Christoph Gebert managt den Acatis Aktien Deutschland ELM Foto: Anna Mutter

Acatis-Manager Christoph Gebert im Gespräch

„Wir bieten den ersten Nachhaltigkeitsfonds mit deutschen Nebenwerten an“

DAS INVESTMENT: Sie managen seit Anfang 2019 den Acatis Aktien Deutschland ELM (ISIN: LU0158903558). Die Performance war 2017 und 2018  unterdurchschnittlich. Haben Sie den gewünschten Trendwechsel geschafft?

Christoph Gebert: Ja, in der Tat war insbesondere das Jahr 2018 sehr schwierig. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Acatis-Fonds seit 2003 sehr viele Jahre eine starke Performance geliefert hat. Und wie im Fußball oder generell im Sport ist es schwierig, jedes Jahr auf dem Siegertreppchen zu stehen. Die Durstrecke sollte nun hinter uns liegen. Wenn ich jetzt anderthalb Jahre zurückschaue, kann ich mit Stolz sagen, dass wir wieder auf Kurs sind. Gegenüber dem breiten deutschen Aktienmarkt liegt der Fonds seit Mitte 2019 gut 2 Prozentpunkte besser.

Welche Maßnahmen haben Sie dazu eingeleitet?

Gebert: Der Investmentprozess hat sich nicht verändert. Unsere Erfolgsfaktoren in der Unternehmensanalyse sind nach wie vor die Stärke des Geschäftsmodells, die Qualität des Managements und die Bewertung. Der Fokus im Portfolio liegt nun ganz klar auf deutschen Nebenwerten. Ich habe den Nebenwerte-Anteil daher von 40 bis 50 Prozent auf 90 Prozent deutlich erhöht. In Zukunft wird es auch keine Beimischung mehr von Unternehmen aus Österreich und der Schweiz geben. Mein Steckenpferd ist Deutschland und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Wer mich kennt, weiß auch, dass ich kein Freund des Markt-Timings bin. Daher wird es auch keine derivativen Absicherungsmaßnahmen geben. Die Kassehaltung ergibt sich implizit aus den Investitionsmöglichkeiten. Ganz einfach ausgedrückt: Je mehr Investitionschancen, desto geringer die Kasse, und umgekehrt. Außerdem habe ich die Anlagestrategie des Fonds kürzlich um Nachhaltigkeit ergänzt. Damit sind wir erster Nachhaltigkeitsfonds für deutsche Aktien mit Schwerpunkt Nebenwerten.

Wo liegen die Vor- und Nachteile des nun höheren Nebenwerte-Anteils?

Gebert: Wer in deutsche Aktien investieren möchte, kommt an Nebenwerten nicht vorbei. 95 Prozent des deutschen Aktienmarkts sind Nebenwerte. Unsere Analysen zeigen, dass unter Berücksichtigung von wichtigen Finanzkennzahlen wie Profitabilität, Rentabilität, Wachstum und Eigenkapitalquote auf den vorderen Plätzen mehrheitlich Nebenwerte sind. Die genannten Faktoren führen dazu, dass Nebenwerte gegenüber den Dax Werten langfristig mehr Performance einfahren.

Diese sogenannte Nebenwerte-Prämie möchten wir noch stärker im Fonds vereinnahmen. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass natürlich die Nebenwerten in Krisenzeiten als risikoreicher wahrgenommen werden und daher in Sresssituationen am Aktienmarkt kurzfristig mehr verlieren können. Auch ist unser Fonds für Momentum- oder kurzfristig anlegende Investoren ungeeignet. Wir investieren langfristig in die Unternehmen. Diesen Anlagehorizont sollten auch unsere Anleger mitbringen.

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