Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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FvS-Vorstand Bert Flossbach
Aktien bleiben erste Wahl
„Bonds are back“, liest man immer wieder. Und tatsächlich – nach den Jahren von Null- und Negativzinsen – werfen Anleihen (zumindest optisch) wieder ansprechende Renditen ab. Eine allzu große Euphorie sollte jedoch nicht entstehen. Denn es bleibt fraglich, ob Anleihen allein mit Blick auf die Kupons langfristig wieder ein lukratives Investment sind. Denn dazu müsste sich die Inflation rasch der Zielmarke von 2 Prozent nähern. Sollte dies nicht passieren, würde eine zehnjährige deutsche Bundesanleihe mit gerade einmal 2,5 Prozent Rendite einen realen Kapitalverlust bedeuten. Letztlich kommt es in der Geldanlage immer darauf an, den Wert des Vermögens zu erhalten und zu mehren.
Selbst wenn die Notenbanken die Inflation in den Griff bekommen würden, ist das Renditeniveau der Langläufer immer noch zu gering, um signifikante Kursgewinne zu ermöglichen. Damit ist das Verhältnis vom Risiko zum Renditepotenzial unseres Erachtens noch nicht gut genug, um sich für Euro-Langläufer höchster Bonität erwärmen zu können.
Wenn man die Bonitätsleiter nach unten klettert, gibt es bekanntlich höhere Zinsen. Beispielsweise warf eine langlaufende Unternehmensanleihe von Siemens (Rating: A+) im Juli mit 3,5 Prozent schon einiges mehr ab als Bundesanleihen. Noch eine Bonitätsstufe tiefer (BBB) gab es für eine Anleihe der ehemaligen Siemens-Tochter Infineon 4,0 Prozent.
Staatspleite Italiens ist eher theoretischer Natur
Wem auch das noch zu wenig ist, der könnte in hochliquide Staatsanleihen Italiens investieren, die bei 15 Jahren Laufzeit immerhin 4,4 Prozent abwerfen. Das sollte ausreichen, um selbst eine hartnäckig höhere Inflationsrate zu schlagen. Der hohe Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen spiegelt das – wenn auch geringe – Risiko einer Staatspleite Italiens wider, die aber wohl eher theoretischer Natur sein dürfte, da damit das Ende des Euro und eine Kernschmelze des Finanzsystems verbunden wären. Dies können weder die Europäische Zentralbank (EZB) noch die Eurostaaten zulassen, was Italiens Schulden implizit zu Schulden der Eurozone macht.
Alles gut, also? Die allgemein aufkommende Begeisterung für Anleihen erscheint uns dennoch verfrüht. Die Renditen langlaufender Anleihen höchster Bonität bieten zumindest im Euroraum immer noch keinen ausreichenden Schutz gegen das Inflationsrisiko. Euro-Kurzläufer mit Renditen von 3,5 Prozent eignen sich aber schon jetzt als (nominal) risikolose Parkposition für Liquidität. Einjährige US-Staatspapiere werfen mit 5,3 Prozent (in US-Dollar) sogar mehr ab als die über die nächsten zwölf Monate zu erwartende US-Inflationsrate.
Die höchsten Renditen bei gleichzeitigem Inflationsschutz sind langfristig unseres Erachtens aber mit Aktien zu erwarten. Auch wenn der Blick zurück kein Indikator für die Zukunft ist – für langfristig orientierte Anleger war in den vergangenen Dekaden ein Gesamtertrag von durchschnittlich etwa 7 Prozent (Kursgewinne und Dividenden) per annum durchaus realistisch. Selbst Pessimisten rechnen langfristig nicht mit einer Inflationsrate in dieser Höhe.