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Wachtendorf-Kolumne Absteiger, Aufsteiger und ein Plädoyer gegen ETFs auf den MSCI World

Unser Kolumnist Egon Wachtendorf
Traut dem US- und Technologie-lastigen MSCI World nicht über den Weg: Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Da geht er hin, möchte man – hoffentlich unbeteiligt – hinterherrufen: Ende Juli verkündete die britische Gesellschaft Abrdn das Aus für ihren einstigen Bestseller Global Absolute Return Strategies. Mit einem Volumen von 45 Milliarden Euro war der 2006 aufgelegte, 2017 durch die Fusion mit Standard Life übernommene Strategiefonds zeitweise größter Investmentfonds des Vereinigten Königreichs. Deutsche Anleger konnten über einen Luxemburger Ableger seit 2011 dabei sein und zunächst noch auf der Erfolgswelle mitschwimmen. Bis zum Frühjahr 2015 stieg der Anteilspreis um 27 Prozent, mehr als 10 Prozentpunkte stärker als der Durchschnitt der Vergleichsgruppe.

Danach war jedoch die Luft raus. Das April-Hoch von 2015 erreichte der Fonds nie wieder, allein für die vergangenen drei Jahre steht ein Minus von knapp 20 Prozent zu Buche. Das anfangs propagierte Ziel, über diesen rollierenden Zeitraum eine um 5 Prozentpunkte höhere Rendite zu erzielen als am Geldmarkt, mutet da fast wie Hohn an. Weil immer mehr Anleger die Flucht ergriffen, fusioniert Abrdn den Global Absolute Return Strategies nun mit einem anderen Strategiefonds, dem AS Diversified Growth.

Doch es gibt nicht nur negative Nachrichten zu ehemals gepushten und anschließend weitgehend in Vergessenheit geratenen Vertriebs-Lieblingen. Wann zum Beispiel haben Sie das letzte Mal auf den Sparinvest Global Value geschaut? Der weltweit auf Substanzwerte spezialisierte Aktienfonds aus Dänemark beendete das Chaos-Jahr 2022 mit einem vernachlässigbaren Minus von 1,9 Prozent, auf Drei-Jahres-Sicht liegt er um mehr als 20 Prozentpunkte vor dem Vergleichsindex MSCI World. Dem das dreiköpfige Managementteam freilich über fünf und zehn Jahre um Längen hinterherhinkt. Ähnliches gilt für einen der hierzulande bekanntesten Aktienfonds überhaupt, den Templeton Growth. Er markiert seit 2021 bei niedrigen Schwankungen ein Allzeit-Hoch nach dem nächsten, enttäuscht aber selbst über 15 Jahre noch mit einer Rendite von lediglich 5,5 Prozent (MSCI World: 9,7 Prozent).

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Wasser auf die Mühlen von ETF-Protagonisten, völlig klar. Wer sich über einen solchen börsennotierten Indexfonds in den MSCI World einkauft, muss keinen Gedanken darauf verschwenden, ob der stattdessen gewählte aktive Fonds gerade eine Schwächephase durchmacht, vor der Schließung steht oder zu einem fulminanten Comeback ansetzt. Hinzu kommt der Kostenvorteil, der gerade über längere Zeiträume enorme Wirkung entfaltet. Zwei Argumente, die immer mehr Anleger überzeugen – zumal es in der Medienwelt, online wie gedruckt, kaum noch eine andere mit Vehemenz vertretene Meinung gibt.

Trotzdem ist es im aktuellen Umfeld wahrscheinlich nicht die beste Idee, sein Vermögen dem laut Stiftung Warentest „wichtigsten Aktienindex für Fondssparer“ anzuvertrauen. Dagegen spricht der exorbitant hohe US-Anteil von 70 Prozent genauso wie die immer stärkere Konzentration auf die Top-Titel und deren Bewertung. So beherbergt der MSCI World zwar insgesamt mehr als 1.500 Unternehmen, allein die fünf größten von ihnen (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia) machen jedoch schon über 15 Prozent aus. Spitzenreiter Apple bringt dabei mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 3 Billionen US-Dollar genauso viel auf die Waage wie die kompletten Aktienmärkte Deutschlands und Frankreichs zusammen.

Das Ungleichgewicht ist nicht über Nacht entstanden. Niemand weiß zudem, wie lange es anhält, ob noch eine weitere Steigerung möglich ist und welche Ausmaße eine Trendumkehr in die andere Richtung annehmen kann. Sicher bin ich mir allerdings in einem Punkt: Seit dem Platzen der Japan-Blase Ende 1989 (Anteil der Börse Tokio am MSCI World damals 44 Prozent) waren die Erfolgschancen für einen abseits des Mainstreams aktiv nach Chancen suchenden Fondsmanager nicht mehr so groß wie mit Blick auf die nächsten 10 bis 15 Jahre.

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