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Analyse Warum die Aktienmärkte trotz Krisen bald zulegen

Frankfurter Skyline am Abend: Nach vergangenen Krisen haben die Aktienmärkte oft deutlich angezogen.
Frankfurter Skyline am Abend: Nach vergangenen Krisen haben die Aktienmärkte oft deutlich angezogen. | Foto: Imago Images / greatif

Viele Laien wundern sich, dass die Aktienkurse steigen, wenn schlechte Nachrichten bekannt werden. Oder dass die Börse schwächelt, obwohl keine einzige Wolke den Konjunkturhimmel verdunkelt. Im Herbst 2023, da Krieg, Terrorismus und Migration die weltweiten Schlagzeilen beherrschen, glauben viele: Die Aktienmärkte müssen nachgeben, weil niemand unter diesen Umständen investieren möchte. Doch dieser Gedanke ist falsch – aus mehreren Gründen.

Zinsen könnten bald den Weg nach unten einschlagen

Bereits im Sommer prognostizierten wir, dass die Aktienmärkte durch den starken Anstieg der Zinsen in den Monaten zuvor von August bis Oktober erneut unter Druck geraten dürften. So kam es denn auch. Doch inzwischen flacht der Zinsanstieg deutlich ab. Das dürfte sich positiv für die Aktienmärkte auswirken, da geringere Zinsen weniger stark auf den Ergebnissen der Unternehmen lasten und damit höhere Kurse rechtfertigen. Insbesondere mittelgroße und kleinere Werte, die am meisten unter den massiven Zinsanhebungen seit 2022 leiden, könnten profitieren, wenn die kurzfristigen Zinsen ein Stück weit zurückkommen. Wir gehen davon aus, dass dies bald geschieht, da die Inflationsrate immer besser unter Kontrolle zu sein scheint. Dadurch kann vor allem die US-Notenbank den Fuß ein Stück weit vom Bremspedal nehmen.

 

3:1 für steigende Aktienkurse von November bis April

Ein weiterer Faktor für steigende Aktienkurse in der nächsten Zeit ist die Saisonalität. Denn mit dem Monat Oktober beginnen die saisonal starken Monate am Aktienmarkt. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es auch diesmal so kommt, liegt bei stolzen 75 Prozent, eine in Sachen Geldanlage sehr hohe Quote. Dazu passt die statistisch ebenso wahrscheinliche Korrektur, die wir im August und September erlebt haben und die ihr Tief oft im Oktober findet. Möglich, dass wir das aktuelle Tief bereits Anfang Oktober gesehen haben. So war es auch im Vorjahr – seitdem ist der DAX in der Spitze um rund 35 Prozent gestiegen.

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Vergangene Krisen: Aktienmärkte ziehen danach deutlich an

Nicht zuletzt ist die allgemeine Stimmung unter den Anlegern zu nennen. So sind 40 Prozent der Privatanleger in den für die Kapitalmärkte tonangebenden USA für den Aktienmarkt derzeit negativ gestimmt – deutlich mehr als die im Durchschnitt üblichen 30 Prozent. Ein negatives Sentiment dient jedoch eher als Kontraindikator, da diese Anleger sich in Erwartung fallender Kurse mit Käufen zurückhalten.

Steigen die Kurse jedoch, werden sie als diejenigen, die auf den „fahrenden Zug“ aufspringen müssen, die Kurse weiter nach oben treiben. So war es wohl auch in anderen kritischen Epochen: 1962 war der Aktienmarkt bereits eingebrochen, um ab der Kubakrise im Oktober – Atomkrieg möglich – bis zum Jahr 1968 deutlich zu steigen. Nach der Iranischen Revolution zog der S&P 500 in den Jahren 1979/80 – zweiter Ölpreisschock – um 50 Prozent an. Und wer sich 2011 in der Euro-Krise dauerhaft aus Aktien zurückzog – Schuldenexzess ante portas –, hätte eine Verdreifachung des DAX verpasst.


Über den Autor:

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung in Köln.

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