Christian Fischl, Geschäftsführer der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung

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Aktien handeln leicht gemacht?

Social Trading – ein Trend für erfahrene Anleger

In Zeiten von Facebook und Twitter spielt sich der Austausch über den richtigen Aktien- oder Devisentrade immer mehr im Internet ab. Über solche und andere Social-Trading-Plattformen können Privatanleger nicht nur kommunizieren, sondern auch Aktien, Fonds oder Derivate handeln. Die Portale haben ein Ziel: dass die Anleger, die sich dort einfinden, gemeinsam Rendite machen. Ob sie langfristig Freude damit haben, muss sich noch zeigen.

Trader machen ihre Anlageentscheidungen öffentlich

Anleger können sich bei Social Trading nicht nur austauschen, sondern auch andere beobachten und deren Trades bzw. Investments kopieren. Dadurch soll man lernen, welche Entscheidungen ein Top-Trader getroffen hat und welche Auswirkungen diese auf das eigene Geld haben. Zudem werden bestimmte Strategien der Top-Trader für die Masse zugänglich gemacht. Diese Transparenz soll zeigen, welche Strategien funktionieren und welche nicht.

Social Trading ging 2006 an den Start

An den Start ging diese Anlageform bereits im Jahr 2006. Der in Deutschland inzwischen stark engagierte Anbieter eToro mit Sitz in Zypern und die US-Unternehmen CoVestor und Currensee gehörten zu den Pionieren. Seit 2007 gibt es in Deutschland sharewise, eine Plattform, auf der Anlegerempfehlungen ausgewertet werden. 2009 folgt Ayondo als erste „Copy-Trading“-Plattform hierzulande, auf der Musterdepots mithilfe von CFDs (Contracts for difference) abgebildet werden.

Anleger können Strategien über Zertifikate nachbilden


Im vergangenen Jahr erweiterten Wikifolio aus Wien und der Frankfurter Anbieter United Signals das Spektrum. Bei Wikifolio werden inzwischen mehrere hundert Handelsstrategien in Zertifikaten verbrieft, die bei jedem Broker gekauft werden kann. United Signals wiederum setzt bei einer überschaubaren Auswahl von Tradern auf Finanzprofis, die ihre Strategie öffentlich machen. Inzwischen erreichen die investierten Summen auf Social Trading-Plattformen beinahe einen dreistelligen Millionenbetrag, das Handelsvolumen liegt um ein Vielfaches höher.

Spreu und Weizen haben sich noch nicht getrennt

Doch Social Trading eignet sich längst nicht für jeden Anleger. So setzt es voraus, dass die Betreffenden erhebliches Interesse an Finanzmarktthemen mitbringen und sich intensiv damit beschäftigen. Aus Sicht eines Vermögensverwalters mit 30-jähriger Kapitalmarkterfahrung warnen wir jedoch davor, sich von performancestarken Strategien verführen zu lassen. Denn was in Aufwärtsphasen hervorragend funktionieren mag, kann in einer Baisse zur regelrechten Depotgranate werden. Da diese Plattformen sich erst nach der letzten großen Baisse entwickelt haben, steht die Trennung von Spreu und Weizen in dieser Hinsicht noch bevor.


Permanente Depot-Überwachung ist nötig

Fest steht auch: Wer sein Depot selbst zusammenstellt, muss sich zu jeder Zeit um seine Geldanlage kümmern. Das ist beim Social Trading nicht anders. Vor allem ist aber Social Trading keine Anlage, die man einmal tätigt und dann liegen lassen kann. Schließlich werden auf vielen Plattformen teils hoch riskante Strategien mit sehr spekulativen Derivaten „gefahren“. Wer da glaubt, die Lernphase vom Anfänger hin zum vermeintlichen „Experten“ lasse sich durch die Auswahl eines geeigneten „Vor-Traders“ verkürzen, wird vermutlich noch einiges Lehrgeld zahlen.

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