Die Anlagelandschaft hat sich fundamental verändert. Die „alte Normalität“ – Zinsen nahe null, geringe Inflationsvolatilität, niedrige Renditen – wird nicht zurückkehren. Wir befinden uns vielmehr in einer Welt mit strukturell höherer Inflation, häufigeren makroökonomischen Schwankungen und ausgewogener verteilten Renditen über Anlageklassen hinweg.
Dabei steht das Wirtschaftswachstum auf einem vergleichsweise soliden Fundament, getragen von schrittweise verbesserter Produktivität – insbesondere in technologieintensiven Sektoren – sowie anhaltenden Infrastruktur- und Energieinvestitionen. Die Inflation ist von ihren Höchstständen gesunken, bleibt aber hartnäckig: Arbeitskräftemangel, jahrelange Unterinvestitionen in Rohstoffe und nicht zuletzt die Deglobalisierung wirken strukturell weiter. Die Realrenditen bleiben spürbar positiv, Inflationsrisiken sind asymmetrisch nach oben gerichtet.
Anleger neigen dazu, den Gewinnern der Vergangenheit nachzulaufen – die „FOMO-Falle“. Doch Marktführerschaft wechselt: In den letzten 15 Jahren dominierten Aktien und Privatmarktanlagen die Marktspitze. Die Bewertungen von US-Aktien liegen mittlerweile nahe historischen Höchstständen. Vieles spricht aus Anlegersicht dafür, jetzt in attraktiver bewertete, diversifizierende Anlagen umzuschichten.
Besonders Sachwerte stechen dabei hervor: Sie bringen attraktive Bewertungen mit, sind stark an die Inflation gekoppelt und glänzen mit gesunden Fundamentaldaten in angebotsknappen Segmenten.
Risiken bleiben indessen: Die KI-Produktivität könnte enttäuschen, neue Angebotsschocks die Inflation anheizen, geopolitische Ereignisse den Handel stören, Bewertungen sich abrupt anpassen. Insgesamt bietet das aktuelle Umfeld dennoch das stärkste Fundament für eine Umschichtung seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Anlageklassen im Überblick:
Fixed Income (festverzinsliche Wertpapiere)
Der Anleihenmarkt startet in das Jahr 2026 mit einem der stärksten Ausgangspunkte seit mehr als 15 Jahren . Nach einer langen Phase, in der die Renditen durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken niedrig gehalten wurden, hat die geldpolitische Wende der Anlageklasse wieder spürbare Erträge beschert. Wir erwarten, dass US-Schatzpapiere über das gesamte nächste Jahrzehnt hinweg jährliche Renditen im mittleren einstelligen Bereich erzielen werden – gestützt durch höhere Realrenditen und stabilere Inflationserwartungen.
Die Renditen sind zwar von ihren Höchstständen der Jahre 2023–2024 etwas zurückgefallen, der langfristige Fair-Value liegt jedoch nach wie vor über dem Niveau vor der Pandemie – ein Zeichen für einen strukturell höheren neutralen Leitzins im Vergleich zum vorherigen Zyklus.
Unternehmensanleihen profitieren weiterhin von soliden Bilanzen, einer disziplinierten Emissionspolitik und einer gesunden Zinsdeckung. Die größte Herausforderung an den Kreditmärkten ist derzeit die Bewertung: Die Spreads verharren nahe ihren zyklischen Tiefständen, was kaum Raum für Kursgewinne lässt und Anleihen anfälliger für makroökonomische Schocks macht.
Für Investment-Grade-Anleihen werden stabile, ertragsorientierte Renditen von 4,8 Prozent erwartet. High-Yield-Anleihen bieten das Potenzial für eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5,8 Prozent.
Wir gehen davon aus, dass Preferred Securities im kommenden Jahrzehnt die am besten abschneidende Anleihenkategorie sein werden. Ausschlaggebend hierfür sind die hohen Renditen, die hohe Qualität und die im historischen Vergleich konstant niedrigen Ausfallraten dieser Anlageklasse. Unsere Renditeprognose für Preferred Securities bleibt bei jährlich 6,1 Prozent.
Aktien
Die Aktienmärkte erzielen seit mehr als einem Jahrzehnt starke Renditen, was vor allem von US-Unternehmen – und hier insbesondere von einer kleinen Gruppe schwergewichtiger Technologiekonzerne – getragen wurde. Die Faktoren, die diese Outperformance begünstigt haben (darunter niedrige Zinsen, eine moderate Inflation, steigende Gewinnmargen und eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren), werden sich jedoch kaum im selben Maße fortsetzen. Angesichts strukturell höherer Zinssätze und einer schwankungsanfälligeren Inflation gestaltet sich der Kurs für das Gewinnwachstum anspruchsvoller.
Wir erwarten, dass sich die Renditen von US-Aktien wieder in Richtung ihres langfristigen Durchschnitts bewegen. Gegenwind droht dabei durch unter Druck geratene Margen, steigende Arbeitskosten und strukturell höhere Kapitalkosten. Mit einer erwarteten jährlichen Rendite von 5,8 Prozent bleibt unsere 10-Jahres-Prognose hier unverändert. Ein zentraler Risikofaktor bleiben die Bewertungen: Auch wenn das Gewinnwachstum anhalten mag, dürften die Anfangsbewertungen etwas unter Druck geraten.
