen Gewinner hat: den Anleger, der sich über mehr Auswahl freuen darf.

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