AGI-Chefvolkswirt Stefan Hofrichter

AGI-Chefvolkswirt Stefan Hofrichter

AGI-Chefvolkswirt: „Europäische Aktien sind günstig“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Hofrichter, haben wir das Schlimmste in Sachen Schulden- und Eurokrise überstanden?  

Stefan Hofrichter: Ja, ich denke schon. Die Eurozone ist zwar in einer Rezession. 2013 erwarte ich aber eine Stabilisierung. Die Wirtschaft wird leicht wachsen.

Woran machen Sie das fest?

Hofrichter:
Die Sparmaßnahmen, vor allem in Griechenland und Spanien, haben ihren Zenit erreicht und werden in diesem Jahr nicht mehr ganz so hart ausfallen. Das schafft wieder etwas mehr Luft für Investition und Konsum. Außerdem lässt der Druck seitens der Finanzmärkte etwas nach. Wir sehen einen leichten Rückgang in der Risikobeurteilung von Anleihen, die Risikoprämien sinken. Der Stress nimmt ab.

Es geht also wieder bergauf?

Hofrichter
: Eine nochmalige Verschärfung in der Eurozone können wir nicht komplett ausschließen. Das Risiko ist aber deutlich gesunken. Dennoch gibt es keine Garantie. Grundsätzlich sind wir in einem strukturell schwachen Wachstumsumfeld.

Die Bilanzen der Zentralbanken sind explodiert. Bringt die Geldschwemme die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs?

Hofrichter:
Das beherzte Eingreifen der Notenbanken hat die Finanzmärkte beruhigt und die Refinanzierung der Banken erleichtert. Das ist gut, aber ein Großteil der Gelder wird nicht weitergegeben. Das Kreditwachstum in der Eurozone ist sehr verhalten. Wir erwarten eine Stabilisierung in der Eurozone, aber nicht mehr. In den USA sieht man eine leichte Beschleunigung.

Droht Inflation?

Hofrichter:
Die Weltwirtschaft schwimmt nicht im Geld, die breite Geldmenge wächst global mit einer eher durchschnittlichen Rate. Inflationsbefürchtungen sind auf Sicht der nächsten ein bis zwei Jahre nicht begründet. Danach kommt es darauf an, dass die Zentralbanken es schaffen, die Inflationserwartungen einzudämmen. Bisher schaffen Sie es.

Aber irgendwo muss das Geld ja hin. Derzeit fließt es vor allem in den Rentenmarkt. Dort nehmen die Risiken deutlich zu. Was kommt dann?

Hofrichter: Das kann man nicht pauschal sagen. Es hängt von den Erwartungen der Marktteilnehmer ab. Wenn die Wachstumserwartungen zunehmen und es keine gravierenden falschen Entscheidungen auf der Politikseite gibt, kann es in den Aktienmarkt fließen.

Wird 2013 ein Aktienjahr?

Hofrichter:
Die Börsen sind weiterhin sehr stark von zyklischen Bewegungen  und von Politikentscheidungen getrieben. Einfach kaufen und halten ist sicherlich die falsche Strategie in diesem Jahr, man muss aktive Entscheidungen treffen. Am ehesten könnten noch die Schwellenländer profitieren. Auch europäische Aktien sind günstig, wenn auch nicht mehr so wie 2009. US-Titel halte ich für fair bewertet.

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