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Hendrik Leber gründete 1994 zusammen mit Claudia Giani-Leber das Frankfurter Fondshaus Acatis. | © Acatis

Acatis-Chef Hendrik Leber im Interview „Auf diese Entwicklung ist die Branche nicht vorbereitet“

DAS INVESTMENT: Sie sind anfangs ganz in die Fußstapfen der Value-Investment-Ikonen Benjamin Graham und Warren Buffett getreten. Im Laufe der Zeit haben Sie Ihre Strategie geändert. Was machen Sie heute anders?

Hendrik Leber: Graham und Buffett sind in statischeren Zeiten groß geworden als ich. Großartige Firmen wie General Motors, General Electric oder in Europa Siemens oder BASF hielten ein Jahrhundert. Darauf bauten die statischen Value-Rezepte auf – wenn’s billig war, wird’s auch wieder teuer. Seit einigen Jahren beobachte ich, dass die Welt sich in exponentieller Weise verändert. Das zwingt mich stärker, die Giganten von morgen zu entdecken als auf die Wiederkehr der Giganten von gestern zu warten. Buffett und Munger haben in den vergangenen 20 Jahren große Chancen verpasst – ich erinnere mich an den Satz „Das Internet ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Ich muss also meinen Kompetenzbereich  ausweiten, um die neuen Themen verstehen zu können, und mich an dieser Stelle von meinen Vorbildern lösen.

Auf welches Investment sind Sie im Nachhinein besonders stolz?

Hendrik Leber: Da gibt es sicherlich viele, Berkshire Hathaway auf dem ersten Platz. Ein interessantes Beispiel ist aber auch die Microsoft-Aktie, die um 685 Prozent zugelegt hat. Hier ist es mir gelungen, nach dem Abschied von Konzernchef Steve Ballmer die Wendung hin zum Kunden zu beobachten und daraus eine richtige Kaufentscheidung abzuleiten. Und natürlich wissen alle von meiner Bitcoin-Entscheidung. Jeder hat zu Bitcoin eine Meinung. Aber am Ende zählt, dass unsere Kunden mit Bitcoin mehrere Dutzend Millionen Euro verdient haben. Bei dieser Belohnung kann man schon mal einige heftige Diskussionen aushalten.

Ihr persönlicher Favorit unter allen Acatis-Fonds?

Hendrik Leber: Das ist natürlich der Datini-Fonds. In diesem Fonds geht es einzig um die langfristige Wertmaximierung. Es geht nicht um Risiko, nicht um Drawdowns, nicht um Index Tracking, nicht um Nachhaltigkeit, nicht um Prozesse. Wenn ich etwas Interessantes beobachte, kaufe ich es in den Datini-Fonds hinein. Ich weigere mich auch, die Investitionsgründe zu kommunizieren. Das gibt mir große Freiheit, und die Freiheit liefert eine gute Performance.

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