Franz Böhke

Franz Böhke

Äpfel & Birnen: Der Markt und die Perspektive der Agrarinvestments

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In den vergangenen Jahren wurde der Agrarsektor von vielen Experten zum langfristigen Wachstumsmarkt und Megatrend erklärt. Allerdings haben jüngst deutliche Preisrückgänge bei einzelnen Agrarrohstoffen (z.B. Weizen, Mais, Raps) bei Anlegern zu einer Ernüchterung geführt.

Ist der vermeintliche Megatrend bereits am Ende? Welche Investitionsmöglichkeiten in den Agrarsektor gibt es überhaupt und für welchen Anleger eignen sich diese?

Wesentliche Argumente für ein nachhaltiges Wachstum im Agrarsektor liefern das weltweite Bevölkerungswachstum, der gleichzeitige Rückgang der vorhandenen Agrarfläche, die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern sowie der stark zunehmende Anbau von Energiepflanzen. Die Entwicklung dieser Einflussfaktoren ist global kaum zu beeinflussen.

Daher wird der Trend der immer knapper werdenden Ressourcen im Agrarsektor langfristig anhalten und sich weiter verschärfen. So verwundert es auch nicht, dass der FAO Food Price Index in den vergangenen zehn Jahren, trotz der zuletzt eingetretenen Preisrückgänge, im Schnitt um 8,2 Prozent im Jahr zugelegt hat.

Der Index erfasst die Entwicklung der Weltmarktpreise von 55 Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln. Die Möglichkeiten, als Kapitalanleger an der weiteren Entwicklung der Branche zu partizipieren sind jedoch begrenzt.

ETC’s, Zertifikate, Futures auf Agrarrohstoffe

Kurzfristig sind einzelne Agrarrohstoffpreise sehr volatil. Wesentliche Einflussfaktoren sind klimatische Bedingungen und die damit einhergehenden Ernteerwartungen bzw. Erntemengen, Preisspekulationen sowie auch zunehmend die Entwicklung der Öl- und Energiepreise.

Eine laufende Rendite erwirtschaften Rohstoffinvestments natürlich nicht - es geht vorrangig um eine taktische Spekulation auf steigende oder fallende Preise. Aufgrund der starken Auswirkungen exogener Einflussfaktoren sowie der hohen Volatilität sind derartige Anlagen für breite Anlegerschichten nicht geeignet.

Aktien von Agrarunternehmen und Agrar-(Aktien)fonds


Die Industrialisierung und Kapitalmarktfähigkeit landwirtschaftlicher Unternehmen ist weltweit noch nicht sehr weit fortgeschritten.

Lediglich zwei Agrargesellschaften sind in Deutschland aktiv und börsennotiert. Die Marktkapitalisierung ist jedoch gering, die Bewertungen ambitioniert bzw. die Geschäftslage noch nicht stabil.

Aus diesem Grund sind die mittlerweile zahlreich vorhandenen Agrar-Fonds prozentual hoch in peripheren Branchen (zum Beispiel Düngemittel, Agrochemie, Landmaschinen, Nahrungsmittelindustrie) investiert.

Diese weisen natürlich andere branchenspezifische Risiken auf und sind deutlich volatiler in ihrer Geschäftsentwicklung als ein in der Grundnahrungsmittelproduktion tätiger typischer landwirtschaftlicher Betrieb.

Anlegern bietet sich eine einfache Einstiegsmöglichkeit und so zumindest eine indirekte Partizipation an einer positiven Entwicklung des Agrarsektors.

Außerbörsliche Beteiligungen oder der Erwerb von Flächen

Vorteile einer Beteiligung an etablierten landwirtschaftlichen Betrieben sind relativ stabile, weitgehend konjunkturunabhängige Erträge. Auch der direkte Erwerb von Agrarflächen mit anschließender Verpachtung an einen Landwirt kommt als wertstabile Sachwertanlage in Frage.

Aber auch diese Anlagemöglichkeiten sind rar und bedürfen einer entsprechenden Expertise und Zugangswegen. Zudem liegt eine sinnvolle Mindestinvestitionssumme bei Direktinvestments, z.B. in Ackerland, schnell oberhalb von 200.000 Euro.

Strukturierte Anlagelösungen, wie beispielsweise über geschlossene Fonds, sind aufgrund ihrer Kostenstruktur meist nicht zu empfehlen.

Die Mehrwerte einer Investition in die landwirtschaftliche Primärproduktion (Stabilität, unkorrelierte Erträge, Wachstumsperspektive, Sachwertcharakter, Knappheit der Ressource „Boden“) kann sich ein Anleger nur schwer erschließen.

Anlagen in der „Peripherie“ des Agrarsektors stellen allenfalls Kompromisse dar und sollten genauestens auf Ihre Eignung und Ihre Risiken hin überprüft werden, um Enttäuschungen zu vermeiden.

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