Die Finanzmetropole am Main bekommt Besuch aus dem Orient. Erstmals listet ein Asset Manager aus Abu Dhabi seine Fonds an der Deutschen Börse – und bringt dabei vielfältige Anlagestrategien mit: thematische ETFs zu künstlicher Intelligenz, Quantencomputing und europäischem Luxus.
Der Vermögensverwalter Lunate, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten rund 115 Milliarden US-Dollar verwaltet, startet mit seiner Boreas-Reihe auf Xetra. Den Auftakt macht der „Boreas S&P AI Data, Power & Infrastructure Ucits ETF“ mit dem Kürzel AIPOWR. Am 27. Januar folgt ein Fonds, der auf europäische Luxusmarken setzt – mit Hermès, Ferrari, LVMH und Richemont im Portfolio. Weitere Produkte, darunter ein Quantencomputing-ETF, sind für das laufende Jahr angekündigt.
Zwischen Traditionen und Megaprojekten
Dass ausgerechnet ein Haus aus Abu Dhabi den Sprung nach Europa wagt, ist ungewöhnlich. Die Golfregion gilt als Heimat staatlicher Investmentfonds, die bevorzugt in Immobilien, Infrastruktur und Energieprojekte investieren. Lunate selbst konzentriert sich eigentlich auf Private Markets – illiquide Anlagen abseits der Börse. Doch mit dem ETF-Geschäft betritt der Vermögensverwalter nun ein Terrain, das für seine Branche untypisch ist: den transparenten, liquiden Publikumsmarkt.
Die Kostenquote der neuen Produkte liegt bei 0,49 Prozent jährlich. Der bereits handelbare KI-Infrastruktur-ETF hat ein Volumen von 16 Millionen Euro erreicht und bildet den S&P Transatlantic AI-Related Data Center & Power Supply Infrastructure Index physisch nach. Der Luxus-ETF orientiert sich am S&P Europe Luxury 35/20 Capped Index.
Strategische Markterschließung
Für die Abwicklung der europäischen Listings setzt Lunate auf eine Handvoll Partner: Jane Street übernimmt das Market Making, AHP Capital und NTree Deutschland den Vertrieb. Die Anteilsklassen werden über Euroclear begeben. Northwind, ein auf ETF-Strategien spezialisiertes Beratungshaus, unterstützt bei Produktentwicklung und Research.
Mit dem Schritt nach Frankfurt erschließt sich Lunate Zugang zu einem der größten ETF-Märkte weltweit. Nach Angaben der Deutschen Börse waren Ende 2024 rund 2.300 ETFs auf Xetra gelistet – mit einem Handelsvolumen von durchschnittlich 13 Milliarden Euro pro Monat. Der europäische ETF-Markt verwaltet insgesamt mehr als 2,3 Billionen Dollar.
Ob die Boreas-Produkte bei deutschen Anlegern auf Interesse stoßen, wird sich zeigen. Thematische ETFs gelten als spekulativer als breit diversifizierte Indexfonds. Ihre Performance hängt stark von der Entwicklung einzelner Sektoren ab – und davon, ob der Anbieter den richtigen Zeitpunkt für sein Thema trifft. Lunates Fokus auf KI-Infrastruktur und Luxusgüter setzt auf Trends, die aktuell im Markt diskutiert werden. Doch wie lange diese Themen tragen, bleibt offen.
