Die Diskussion um die Aufnahme konventioneller Rüstungsgüter in nachhaltige Anlageprodukte beschäftigt zunehmend die deutsche Finanzbranche. Eine aktuelle Umfrage des AfW Bundesverbands Finanzdienstleistung unter 1.173 unabhängigen Vermittlern zeigt eine klare Tendenz: 41,7 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine nachhaltige Klassifizierung konventioneller Waffen aus.

Nur 18,6 Prozent der Vermittler befürworten eine solche Erweiterung des ESG-Begriffs, während 31,7 Prozent neutral bleiben. Völkerrechtlich geächtete Waffen wie biologische oder chemische Kampfstoffe sind dabei ausgenommen.

Europa rüstet auf ...

Vor dem Hintergrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage investieren viele Staaten verstärkt in ihre Verteidigungsfähigkeit. Dies führt auch in der Finanzwelt zu einer Neubewertung von Rüstungsaktien. Erste Anbieter von Investmentfonds haben begonnen, diese in als nachhaltig gelabelte Produkte aufzunehmen – unter Berufung auf ihre Bedeutung für die Sicherung von Frieden und Freiheit.

Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW, äußert Bedenken: „Die Aufnahme von Rüstungsgütern in nachhaltige Produktkategorien würde aus unserer Sicht die gesellschaftliche Akzeptanz der Nachhaltigkeitsregulierung weiter schwächen." Als Beispiel nennt er die bereits kontroverse Einordnung der Energiegewinnung aus Gas und Atomkraft in die EU-Taxonomie.

 

... und die Branche digitalisiert sich

Die Umfrage zeigt auch Entwicklungen bei der praktischen Umsetzung der ESG-Abfragepflichten. Der Anteil derjenigen Vermittler, die ein IT-Tool nutzen, stieg von 42 Prozent im Vorjahr auf 46,3 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die ESG-Präferenzen über PDF- oder Papierdokumente erheben, von 38 auf 33,5 Prozent.

Allerdings zeigen sich bei der Qualität der digitalen Lösungen noch Defizite: Während mehr als 60 Prozent der IT-Tool-Nutzer angeben, eine Produktauswahl auf Basis der abgefragten Nachhaltigkeitspräferenzen zu erhalten, funktioniert dies bei rund einem Drittel der Befragten nicht zufriedenstellend.

Bei der Herkunft der ESG-Tools dominieren Maklerpools mit einem Anteil von 70,4 Prozent als wichtigste Bezugsquelle. Lösungen von Produktgebern wie Versicherern oder Fondsgesellschaften verlieren weiter an Bedeutung und kommen aktuell auf 16,8 Prozent. Nur fünf Prozent der Vermittler setzen auf alternative Quellen.

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Zur Studie

Das AfW-Vermittlerbarometer wurde bereits zum 17. Mal durchgeführt. Die Online-Umfrage fand im Oktober und November 2024 statt. Von den 1.173 Teilnehmern haben 88,6 Prozent eine Erlaubnis für die Versicherungsvermittlung, davon beraten rund 84 Prozent im Maklerstatus. 59,1 Prozent verfügen über die Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler. 62,4 Prozent der Befragten sind keine Mitglieder des AfW.

Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 40.000 Versicherungsmaklern sowie unabhängigen Finanzanlagen- und Immobiliardarlehensvermittlern aus mehr als 2.100 Mitgliedsunternehmen.