Aktien mit Abschlag

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Bis zum 4. November dreht sich in Amerika alles um die Wahl des 44. Präsidenten der USA. Die Frage, ob Barack Obama oder John McCain ins Weiße Haus einzieht, beschäftigt auch hierzulande viele Menschen - neben Politikinteressierten auch Börsenanleger. Denn mit dem Präsidenten dürfte sich auch die Wirtschaftspolitik ändern. Amtsinhaber George W. Bush muss sich zwar viel Kritik an seiner Außenpolitik gefallen lassen. Aber seine großzügigen Steuernachlässe begünstigten unbestritten die US-Unternehmensgewinne. Diese Politik will McCain fortsetzen. Er setzt vor allem auf die Kräfte des Marktes. Ganz andere Töne schlägt dagegen Obama an: "Wenn wir zu dem Land werden wollen, das wir sein möchten, dann dürfen wir nicht eine boomende Wall Street auf der einen Seite und eine bröckelnde Hauptstraße auf der anderen Seite dulden." Trotz dieser Kritik halten die traditionellen Unterstützer der Demokratischen Partei von der Wall Street zu ihm: Das Geldhaus Goldman Sachs zum Beispiel ist sein wichtigster Wahlkampf-Spender. Die Reaktivierung alter politischer Freundschaften lässt darauf hoffen, dass es auch unter einem Präsidenten Obama nicht zum Abbruch des wirtschaftlichen Erholungsprozesses kommt. Das dürfte an der Börse nicht spurlos vorbeigehen. Nach dem Aktiencrash im März notierte der marktbreite US-Aktienindex S&P 500 noch 20 Prozent unter seinem Rekordstand aus dem Jahr 2007. Ende Mai betrug der Abstand nur noch 11 Prozent. Sein aktuelles Niveau dürfte das Marktbarometer in den kommenden zwölf Monaten überflügeln. Das meinen zumindest mehr als die Hälfte der Teilnehmer der diesjährigen Investorenkonferenz der Investmentbank Morgan Stanley. Die anwesenden Manager von Investmentfonds und Hedge-Fonds bevorzugen vor allem amerikanische Technologie- und Energietitel. Die Schwächephase am Aktienmarkt sei spätestens im nächsten Jahr vorüber, gaben 80 Prozent der Befragten an. "Die aktuelle Situation bietet beste Voraussetzungen, um günstig in US-Titel einzusteigen", erklärt Marvin Schwartz. Die 66-jährige Investorenlegende vom New Yorker Vermögensverwalter Neuberger Berman hält Amerikas Aktien derzeit für unschlagbar günstig bewertet: "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktiengesellschaften im S&P 500 liegt unter 13, der Durchschnittswert der vergangenen 20 Jahre aber über 18." Zurzeit kosten die US-Aktien also nur das 13-Fache des Jahresgewinns pro Aktie. Die vielen Negativschlagzeilen über die US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten hält Schwartz für übertrieben: "Die liberalen Medien wollen nur einen Präsidenten McCain verhindern." Trotzdem sei das Rennen um das Weiße Haus nach wie vor offen. Die Aussichten für die US-Wirtschaft sind dagegen weniger unklar: Nach einer milden Rezession in diesem Jahr, stehen konjunkturelle Vorzeichen wie zum Beispiel die Auftragseingänge für Investitionsgüter wieder auf Wachstum. Die Volkswirte der Commerzbank rechnen für 2008 zwar nur mit einem realen Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. Doch schon im nächsten Jahr werde die Wirtschaft um 2,2 Prozent zulegen.