Die Kapitalmärkte sind in Bewegung. Zinsen, geopolitische Veränderungen, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und die Transformation der Energieversorgung verändern die Rahmenbedingungen für Anleger. Gleichzeitig wächst der Anteil der Wirtschaftsleistung, der außerhalb der klassischen Börsen entsteht.

Damit rückt eine Anlagewelt stärker in den Fokus, die lange vor allem institutionellen Investoren offenstand: die Privatmärkte.

Für Anleger geht es dabei nicht darum, Aktien und Anleihen durch alternative Anlagen zu ersetzen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob sich ein Portfolio durch zusätzliche Renditequellen und andere Risikotreiber breiter aufstellen lässt.

Jenseits von Aktien und Anleihen

Unter dem Begriff „alternative Anlagen“ werden unterschiedliche Anlageklassen zusammengefasst. Dazu gehören vor allem Private Equity, Private Credit, Immobilien und Infrastruktur. Daneben zählen auch Hedgefonds und sogenannte Liquid Alternatives zum Spektrum.

Der wesentliche Unterschied zu klassischen Börsenanlagen: Viele dieser Vermögenswerte werden nicht an öffentlichen Märkten gehandelt. Ein Investor kann eine Beteiligung an einem privaten Unternehmen oder eine Infrastrukturinvestition daher nicht einfach per Knopfdruck an der Börse verkaufen.

Diese geringere Liquidität ist einerseits ein Risiko – andererseits kann sie eine zusätzliche Renditechance eröffnen. Anleger können für die Bereitschaft, Kapital länger zu binden, eine sogenannte Illiquiditätsprämie erhalten. Ob diese Prämie tatsächlich vereinnahmt wird, hängt allerdings von der konkreten Anlage, dem Manager, dem Einstiegszeitpunkt und der Entwicklung des Investments ab.

Private Equity: Zugang zu Unternehmen außerhalb der Börse

Private Equity bezeichnet Beteiligungen an Unternehmen, die nicht börsennotiert sind. Für Anleger eröffnet sich damit ein Anlageuniversum, das über die klassischen Aktienmärkte hinausgeht.

Der Ansatz kann insbesondere für langfristig orientierte Portfolios interessant sein: Private-Equity-Investoren verfolgen häufig einen mehrjährigen Anlagehorizont und versuchen, Unternehmen aktiv weiterzuentwickeln, bevor Beteiligungen später wieder veräußert werden.

Damit verändert sich auch die Perspektive auf Wertentwicklung. Nicht die tägliche Börsenbewegung steht im Mittelpunkt, sondern die langfristige Entwicklung des zugrunde liegenden Unternehmens.

Gleichzeitig gilt: Private Equity ist komplex und mit erheblichen Risiken verbunden. Kapital kann über lange Zeit gebunden sein, Bewertungen sind weniger unmittelbar am Markt sichtbar und ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Private Credit: Renditechancen auf der Kreditseite

Eine weitere Säule der Privatmärkte ist Private Credit. Gemeint sind Kreditfinanzierungen außerhalb des klassischen Bank- und Anleihemarktes.

Für Unternehmen kann Private Credit eine zusätzliche Finanzierungsquelle darstellen. Für Anleger wiederum kann der Bereich Zugang zu laufenden Erträgen eröffnen. BlackRock bündelt dabei Strategien an öffentlichen und privaten Kreditmärkten und rückt die Frage nach der Qualität der Kreditnehmer in den Vordergrund. Denn höhere laufende Erträge gehen nicht automatisch mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis einher. Entscheidend sind unter anderem Bonität, Sicherheiten, Vertragsstrukturen und die Fähigkeit des Kreditnehmers, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Infrastruktur und Immobilien: Sachwerte mit langfristigem Horizont

Auch Infrastruktur und Immobilien gehören zu den klassischen alternativen Anlagen. Sie verbinden die Eigenschaften eines langfristigen Investments mit einem Bezug zur realen Wirtschaft.

Bei Infrastruktur reicht das Spektrum von Energie und Transport bis hin zu digitaler Infrastruktur. Gerade strukturelle Entwicklungen wie Digitalisierung, der Ausbau von Rechenzentren und die Energiewende führen nach Einschätzung von BlackRock zu einem wachsenden Investitionsbedarf.

Immobilien wiederum können laufende Erträge aus Vermietung sowie langfristige Wertentwicklung bieten. Beide Anlageklassen werden häufig auch mit dem Thema Inflationsschutz verbunden. Dahinter steht die Überlegung, dass Sachwerte und bestimmte Einnahmeströme mit steigenden Preisen Schritt halten können.

Diversifikation statt „mehr Risiko“

Ein häufig genanntes Argument für alternative Anlagen ist die Diversifikation. Ihre Wertentwicklung kann sich teilweise anders entwickeln als die von börsennotierten Aktien und Anleihen. Damit können alternative Anlagen zusätzliche Risiko- und Ertragsquellen in ein Portfolio bringen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Alternativen automatisch das Risiko eines Portfolios senken. Private-Market-Anlagen unterliegen ebenfalls Markt-, Kredit-, Liquiditäts- und Kapitalrisiken. Zudem können unterschiedliche Anlageklassen in Stressphasen stärker miteinander korrelieren, als es historische Daten vermuten lassen.

Alternative Anlagen sind kein Selbstläufer

Der größere Zugang zu Privatmärkten verändert die Anlagelandschaft. Gleichzeitig sollte der Begriff „alternativ“ nicht mit „besser“ gleichgesetzt werden.

Private Equity kann hohe Wertsteigerungen ermöglichen, aber auch Verluste produzieren. Private Credit kann attraktive laufende Erträge bieten, ist jedoch mit Kredit- und Ausfallrisiken verbunden. Infrastruktur und Immobilien können langfristig stabile Cashflows liefern, reagieren aber ebenfalls auf Konjunktur, Zinsen, Regulierung und die Entwicklung der zugrunde liegenden Märkte.

Hinzu kommt die Liquidität. Während sich ein börsengehandelter ETF in der Regel kurzfristig veräußern lässt, können Investitionen in Privatmärkte über Jahre gebunden sein. Anleger müssen deshalb sicherstellen, dass die gewählte Struktur zum eigenen Anlagehorizont und Liquiditätsbedarf passt.

Die entscheidende Frage: Welche Rolle soll die Anlage spielen?

Alternative Anlagen sollten als Werkzeug innerhalb der strategischen Asset-Allokation angesehen werden. Für den einen Anleger kann Private Credit vor allem wegen laufender Erträge interessant sein. Für einen anderen steht der langfristige Kapitalzuwachs durch Private Equity im Vordergrund. Infrastruktur oder Immobilien können wiederum wegen ihrer Sachwert-Eigenschaften und möglicher stabiler Cashflows relevant sein.

Entscheidend ist daher nicht die Suche nach der vermeintlich besten alternativen Anlage. Vielmehr sollte zunächst geklärt werden, welches Ziel das Gesamtportfolio verfolgt – und welchen Beitrag eine alternative Anlage dazu leisten kann.

BlackRock positioniert seine Alternatives-Plattform entsprechend als Möglichkeit, das Anlageuniversum über die klassischen öffentlichen Märkte hinaus zu erweitern. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: mehr Auswahl – aber auch mehr Verantwortung bei der Auswahl.

Kurz gesagt: Alternative Anlagen können ein Portfolio sinnvoll ergänzen. Sie machen eine gute Aufteilung des Vermögens aber nicht überflüssig. Anleger sollten weiterhin auf Risiken, Kosten, Verfügbarkeit des Geldes und den eigenen Anlagehorizont achten.