Renovierung im Altbau Foto: Foto von Ksenia Chernaya von Pexels

Reform der Altersvorsorge

Wie Aktien-Investments die Riester-Rente retten sollen

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Die geplante Absenkung des sogenannten Höchstrechnungszinses von 0,9 auf 0,25 Prozent ab 2022 macht es Versicherungen praktisch unmöglich, weiter die Riester-Rente anzubieten. Damit entfällt ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, den bisher ein Drittel aller Berechtigten nutzt. Nur eine vollkommene Abschaffung der Beitragsgarantie und des Verrentungszwangs können dazu beitragen, mittels Aktien und Anlagen nach Nachhaltigkeitskriterien dieses Produkt wieder attraktiv zu machen.

Nur so können sich die Bürger im Alter unabhängiger von der gesetzlichen Rentenversicherung machen. Bei bestehenden Riester-Verträgen sollte man heute schon die Kapitalentnahme zur energetischen Sanierung oder Modernisierung des Eigenheims zulassen. Hier stehen mehrere Milliarden Euro zur Verfügung. Die eigene Photovoltaik-Anlage liefert wohl mehr Ertrag als eine konservative Kapitalanlage. 

Schon 2019 war die Solvenzsituation deutscher Lebensversicherer angespannt, wie aus unserer Auswertung vom Juli 2020 hervorgeht. Ursache sind die Zinsen, da die deutschen Versicherer im Gegensatz zu anderen EU-Ländern lebenslange Verrentungsgarantien geben müssen. Je länger die Zahlungsverpflichtung ist, desto stärker ist die Zinsintensivität.

Daraus folgt, da die Unternehmen auf stabile Bilanzen achten müssen, dass die Versicherer manche Produkte nicht mehr anbieten können. Volkswirtschaftlich geht damit ein wichtiger Pfeiler der privaten Altersversorgung verloren.

Mehr Engagement in Aktien

Bis 2019 gab es 10,5 Millionen Riesterverträge, die von der Zinsentwicklung besonders betroffen sind. Damit greift rund ein Drittel aller Berechtigten auf diese Form der Altersvorsorge zurück. Fällt die Möglichkeit des Riesterns künftig weg, würde das die Anreize für eine zusätzliche private Altersversorgung schwächen.

Der Bürger soll sich nicht allein auf den Staat verlassen müssen - das war Ziel jeder Bundesregierung seit Helmut Kohl. Auch die demographische Entwicklung verbietet es, allein auf die Sorge durch die Gemeinschaft zu hoffen: Heute sind 19 Prozent der Bevölkerung Renten- oder Pensionsempfänger, 2035 werden es mehr als 25 Prozent sein.

Um aus dem Problem herauszukommen, fordere ich ein stärkeres Engagement der Assekuranz in Aktien und den Abbau aller Regeln, die dies bisher verhindern. Gleichzeitig sollten Versicherer wie Versicherte auch mehr für Nachhaltigkeit tun. Von daher plädieren wir für ein Riester-Konstrukt ohne Garantien, in dem auch stark in Aktien investiert werden kann.

Riester auch für Renovierung

Zusätzlich sollte es möglich sein, mit den Geldern beispielsweise auch sein Haus energetisch zu renovieren. Hätten die Versicherer schon seit 2009 wenigstens 15 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien investiert, hätten sie ihre Leistungen nicht absenken müssen.

Um eine höhere Aktienquote tatsächlich zu erreichen, bedarf es Reformen, die es den Versicherern erlauben, Kursschwankungen am Aktienmarkt auszuhalten, ohne zum Verkauf der Papiere gezwungen zu sein. Hierbei ist es aber auch wichtig, dass die Abschreibungsregeln auf Aktien denen der angestrebten Haltedauer angepasst werden.

Aufgrund meiner Initiativen gemeinsam mit dem französischen Versicherungsverband wurde das „Durationsmodell Aktien“ in das Solvency-II-Regelwerk aufgenommen. Allerdings sind die Regeln so eng gefasst, dass sie von deutschen Lebensversicherern nicht umgesetzt werden können.

Nachhaltige Altersvorsorge

Gleichzeitig sollten Investmentfonds im Riester-Ansparprozess in den Wettbewerb zu den Versicherern treten – nur ohne Kapitalgarantie ist das im Ansparprozess möglich. Zudem muss der Verrentungszwang abgeschafft werden, den es nur in Deutschland gibt. Damit erhält der Ansparprozess für das Alter eine zusätzliche Dynamik.

Natürlich bedeutet das, dass der Kunde heute nicht genau weiß, wie hoch seine private Rente im Alter sein wird. Allerdings kann er sich sicher sein, dass sie höher ist, als wenn er es heute schon wüsste.

Klimaschutz vorantreiben

Zusätzlich sollte es möglich sein, mit dem vorhandenen Kapital aus Riester-Verträgen auch sein Haus energetisch zu renovieren. Wohnen ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Der Klimaschutz muss auch in diesem Zusammenhang zügig und innovativ vorangetrieben werden. In allen Regionen muss Wohneigentum energetisch saniert werden. Investitionen in eine moderne Heizung oder eine Photovoltaikanlage bringen uns voran.

Aktuell ist die Entnahme für diese Form der Modernisierung leider nicht möglich. Anstatt kosmetische Veränderungen am Riester-Konstrukt vorzunehmen - wie der Vorschlag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einer Absenkung der Beitragsgarantie auf 80 Prozent - sollte die aktuelle Krise genutzt werden, um grundsätzlich ein nachhaltiges Altersvorsorgekonstrukt in Gang zu setzen, das sich auch international als Vorbild erweisen könnte. Hier kann die Versicherungswirtschaft genauso wie die Asset-Management-Branche ihren Beitrag leisten. So kommen die Ziele des Green Deal näher.

Carsten Zielke, Foto: DAS INVESTMENT


Über den Autor

Carsten Zielke hat in Paris und in Göttingen studiert und promovierte im Bereich Versicherungsökonomie. Nach einer dreijährigen Beratertätigkeit in Paris arbeitete er zehn Jahre lang bei der West LB, wo er das Versicherungsresearch leitete. Nach zwei Jahren als Advisor bei Bear Stearns wechselte er 2008 zur Société Générale, wo er als Managing Director das Institutional Insurance Advisory Geschäft für Deutschland und Österreich verantwortete. Im April 2013 machte er sich selbständig und leitet nun die Beratungsgesellschaft Zielke Research Consult mit Sitz in Aachen.

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