Ein zusätzliches Risiko stellt die Marktkonzentration dar, da die Marktführerschaft weiterhin stark von einer kleinen Anzahl von Unternehmen abhängt, deren Bewertungen bereits künftige Produktivitätsgewinne vorwegnehmen.
Außerhalb der USA erscheinen die Chancen ausgewogener, da die Bewertungen dort attraktiver und die Gewinnzyklen weniger überdehnt sind. Für die internationalen Industriemärkte erwarten wir weiterhin eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,0 Prozent. Diese Märkte profitieren von niedrigeren Ausgangsmultiplikatoren und einer Branchenstruktur, die enger an den Themen des neuen wirtschaftlichen Umfelds ausgerichtet ist – wie etwa Industrie, Rohstoffe und Finanzwerte.
Schwellenländer bieten weiterhin Chancen, wobei sorgfältige nach Ländern und Branchen selektiert werden sollte. Unsere Erwartungen für das durchschnittliche jährliche Wachstum liegen hier bei 6,3 Prozent.
Sachwerte
Sachwerte bleiben auch im kommenden Jahrzehnt eine der attraktivsten Anlagemöglichkeiten. Getragen werden sie von makroökonomischem Rückenwind, attraktiven Bewertungen und starken Ertragseigenschaften. In einem Umfeld mit schwankender Inflation, knapperem physischen Input und hohen geopolitischen Risiken bieten Sachwerte Diversifizierungsvorteile, die sich anderweitig nur schwer replizieren lassen.
Bei börsennotierten Immobilien hat eine Marktkorrektur stattgefunden, was zu höheren Renditen, verbesserten Renditeaufschlägen und optimistischeren Annahmen für das langfristige Wachstum geführt hat. Die geringe Anzahl von Neubauten in den letzten Jahren – eine Folge der höheren Zinsen und verschärften Kreditbedingungen – weicht nun einer besseren Preismacht der Anbieter. Unsere annualisierte Prognose für das Segment bleibt bei 7,8 Prozent.
Unser Ausblick für Infrastruktur hat sich ebenfalls verbessert und liegt aktuell bei 7,9 Prozent. Diese Anlageklasse dürfte von mehrjährigen öffentlichen und privaten Investitionszyklen profitieren, ausgerichtet auf KI und digitale Konnektivität, Transportsysteme sowie Energienetze.
Infrastrukturanlagen zeichnen sich in der Regel durch inflationsgekoppelte Preismacht und langfristige, vertraglich gesicherte Cashflows aus.
Für Aktien aus dem Bereich der natürlichen Ressourcen prognostizieren wir ein durchschnittliches jährliches Plus von 8,5 Prozent – was leicht über unserer Schätzung von vor einem Jahr liegt. Diese Prognose wird von einem angebotsverknappten Umfeld geprägt: Strikte Kapitaldisziplin, jahrelange Unterinvestitionen sowie eine wachsende Nachfrage nach Metallen und Energierohstoffen bilden das Fundament für solide langfristige Fundamentaldaten.
Rohstoffe weisen zu Beginn des Prognosezeitraums eine relativ unattraktive Bewertung auf. Infolgedessen ist unsere prognostizierte Rendite von 5,9 Prozent pro Jahr für das kommende Jahrzehnt die niedrigste innerhalb der wichtigsten Sachwertkategorien. Dennoch bieten Rohstoffe asymmetrisches Aufwärtspotenzial in einer Welt, in der es strukturelle Angebotsbeschränkungen gibt und in der langfristige Strukturtrends die Nachfrage tragen – darunter Elektrifizierung, Reindustrialisierung und die politisch geförderte Energiewende.
Die Tabelle unten zeigt einen Bewertungsvergleich zwischen Sachwerten und dem breiteren Aktienmarkt. Demnach notieren Large-Cap-Aktien gemessen an unterschiedlichen Kennzahlen derzeit auf extremen Niveaus. Die meisten Sachwerte sind dagegen deutlich moderater bewertet. Unserer Ansicht nach spiegeln die Bewertungen von Aktien aus dem Bereich natürliche Ressourcen das starke Wachstum, das wir für das kommende Jahrzehnt erwarten, derzeit noch nicht wider.
Die Bewertungen von Sachwerten erscheinen deutlich attraktiver als die des breiteren Aktienmarkts
Bewertungsperzentil im Vergleich zu den letzten 10 Jahren
Langfristiger Median, gemessen seit 1995. US-Aktien: S&P 500 Total Return Index. Globale Aktien: MSCI ACWI Total Return Index. EAFE: MSCI EAFE Total Return Index. Weltweite REITs: FTSE EPRA Nareit Developed Real Estate Index. Globale börsennotierte Infrastrukturaktien: UBS Global 50/50 Infrastructure & Utilities Index (netto) bis zum 31. März 2015 und anschließend der FTSE Global Core Infrastructure 50/50 Net Tax Index für den darauffolgenden Zeitraum. Aktien aus dem Bereich der natürlichen Ressourcen: S&P Global Natural Resource Equities Index. | Bildquelle: Cohen & Steers
Über die Autoren

ist Leiter Multi-Asset Solutions für die Asset-Allocation-Strategie bei Cohen & Steers.

ist Makro-Stratege bei Cohen & Steers.


