Absolute-Return-Fonds

Mit Mischung verschiedener Anlageformen und Strategien Kursschwankungen steuern

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Der aktuelle Markt ist derzeit von niedrigen Renditeniveaus und der Angst vor Kursschwankungen geprägt (siehe Teil 1 dieser Reihe). Das Konzept der Absolute-Return-Fonds erfreut sich daher seit einigen Jahren stetig steigender Mittelzuflüsse. Nach Zahlen des Fondsdienstleisters Lipper waren im vergangenen Jahr insgesamt über 125 Milliarden Euro in sogenannten alternativen und Absolute-Return-Fonds investiert. Parallel dazu ist das Angebot an diesen Investmentprodukten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sodass Anleger aus einem großen Universum wählen können.

Qualitätsunterschiede sind groß

Allerdings zeigt sich: Die Qualitätsunterschiede sind groß, und nur wenige Angebote haben es in der Vergangenheit geschafft, ihre Versprechen zu halten. Gefragt sind diese Produkte auch deshalb, weil institutionelle Investoren wie etwa Pensionskassen aufgrund der Kursschwankungen mehr und mehr außerhalb des Aktienmarktes investieren möchten. Dafür suchen sie Produkte, die transparent und liquide sind und durch Aufsichtsbehörden kontrolliert werden.

Dazu sollte es ein staatlich reguliertes Rahmenwerk geben, das zum Beispiel die Vorgabe macht, dass die Depotbank unabhängig sein muss. Zudem muss es Regeln für ein Risikomanagement geben. Das treibt die Nachfrage der Investoren nach alternativen Anlagestrategien, die in einem Fondsmantel verpackt sind.

Investition in unterschiedliche Anlageklassen

Doch was genau ist unter dem etwas sperrig klingenden Begriff zu verstehen? „Unter ‚Absolute Return‘ verstehen wir eine Anlage, die zum Ziel hat, dass sie in jeder Marktlage positive, absolute Erträge über rollierende Drei-Jahres-Zeiträume-Zeiträume erwirtschaftet“, erläutert Guy Stern, Manager des Global Absolute Return Strategies Fund (GARS) von Standard Life. „Unsere Zielrendite zum Beispiel ist der Geldmarktzins plus fünf Prozentpunkte per annum vor Kosten.“

Um ihr Ziel zu erreichen, können die meisten Verwalter von Absolute-Return-Produkten ein breites Spektrum an Anlageformen und Märkten für Investments nutzen. So können sie nicht nur in sichere Papiere am Rentenmarkt, sondern mit verschiedenen Strategien auch in anderen Anlageklassen – etwa in Währungen, Aktien oder Immobilien, mitunter auch Rohstoffe – investieren.

Die simpelste Methode ist dabei, stets diejenigen Kapitalanlagen auszuwählen, die in den kommenden Jahren eine positive Rendite versprechen. Wenn sich allerdings die Finanzmärkte anders als erwartet entwickeln, ist das Ziel einer stets positiven Rendite schnell in Gefahr. Viele Anlageprofis verfolgen daher mehrere Strategien, mit denen sie auf ganz unterschiedliche Finanzmärkte und Anlageformen setzen, deren Kursentwicklung weitgehend unkorreliert ist. Dazu gehört auch, dass sie unter Umständen Wertpapiere verkaufen, die sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht besitzen, um diese später zu günstigeren Kursen wieder zurückzukaufen.

Teure US-Bankaktien vs. Banktitel aus Südeuropa

Eine häufig verfolgte Methode von Absolute-Return-Fonds sind sogenannte Long-Short-Strategien. Dabei kauft und verkauft der Fondsmanager zur gleichen Zeit sich ähnelnde Märkte – etwa über einen Indexkontrakt – oder einzelne Wertpapiere, deren Kursabstand sich kurzfristig eingeengt oder ausgeweitet hat. Mit den beiden gegenläufigen Transaktionen setzt er – vereinfacht gesagt – darauf, dass die Preisdifferenz zwischen beiden Investments wieder den ursprünglichen Abstand einnimmt.

Zum Beispiel verkauft der Fondsmanager seiner Meinung nach teure Bankaktien aus den USA und kauft zugleich Banktitel aus Südeuropa, deren Kurs stark gefallen ist. Das Kalkül dabei kann sein: Die Notierungen der großen Geldhäuser haben sich über Jahre hinweg in etwa parallel zueinander bewegt, in der Finanzkrise jedoch sind sie ordentlich durcheinandergewirbelt worden.

Mit seiner Strategie setzt der Fondsmanager darauf, dass sich die Verhältnisse im Finanzsektor wieder normalisieren und sich die Bewertungen angleichen. Ist dies der Fall, löst der Geldverwalter das Koppel-Geschäft wieder auf. Das generelle Ziel eines Absolute-Return-Managers ist, durch die Mischung unterschiedlicher Anlageformen und Strategien im Portfolio die Kursschwankungen der einzelnen Investments so zu steuern, dass sie unter dem Strich kaum noch ins Gewicht fallen.

Absolute Return trotzt hohen Risiken

Der Effekt: Gute Absolute-Return-Fonds schaffen es, in jeder Marktlage eine Rendite über dem Zinssatz am Geldmarkt zu erwirtschaften. Gleichzeitig sind sie durch ihren strukturierten Anlageprozess in der Lage, nicht sehr viel höhere Risiken eingehen zu müssen als bei einem Investment in sichere Anleihen. Das funktioniert, weil sie dabei auch Derivate einsetzen.

Zwar stehen diese Finanzinstrumente in dem Ruf, riskant zu sein. „Diese Sichtweise ist allerdings schon lange überholt“, sagt GARS-Manager Stern. „Gerade im Absolute-Return-Bereich sind Derivate ein übliches Investmentinstrument. Sie dienen zur Absicherung einzelner Marktrisiken und sind oftmals die einzig sinnvolle Möglichkeit innovative Strategien umsetzen zu können“. Ein systematisches Risikomanagement ohne den Einsatz von Derivaten ist heutzutage kaum denkbar. Durch ihren Einsatz können Kursrisiken begrenzt oder beispielsweise der Einfluss von Währungsrisiken.

Im letzten Teil dieser Reihe lesen Sie, welche Absolute-Return-Fonds erfolgreich sind und welche vom Markt verschwinden werden.

Der vorliegende Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des Added Value, dem Tabletmagazin von Standard Life Investments.

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