Die deutsche Versicherungsbranche treibt die digitale Transformation voran: Mehr als 75 Prozent der Versicherungsunternehmen setzen bereits auf generative KI-Tools oder planen deren Einführung für ihre Innendienst-Mitarbeiter. Dies geht aus der aktuellen Weiterbildungsumfrage 2024 hervor, die der BWV Bildungsverband gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) durchgeführt hat.
Effizienzsteigerung als Haupttreiber der KI-Implementierung
Die Erwartungen der Branche an die neue Technologie sind dabei durchweg positiv: Alle befragten Unternehmen (100 Prozent) rechnen mit einer deutlichen Steigerung der Effizienz. Jeweils 88 Prozent der Versicherer erwarten zudem Kosteneinsparungen und Produktivitätssteigerungen. Auch eine Zunahme von Innovationen (78 Prozent) sowie eine verbesserte Kundenbetreuung (75 Prozent) zählen zu der Erwartung, die an das Thema KI geknüpft sind. Unklar bleibt, welche Effekte der Einsatz schon in der Gegenwart hat.
Allerdings ist das Bild des tatsächlichen oder geplanten KI-Einsatzes über die Unternehmensbereiche hinweg sehr unterschiedlich. Während die IT auf 84 Prozent kommt, liegen kaufmännische Unternehmensbereiche deutlich zurück. In Abteilungen von Bilanzierung und Rechnungswesen sind es gerade mal 26 Prozent. Gründe hierzu benennt die Studie nicht.
Bedeutungszunahme der KI absehbar
Klar ist aber auch, dass die Bedeutung der generativen KI in den kommenden Jahren noch weiter steigen dürfte. Während derzeit 44 Prozent der befragten Unternehmen KI als fest etabliert ansehen und 34 Prozent den Einsatz planen, geben für die nächsten fünf Jahre bereits 55 Prozent der Befragten an, dass die Bedeutung von KI sehr hoch sein wird – mit weiteren 39 Prozent, die sie hoch einschätzen.
Um einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-basierter Technologie sicherzustellen, haben bereits knapp 60 Prozent der Versicherungsunternehmen entsprechende Guidelines implementiert. Weitere 34 Prozent planen dies, während es für 6 Prozent der Unternehmen gar kein Thema ist.





Hohes Engagement zur Bindung von Talenten und älteren Mitarbeitern
Weiteres Ergebnis: Der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen älteren und jüngeren Beschäftigten gewinnt zunehmend an Bedeutung. 68 Prozent der Unternehmen setzen dabei auf altersgemischte Gruppen, 53 Prozent auf spezielle Weiterbildungsformate. Zusätzlich nutzen 45 Prozent Wissensdatenbanken und 40 Prozent Mentoring-Programme zur Wissenssicherung.
Zudem verfolgen 57 Prozent der Unternehmen eine strategische Nachfolgeplanung (weitere 18 Prozent planen dies zu tun). Die Beschäftigung älterer Mitarbeiter über die Regelaltersgrenze hinaus wurde von 55 Prozent der Unternehmen regelmäßig oder in Einzelfällen bereits umgesetzt; bei weiteren 29, die es planen oder zumindest als Option ansehen. Für 17 Prozent der befragten Unternehmen kommt es nicht infrage.
Neben der Bindung älterer Beschäftigter hat auch die Gewinnung junger Talente einen hohen Stellenwert. 86 Prozent der befragten Branchenfirmen beschäftigten sich mit Talentmanagement. 7 Prozent geben an, dass sie einen strukturierten Prozess für die Gewinnung, Bindung und Förderung von Talenten haben. Bei weiterem 22 Prozent ist dies in Planung.
Weiterbildungsengagement leicht gestiegen
„Künstliche Intelligenz und Fachkräftemangel – die Ergebnisse der Weiterbildungsumfrage belegen, dass die Versicherungsbranche diese Blockbuster-Themen nicht nur auf dem Radar hat, sondern sehr konkret mit einem Bündel an Maßnahmen angeht“, sagt Katharina Höhn, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BWV Bildungsverband. Erfreulich sei auch, dass das Weiterbildungsengagement der Mitarbeiter mit durchschnittlich 3,1 Tagen weiterhin auf einem hohen Niveau bleibe (Vorjahr; 2,9 Tage).
Die diesjährige Weiterbildungsumfrage basiert auf den Rückmeldungen von 44 Unternehmen beziehungsweise Unternehmensgruppen, die laut der Verbände 82 Prozent der Arbeitnehmer im Innendienst der deutschen Versicherungswirtschaft repräsentieren. Die vollständigen Ergebnisse sind hier abrufbar.

