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Investiert vorzugsweise in ägyptische Banken: Malek Bou-Diab, Fondsmanager des BB African Opportunities. | © Bellevue Foto: Bellevue

Afrika-Fondsmanager im Interview

„Investoren unterschätzen Ägypten“

DAS INVESTMENT: Herr Bou-Diab, warum ist Afrika für Anleger interessant?

Malek Bou-Diab: Afrika ist eine riesige Wirtschaftszone, die global kaum integriert ist. Aus weltumspannender und lokaler Perspektive wäre es  vorteilhaft, wenn sich das ändert. Chinas Interesse, afrikanische Länder einzubinden, ist wegweisend. Der Erfolg Asiens zeigt, was mit internationalen Handelsketten wirtschaftlich möglich ist.

Mit dem BB African Opportunities investieren Sie schwerpunktmäßig in Ägypten. Was sind die Gründe?

Bou-Diab: Bei Investitionen in Afrika sind schlagkräftige Reformen der öffentlichen Hand die Basis, um wirtschaftliches Potenzial in konkrete Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen umzuwandeln. Das hilft auch Anlegern. Ohne Reformen kann sich Potenzial nicht materialisieren. Nicht alle afrikanischen Regierungen sind in der Lage, kurzfristig schmerzhafte, aber langfristig vorteilhafte Reformen durchzuführen. Ägyptens Regierung sticht diesbezüglich heraus und hat in den vergangenen Jahren viel getan, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Und zwar?

Bou-Diab: Ägyptens Währungskopplung an den US-Dollar und die höhere Inflation haben dazu geführt, dass das Land auf internationaler Ebene wirtschaftlich nicht mehr wettbewerbsfähig war. Deshalb hat es 2016 seine Währung abgekoppelt und radikal abgewertet. Mit dem neuen System ist auch ein neuer wirtschaftlicher Ansatz entstanden. Es ist für Unternehmen interessanter, lokal zu produzieren, anstatt zu importieren. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und das Wachstum beschleunigt sich. Auch ausländische Firmen finden günstige Bedingungen vor und verlegen ihre Produktion nach Ägypten. Diese neue Dynamik zieht das Interesse von  Investoren wie uns auf sich.

Ägyptens Wirtschaftswachstum wird auch immer wieder von Terroranschlägen gebremst. Was tut die Regierung dagegen?

Bou-Diab: Anschläge sind weltweit ein Risiko. Ägypten wurde Opfer grausamer Anschläge mit verheerender Auswirkung auf den Tourismussektor. Die Regierung bekämpft Terrororganisationen und extremistische Ideen mit voller Härte und reformiert auch den religiösen Diskurs. Es ist eine gewisse Ruhe eingekehrt.

Was sagen Sie zur omnipräsenten Rolle der ägyptischen Armee in der Wirtschaft?

Bou-Diab: Die Armee ist tatsächlich in gewissen Bereichen sehr präsent. Dazu zählt der Infrastrukturbau und die Versorgung der ärmeren Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Diese Sektoren hatten nach der Revolution eine strategisch wichtige Bedeutung, da Mangel herrschte. Die Armee ist aber nur in ausgesuchten Bereichen aktiv. Ägyptens Regierung legt Wert darauf, dass die Privatwirtschaft Raum zur Entwicklung hat.

Die Abkopplung des ägyptischen Pfunds vom Dollar war sicher erst mal hart, oder?

Bou-Diab: Ja natürlich, und es brauchte politischen Mut vor allem vor dem Hintergrund, dass das Land gerade erst eine Revolution erlebt hatte. Das Pfund hat gegenüber dem Dollar über 50 Prozent seines Wert verloren, was zu einer Inflation von über 30 Prozent geführt hat. Die Preissteigerung wurde auch angeheizt, weil die Treibstoffsubventionen gekürzt wurden.

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