Boris Johnson: Der britische Premierminister hat mit der Konservativen Partei einen deutlichen Wahlsieg bei der britischen Unterhauswahl errungen. | © Getty Images

Absolute Mehrheit

Was Finanzprofis nach dem Wahlsieg der Tories erwarten

Die Konservativen haben die britische Unterhauswahl mit deutlicher Mehrheit für sich entschieden. Von 650 Parlamentssitzen hat die Konservative Partei um Premierminister Boris Johnsons 364 erzielt – eine deutliche absolute Mehrheit.

„Britische Aktien perspektivisch wieder attraktiv“

Jörg Zeuner

„Mit dem Sieg von Boris Johnson bei den britischen Unterhauswahlen ist der Weg frei für einen baldigen, geregelten Brexit“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment. Bis zum 31. Januar 2020 werde Großbritannien aus der Europäischen Union ausscheiden. Für die Kapitalmärkte seien das gute Nachrichten, denn damit sei ein harter Bruch Großbritanniens mit der EU vom Tisch. Allerdings werde das Thema die Börsen weiter verfolgen. Denn: „Im nächsten Schritt steht die Neuverhandlung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien auf der Agenda. Dabei ist eine solche Vielzahl komplexer Fragen zu klären, dass im Vergleich hierzu die Aushandlung des Austrittsvertrages allerhöchstens ein leichter Aufgalopp darstellte.“

Sollte sich infolge der zukünftigen Verhandlungen eine engere Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der EU abzeichnen, dürften laut Zeuner auch die britischen Kapitalmärkte profitieren: „Das Pfund sollte aufwerten und der Aktienmarkt gleichzeitig klettern. Das ist ungewöhnlich, da die Londoner Börse normalerweise negativ mit der Währung korreliert ist. Viele in London notierte Unternehmen sind global tätig, ein schwaches Pfund beschert ihnen daher Wettbewerbsvorteile und höhere Gewinne in der Heimatwährung. Durch das Einpreisen der Chance auf enge Handelsbeziehungen besteht nun aber das Potenzial für Gewinne sowohl bei Aktienkursen als auch bei der Währung. Das macht Aktienanlagen auf der Insel perspektivisch wieder attraktiv.“

„Märkte erwarten 'Boris-Boom'“

John Stopford

John Stopford von Investec Asset Management meint: „Der Sieg der Konservativen sorgt für kurzfristige wirtschaftliche Klarheit, da das Vereinigte Königreich endgültig aus der EU austreten wird.“ Der Fondsmanager rechnet nach dem Sieg der Tories mit Nettoinvestitionen  britischen öffentlichen Sektors auf „historisch hohem Niveau.“ Stopford weiter:

Wir gehen davon aus, dass die Märkte einen kleinen ´Boris-Boom´ erwarten. Dieser würde tendenziell höhere Renditen bei Staatsanleihen bedeuten (das Vereinigte Königreich ist einer der teuersten Märkte für Staatsanleihen) und das Pfund aufwerten lassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Erholung nur in einem begrenzten Maß erfolgt, da es möglicherweise nach einer Brexit-Übergangsphase schnell wieder zu Unsicherheiten über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreichs und der EU kommen kann.“

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