Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe: Beide gelten als bewährte Methoden, um Gewinne an Aktionäre auszuschütten – doch eine Strategie war aus Investorensicht deutlich erfolgreicher. Sebastian Dörr, Kapitalmarktanalyst beim Multi-Family-Office HQ Trust, hat dafür die Performance von Aktienrückkäufern und Dividendenzahlern über zehn Jahre verglichen.
Für seine Untersuchung stellte Dörr zwei Indizes gegenüber: den S&P Global Dividend Aristocrats und den Nasdaq Global Buyback Achievers Index. Der erste Index umfasst Unternehmen, die ihre Dividenden über Jahre konstant gesteigert oder mindestens gehalten haben. Der zweite enthält Firmen, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 5 Prozent ihrer Aktien zurückgekauft haben.
Rückkäufer mit 4,4 Prozentpunkten Vorsprung
Das Ergebnis zeigt einen klaren Sieger: Die Aktienrückkäufer erzielten eine durchschnittliche Jahresrendite von 10,5 Prozent. Die Dividendenstrategen kamen lediglich auf 6,1 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Der MSCI ACWI als globaler Referenzindex lag mit 9,5 Prozent zwischen beiden Strategien.
Für die höhere Rendite mussten Anleger bei den Rückkäufern allerdings etwas mehr Schwankungen verkraften. Die Volatilität lag bei 16,9 Prozent, während die Dividendenstrategie nur 14,8 Prozent aufwies. Beim maximalen Verlust lagen beide Ansätze näher beieinander: Die Buyback-Strategie verlor maximal 34,8 Prozent, die Dividenden-Aristokraten 37,7 Prozent.
Sektorgewichtung macht den Unterschied
Die Performance-Differenz erklärt sich durch unterschiedliche Schwerpunkte. Beide Strategien setzen verstärkt auf Finanzwerte. Bei den Dividendenzahlern sind zusätzlich Versorger und Immobilienwerte stark vertreten. Die Rückkäufer hingegen haben einen Schwerpunkt bei Industrie- und zyklischen Konsumwerten.
Auffällig ist, dass beide Strategien den IT-Sektor im Vergleich zum MSCI ACWI deutlich untergewichtet haben. Von den Magnificent Seven war bei den Buyback Achievers nur Apple für wenige Monate im Portfolio vertreten.
Nordamerika dominiert bei Rückkäufern
Auch regional unterscheiden sich beide Ansätze stark. Bei den Aktienrückkäufern dominierten nordamerikanische Unternehmen mit einem Anteil von zwei Dritteln – sogar höher als im globalen MSCI ACWI. Die Dividendenzahler kamen nur auf knapp 50 Prozent.
Umgekehrt war der Europa-Anteil bei den Dividenden-Aristokraten mit rund 30 Prozent doppelt so hoch wie bei den Buybacks. Ein Grund dafür: Für US-Unternehmen ist es oft steuerlich attraktiver, eigene Aktien zurückzukaufen, statt Dividenden zu zahlen.
Dörrs Fazit: Wer gezielt auf einzelne Faktoren setzen möchte, sollte sich auch mit deren regionalen Ausprägungen beschäftigen. Nur so lasse sich eine solche Strategie wirksam ins Gesamtportfolio integrieren.

