Mohammed Al Hashemi

Mohammed Al Hashemi

Afrika benötigt keinen Vertrauensvorschuss mehr

//
Selbst gut informierte Beobachter hatten Afrika als von Krieg, Korruption und Armut geplagt abgeschrieben. Seit dem Aufstieg von China und Indien nimmt jedoch die Erwartung zu, dass auch der afrikanische Kontinent, in dem etwa eine Milliarde Menschen leben, reif für ein Wirtschaftswunder ist.

Noch stehen wir am Anfang einer solchen Entwicklung, es gibt aber unübersehbare Anzeichen für einen Wandel in Politik und Wirtschaft. Schließlich gestalten eine ganze Reihe von Ländern die notwendigen Anpassungen an eine neue Zeit – und zwar auf friedliche Weise. So wurden etwa im letzten Jahr von internationalen Wahlbeobachtern als fair beurteilte, demokratische Wahlen in Ländern wie Nigeria, Tunesien, Sambia, Ruanda und Ägypten abgehalten.

Vor dem Hintergrund höherer politischer Stabilität ist das Regieren stetiger und transparenter geworden. Das sind wichtige Voraussetzungen, um die für eine nachhaltige Wirtschaftsordnung unverzichtbaren, langfristig ausgerichteten Investoren zu überzeugen.
Finanzexpertinnen im EM-Fieber 11 Fragen …
Hohes Wachstum…

Viele globale institutionelle Investoren beabsichtigen daher inzwischen, ihre Engagements in Afrika wesentlich auszubauen. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie der Invest AD und der Economist Intelligence Unit (EIU) wurden 158 Führungskräfte bedeutender global operierender Organisationen befragt. Ein Ergebnis der Erhebung: 51 Prozent der Befragten erwarten, dass Afrika unter den Emerging Markets das attraktivste Anlageziel in den nächsten zehn Jahren sein wird.

...und steigende Investitionen möglich


Bis 2016 rechnen zudem alle der Befragten damit, dass ihre jeweilige Organisation in der einen oder anderen Weise in Afrika investieren wird. Ein Drittel kann sich vorstellen, dort mindestens fünf Prozent des Anlagevermögens anzulegen. Gegenwärtig gibt fast die Hälfte aller befragten Anleger an, gar nicht oder mit einem Anteil von weniger als einem Prozent in Afrika investiert zu sein.

Diese Ergebnisse stimmen grundsätzlich optimistisch für Afrika. Denn sie belegen, dass große Anlagesummen zur Verfügung stehen, um das aktuell hohe Wachstum aufrecht zu erhalten. Dieses Wachstum ist auch dringend notwendig, um die wachsende und junge Bevölkerung dieser Länder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Risiken beachten

Wie in allen Frontier Markets sind auch in Afrika, schwerwiegende Risikofaktoren zu berücksichtigen. Zwar halten die im Rahmen der Studie befragten Investoren Korruption für eines der gravierenden Probleme in vielen afrikanischen Staaten. Im Vordergrund stehen gleichwohl eher technische Fragen der Marktliquidität und Rechtssicherheit. Dieses Ergebnis legt nahe, dass Anleger die traditionelle Sorge um die politische Stabilität Afrikas überwunden haben. Stattdessen achten sie pragmatisch auf die Faktoren, die sich im alltäglichen Geschäft auf ihre Investitionen auswirken können.

Interessanterweise belegt die Studie, dass die einseitige Orientierung am Rohstoffreichtum Afrikas für Investoren keine Rolle spielt. Der Fokus liegt dagegen, wie schon in China und Indien, auf dem Thema Einkommenskonvergenz. Der Aufstieg einer kaufkräftigen Mittelschicht in Abuja (Nigeria), Accra (Ghana), Nairobi (Kenia) und sogar in Kigali (Ruanda) befeuert die Nachfrage nach allen möglichen Produkten und Dienstleistungen vom Mobiltelefon-Banking bis hin zu Erfrischungsgetränken.

Aufgrund solch attraktiver Renditechancen werden Investoren Kapital bereitstellen, das dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu schaffen und die Einkommensniveaus anzuheben. Dieser sich selbst verstärkende positive Kreislauf hat in den letzten Jahren schon die Entwicklung in Asien und Lateinamerika geprägt. Jetzt ist Afrika an der Reihe wirtschaftlich durchzustarten. Einen Vertrauensvorschuss benötigt der Kontinent nicht mehr.


Zum Autor: Mohammed Al Hashemi ist Leiter Asset Management bei der Invest AD, einem Finanzdienstleister mit Sitz in Abu Dhabi, der für das Portfoliomanagement des Frankfurt-Trust-Fonds FT Emerging Arabia zuständig ist.

Mehr zum Thema