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AfW-Vermittlerbarometer Die meisten Vermittler nutzen digitale Tools im Beratungsgespräch

Vermittlerin im Kundengespräch
Vermittlerin im Kundengespräch: In der Beratung kommen häufig digitale Tools zum Einsatz. | Foto: Imago Images / Westend61

Die Mehrheit der Vermittler nutzt digitale Tools für den Beratungsprozess. Fast die Hälfte arbeitet mit einer App für ihre Kunden. Das geht aus einer umfangreichen Online-Befragung hervor, die der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW) jedes Jahr unter Versicherungs- und Finanzvermittlern durchführt.

Die Ergebnisse des Vermittlerbarometers veröffentlicht der Verband stückweise. Nun gibt es ein neues Stimmungsbild zur Digitalisierung in der Vermittlerschaft. Zu den rund 1.100 Teilnehmern der aktuellsten Umfrage, die im November 2023 bereits zum 16. Mal durchgeführt wurde, gehören dabei nicht nur Mitglieder des AfW.

Das Beratungsgespräch wird zunehmend digital unterstützt

Zunächst ging es in der Umfrage darum, zu erfahren, wie die Berater die Daten ihrer Privatkunden erheben. Überraschend finden die Studienautoren, dass deutlich mehr Vermittler (40 Prozent) die Datenerhebung vor der Beratung bei jedem Kunden individuell statt standardisiert gestalten. Die strukturierte Datenerhebung inklusive jener nach DIN-Norm 77230 kommt dennoch auf einen Anteil von gut 55 Prozent.

Deutlicher ist die Digitalisierung in den Beratungsprozess eingezogen. Etwa 60 Prozent der Befragten nutzen bereits digitale Beratungstools. 12 Prozent gaben an, diese künftig nutzen zu wollen. Allerdings haben auch knapp 19 Prozent der Teilnehmer nicht vor, in Zukunft auf Tools zurückzugreifen.

Damit sind es erstmals seit 2019 wieder mehr Vermittler, die komplett auf digitale Tools verzichten wollen. Zuvor hielt dieser Anteil sich mehrere Jahre stabil bei 15 Prozent. Gleichzeitig haben im Vorjahr mit 65 Prozent auch noch mehr Vermittler bereits mit Digitaltools gearbeitet. Der Anteil war seit 2019 stetig gestiegen und ist nun wieder leicht rückgängig.

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Eine der Fragen im AfW-Vermittlerbarometer lautete, wie die Berater digitale Beratungstools nutzen. © AfW

Die Skepsis gegenüber digitalen Lösungen schwindet

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Die Frage, ob sie ihren Kunden zwecks Vertagsübersicht eine App zur Verfügung stellen, beantworten 44 Prozent der Befragten mit ja. Über die letzten Jahre ist dabei ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. Die anfänglich vom AfW ermittelte Skepsis der Vermittler, ob die Kunden sich eine solche App installieren, scheint überwunden. Zwar schwankte dieser Wert über die letzten Jahre, doch immerhin mehr als 20 Prozent der Kunden nutzen laut der Befragten aktiv diese Apps.

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Der Anteil an Vermittlern, die mit einer Kundenapp arbeiten, steigt seit Jahren. © AfW

Auch die einstige Befürchtung, dass Marktteilnehmer wie Fintechs die Branche disruptieren, scheint beigelegt. Nur gut 6 Prozent der Umfrageteilnehmer sahen 2023 eine direkte Konkurrenz in Fintechs, Insurtechs und Robo Advisorn. 2021 waren es noch 14 Prozent. Während es 2021 auch noch 31 Prozent waren, die meinen, dass digitale Lösungen keine große Rolle in der privaten Altersvorsorge spielen werden, sind es nun nur noch 18 Prozent.

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Fintechs, Insurtechs und Co. werden von den meisten Vermittlern nicht als direkte Konkurrenz gesehen. © AfW

Der AfW bewertet das Voranschreiten der Digitalisierung positiv

Der AfW sieht in digitalen Tools bereits jetzt eine große Unterstützung, die die tägliche Arbeit vereinfacht, und schätzt, dass die Digitalisierung in der Branche weiter voranschreitet, auch wenn die Beratung eines ausgebildeten Vermittlers sich damit nicht ersetzen lässt.

Das Thema beschäftigt die Vermittlerschaft schon länger, sagt AfW-Vorständin Franziska Geusen. „Inwieweit die nun exponentiell voranschreitende Entwicklung durch branchenfremde Tools wie Chat GPT oder auch Weiterentwicklungen innerhalb unserer Branche, zum Beispiel durch den Bipro-Hub, die Zahlen in den nächsten Jahren beeinflussen, bleibt abzuwarten. Wir rechnen hier jedoch mit einer deutlichen Veränderung der Daten, auch durch Generationswechsel in den Vermittlerhäusern“, kommentiert Geusen.

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