Steigen die Aktienkurse? Fallen sie? Die legendäre Tafel mit den Aktienkursen in der Frankfurter Börse gibt Auskunft

Steigen die Aktienkurse? Fallen sie? Die legendäre Tafel mit den Aktienkursen in der Frankfurter Börse gibt Auskunft

Aktien: Attraktiv und alternativlos

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Ob das noch jemals etwas wird mit dem Deutschen und der Aktie? Im laufenden Jahr wohl nicht mehr. Jedenfalls deuten die Zahlen des Investmentverbands BVI darauf hin, dass 2012 als weiteres mieses Jahr für die deutsche Aktienkultur im Ablageordner der Geschichte landen wird. Auf 5,9 Milliarden Euro summieren sich die Abflüsse aus Aktienfonds von Jahresbeginn bis August.

Hoch im Kurs stehen dagegen Rentenfonds mit Neuanlagen von bis dato netto 18,4 Milliarden Euro. Die aktuelle – größtenteils durch billiges Zentralbankengeld getriebene – Rally dürfte damit an vielen Anlegern vorbeigerast sein. Ein guter Anlass, Volkswirte zu befragen, ob der Zug nun schon abgefahren ist. Oder gibt es vielleicht doch noch Gründe für weiter steigende Kurse?

Gute Zeichen aus der Wirtschaft

Durchaus. So nennt Edgar Walk das Verhältnis von Aktienkursen zum in den Firmen entstehenden Cashflow, also den Überschüssen aus dem normalen Tagesgeschäft. „Das Verhältnis liegt ungefähr ein Viertel unter dem langfristigen Durchschnitt“, sagt der Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management. Zudem würden Unternehmen äußerst angenehme Gewinnbeteiligungen an ihre Aktionäre ausschütten.

Die Dividendenrendite liegt laut Walk beim Aktienindex MSCI Europe bei 3,9 Prozent. Eine Bundesanleihe bringt auf Sicht von zehn Jahren lediglich 1,6 Prozent pro Jahr. Und dann sagt er etwas, das in Zeiten wie diesen nicht allzu vertraut klingt: „Es gibt erste Anzeichen für eine Trendwende in der Weltwirtschaft, was die Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten stützen dürfte.“ Das verblüfft angesichts zahlreicher Meldungen, die eher den Weg nach unten vorhersagen. Walk belegt: Das globale Verhältnis zwischen Neuaufträgen und Lagerbeständen hat im vergangenen Monat einen kräftigen Ruck nach oben gesehen.

Zwar nach drei Jahren Abwärtstrend, aber der Mensch freut sich. Zudem haben sichdas Geschäftsklima in China und selbst die Perspektiven in der Eurozone leicht aufgehellt. Ebenfalls in Optimismus übt sich Janwillem Acket. „Viele börsennotierte Bluechip- Unternehmen haben seit Beginn der Finanzkrise Schulden abgebaut, Produktivität erhöht und Innovationen, also Mehrwert, geschaffen. Damit haben sie sehr oft die Erwartungen der Anleger übererfüllt“, sagt der Chefvolkswirt der Privatbank Julius Bär. Das Management solcher meist privat geführten Unternehmen habe sich mehr Vertrauen verdient als in den meisten Ländern die Politik. Damit ist auch bei ihm die Marschrichtung klar: lieber Aktien als Staatsanleihen.

Lob für EZB-Chef Draghi

Den Schwerpunkt setzt er in Kern-Euroländern wie den Niederlanden und Deutschland sowie einigen asiatischen Ländern wie etwa Südkorea. Gerade Letztere hätten noch wirtschaftliches Aufholpotenzial gegenüber hoch entwickelten Nationen wie den USA. Für Acket hat die Europäische Zentralbank (EZB) um Chef Mario Draghi sehr gut gearbeitet und mit ihren Anleihekäufen die Nerven beruhigt. Die Weichen für einen Aufschwung könne allerdings nur die Politik stellen.

Ein ganz anderes Bild entwirft Thorsten Polleit, Chefökonom bei Degussa Goldhandel und Gründungspartner von Polleit & Riechert Investment Management. Er würde die EZB am liebsten schließen und abschaffen. „Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in der Abschwungphase – nach einem Scheinaufschwung in den vergangenen Jahren, den Geld- und Fiskalpolitiker provoziert haben. Die Volkswirtschaften versuchen, der unentrinnbaren Depression zu entkommen“, sagt Polleit. Der Versuch, die Wirtschaft durch Geldschwemme zu stützen, werde vor allem Anleger in festverzinslichen Titeln schwer schädigen.

Aber auch viele Aktien würden leiden, so der Volkswirt, weil die Unternehmen ernste Schwierigkeiten mit dem inflationären Umfeld haben werden. Schutz sieht er noch am ehesten in Unternehmen, die Waren für den täglichen Bedarf herstellen. Allerdings muss der Kurs stimmen. „Für Nestlé, die allseits beliebte Aktie, zahlen Sie zum Beispiel bereits das Zwanzigfache des letzten Nettogewinns – ein hoher Preis. Derzeit zu hoch“, meint Thorsten Polleit. Es kristallisiert sich heraus, dass der Blick in die Zukunft das wohl schwierigste Unterfangen derzeit ist. Wie gehen die Märkte mit dem vielen neu gedruckten Geld um? Werden die Zentralbanken es beizeiten wieder einsammeln können?

Werden die Staaten die über Rettungsschirme erkaufte Zeit nutzen, um Haushalte und Wirtschaft auf Vordermann zu bringen? Oder gehen sie doch nur pleite und überlassen die Zeche dem Anleger? Niemand weiß die Antwort. Das macht eine längerfristige, präzise Prognose für Unternehmen und Aktien unmöglich. Die Gegenwart zeigt aber, dass es gute Aktien noch immer zu vernünftigen Preisen gibt. Zwar hinkt der Vergleich von Bundesanleihe und Dividende etwas – schließlich trägt eine Aktie ein deutlich höheres Kursrisiko –, ein guter Anhaltspunkt ist er trotzdem allemal. Ebenso wie andere Bewertungsziffern, die deutlich unter ihren langjährigen Durchschnitten liegen. Die Gegenwart spricht deshalb für Aktien als Substanzanlage und unverzichtbaren Teil fürs Depot.

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