Absolute-Return-Fonds: Ende der Relativitätstheorie

Quelle: Gettyimages

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Chin-Wen Chou hat es bewiesen: Wer oben ist, kann nicht nur tief fallen. Nein, er altert auch schneller als jemand, der auf dem Boden bleibt. Der Forscher vom National Institute of Standards and Technology in Boulder hat mit seinen Kollegen die noch immer weltfremd wirkende Relativitätstheorie von Albert Einstein ins Diesseits geholt. Die Erkenntnis: Je höher man steht, desto schneller altert man. Zudem bleibt jünger, wer in Bewegung ist. Der Effekt ist jedoch minimal: Um eine Sekunde jünger zu bleiben als ein Fußgänger, müsste man schon 57 Millionen Jahre lang Auto fahren.

Chous Experimente mit Atomuhren sind ein weiterer Beweis für die Gültigkeit der Relativitätstheorie. In der Finanzbranche hat die Theorie dagegen ausgedient: Absolute statt relative Erträge fordern Anleger spätestens seit der Finanzkrise 2008. Sie zeigte ihnen, wie unschön Ergebnisse aussehen können, obwohl sie relativ – also mit einem Marktindex verglichen – gut waren.

Wer den Dax 2008 um 20 Prozentpunkte geschlagen hat, hat unterm Strich noch immer 20,4 Prozent Verlust abgeliefert. Absolut betrachtet ist das relativ schlecht. Nachdem eine erste Generation von Fonds mit Anspruch auf absolute Erträge gescheitert war, ist mittlerweile eine neue Spielart angetreten. Das nötige Instrumentarium haben die Geldverwalter längst.

Seit Ende 2002 regelt die europäische Richtlinie Ucits III, was Fondsmanager dürfen. Neben großer Freiheit bei Auswahl und Mix von Anlageklassen zählen zu ihrem Repertoire nun auch Absicherungsstrategien und Hedgefonds-Techniken wie der Leerverkauf, den sie über Derivate nachahmen dürfen.

Der Trend von der Insel

Anfangs nutzten nur wenige Manager die neue Freiheit. Vor allem britische Hedgefonds- Boutiquen wie Cazenove, Jupiter und Gam haben Publikumsvarianten ihrer Fonds auf den Markt gebracht. Auch Blackrock ist früh eingestiegen. Bis heute ist Mark Lyttletons UK Absolute Alpha ein Liebling der Briten. Seit 2009 bietet Blackrock ein europäisches Pendant an, den European Absolute Return Strategies, und hat im Herbst zwei weitere Produkte nachgelegt.

Die Gesellschaft ist in guter Gesellschaft. Fast jedes große Fondshaus bietet heute Vergleichbares an. Auch Hedgefonds-Manager packen Strategien in Ucits-Mäntel, die den Vertrieb vereinfachen und ein breiteres Publikum ansprechen. Jüngstes Beispiel ist Graham Clapp. Nach 22 Jahren bei Fidelity managt er seit 2008 für Pensato einen Hedgefonds, den es jetzt im Ucits-IIIMantel gibt.

Der britische Branchendienst Citywire führt mittlerweile 162 Fonds der neuen Generation mit deutscher Vertriebszulassung. „Newcits“ heißen sie bei den Briten, eine Kombination aus New (neu) und Ucits. „Der wachsende Newcits-Trend wird die Asset Allocation revolutionieren und die Mauer zwischen alternativer und traditioneller Anlage einreißen“, schwärmt Roland Meerdter, der für die Deutsche Bank zehn Jahre lang Fondsmanager analysierte und heute beim Beratungsunternehmen Propinquity arbeitet.

Der Trend ist in vollem Gange. Knapp 200 Milliarden Euro liegen allein in den 58 Newcits-Fonds mit deutscher Vertriebszulassung, die mindestens seit Ende 2007 auf dem Markt sind. Das ist fast so viel wie in den Aktienfonds, die beim deutschen Fondsverband BVI registriert sind. Allen diesen Fonds gemein ist, dass ihre Manager die Freiheiten ausschöpfen und regelmäßig auch Short-Positionen aufbauen.

Nur benutzen einige die Shorts nur, um bestehende Portfolios abzusichern. Andere schöpfen aus dieser Quelle zusätzliche Performance. Einige konzentrieren sich auf einzelne Anlageklassen, andere nutzen eine Vielzahl davon. Die Citywire-Datenbank bildet die Basis für die aktuelle Auswahl. 25 Fonds haben im Krisenjahr 2008 kein Minus gemacht.