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Aufgepasst bei Reporting-Zahlen Worauf beim Aktienkauf in der Inflationsphase zu achten ist

Cola-Werbung in Istanbul
Cola-Werbung in Istanbul: In Zeiten von Inflation ist es für Außenstehende nicht leicht, den tatsächlichen Geschäftserfolg eines Unternehmens zu beurteilen. | Foto: Imago Images / VWPics

Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hat Coca-Cola İçecek, der Abfüller des bekannten koffeinhaltigen Getränks in der Türkei, seinen Umsatz um 122 Prozent und das Betriebsergebnis sogar um 155 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Profitierte das Unternehmen von einer neuen Lust auf süße Erfrischungsgetränke?

Schauen wir genauer hin: Die Türkei erlebt gerade eine Hochinflationsphase mit einer offiziellen Teuerungsrate von zuletzt rund 85 Prozent. Die Ausweitung der operativen Gewinnmarge von Coca-Cola İçecek von 14,5 auf 16,7 Prozent spräche zwar dafür, dass der überdurchschnittliche Anstieg des Gewinns auf die starke Marktstellung und hohe Preissetzungsmacht des Unternehmens zurückzuführen ist. Betrachtet man aber das Volumen der verkauften Flaschen und Dosen, ist der Absatz um 8 Prozent gefallen – also definitiv kein Cola-Boom in der Türkei.

Nicht ohne Grund wurden vom International Accounting Standards Board (IASB) Prinzipien für ein sogenanntes ‚Inflation Accounting‘ aufgestellt. Unternehmensberichte sollen damit transparenter, nämlich bereinigt um etwaige Probleme durch hohe Inflation, dargestellt werden. Leider hat sich Coca-Cola İçecek im Quartalsbericht an der vom IASB empfohlenen Praxis nicht orientiert und auf die Adjustierung von Kosten und Erträgen mittels eines Preisindexes (oder Darstellung der Zahlen in einer Hartwährung wie zum Beispiel US-Dollar) verzichtet. Auch sonstige aufklärende Informationen über Bewertungsverfahren wird man vergeblich suchen.

Reporting soll die Lage eines Unternehmens fair abbilden

Bei derart hohen Inflationsraten spielt es eine Rolle, ob lagernde Rohstoffe, die für die Produktion verwendet wurden, zu historischen (niedrigeren) Kosten oder aktuellen (höheren) Kosten im Gewinnausweis berücksichtigt werden. Ebenso lohnt ein Blick auf die Abschreibungen des Anlagevermögens. Eigentlich sollte die Abschreibungshöhe auch als Indikation für die Kosten bei der Neubeschaffung zu verstehen sein. Doch wenn sich die Preise für neue Maschinen jährlich nahezu verdoppeln und keine Anpassungen bei den Abschreibungsbeträgen vorgenommen werden, gibt der Quartalsbericht kein faires Bild über die Lage eines Unternehmens.

 

Ohne weiterführende Informationen ist es daher für Außenstehende nicht leicht, den tatsächlichen Geschäftserfolg eines Unternehmens zu beurteilen. Aber es gibt zumindest einige Orientierungspunkte, die man sich vor einem Investment anschauen sollte:

  • Wie oben bereits gezeigt, lohnt sich eine Aufteilung des Umsatzes in Volumen- und Preisentwicklung. Steigen die Verkaufsmengen weiter an, ist dies bereits ein Indiz für eine positive Entwicklung.
  • Erhöhen sich die Produktpreise parallel oder sogar oberhalb der Inflationsrate, spricht dies ebenfalls für eine gute Marktstellung des Unternehmens.
  • Zudem sollte man sich bei der Analyse von Unternehmensberichten fragen: Sind die Abschreibungen auf Basis realistischer Wiederbeschaffungskosten oder auf Basis historischer Anschaffungskosten gerechnet?

Je mehr Angaben im Geschäftsbericht über die Auswirkungen der Inflation und eventuell vorgenommener Bereinigungen gemacht werden, umso höher ist die Qualität des Zahlenwerks.

Ausblick: Können Anleger von der Inflation profitieren?

Wie wir gesehen haben, geben die Unternehmen die höheren Beschaffungskosten schnell an die Kunden weiter. Das schiebt auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld die Umsätze (nominal) an. Sofern es dem jeweiligen Management gelingt, die Margen zeitnah zu stabilisieren, werden auch die Erträge über die Zeit steigen. Allerdings hat das Jahr 2022 ebenso die Kehrseite der Inflation für die Aktienmärkte gezeigt. Die schnell steigenden Teuerungsraten haben die Notenbanken zu einem massiven Gegensteuern mit kräftigen Zinserhöhungen gezwungen. Rasch steigende Zinsen lassen bekanntermaßen die Aktienbewertungen purzeln, das heißt die Kurse sinken. Sobald allerdings die Inflation wieder auf ein erträgliches Maß zurückfällt und die Renditen an den Anleihenmärkten sinken, profitieren Aktien von ihren nominal höheren Unternehmensgewinnen. Dass Inflation Aktien sogar stimulieren kann, zeigt der türkische Aktienmarkt, der 2022 rund 120 Prozent (in Euro) zulegte.

www.fiduka.com

 

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