LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in AsienLesedauer: 10 Minuten
Headphones
Artikel hören
Mehr als China allein
Die besten Aktienfonds für das aufstrebende Asien
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt.

Mehr als China allein Die besten Aktienfonds für das aufstrebende Asien

Der Containerriese CSCL Pacific Ocean des chinesischen Staatskonzerns Coscoläuft in den Hamburger Hafen ein.
Der Containerriese CSCL Pacific Ocean des chinesischen Staatskonzerns Cosco läuft in den Hamburger Hafen ein. | Foto: imago images/Nikito

Endlich entschieden: Nach langem Hin und Her darf Cosco beim Hamburger Container-Terminal Tollerort einsteigen. Die Bundesregierung hat dem chinesischen Staatskonzern eine Beteiligung von 24,9 Prozent erlaubt, obwohl der Umschlagplatz zur sogenannten kritischen Infrastruktur Deutschlands zählt.

„Wir konnten alle Fragen in intensiven und konstruktiven Gesprächen klären“, heißt es dazu vom Hafenbetreiber HHLA. Nun könne man das Terminal zu einem bevorzugten Umschlagplatz des guten
Kunden Cosco ausbauen. Dass wirtschaftliche Gründe den Ausschlag gegeben haben, ist naheliegend. China ist längst der größte Handelspartner des Hamburger Hafens – und im Übrigen auch der gesamten deutschen Wirtschaft. Rund 30 Prozent der Waren, die in den Terminals der Hansestadt umgeschlagen werden, kommen HHLA zufolge entweder aus dem Reich der Mitte oder werden dorthin verschifft.

 

 

 

Coscos Engagement soll Beschäftigung in der Elbmetropole sichern und Hamburgs Bedeutung als Logistikstandort ebenso untermauern wie Deutschlands Rolle als wichtige Industrienation. Knapp 1,4 Millionen Arbeitsplätze hängen laut HHLA hierzulande von den Häfen ab. Und Cosco dürfte motiviert sein, den Handel mit dem Hamburger Hafen weiter zu intensivieren. Schließlich kann der Konzern am Terminal Tollerort künftig Geschäfte mit sich selbst machen. Die Beteiligung ist nur ein Puzzlestück in Chinas Billionen-Infrastrukturprojekt One Belt One Road.

Hier gibt es die Übersicht der Asien-Aktienfonds

Weltumspannendes Handelsnetz

Diese gigantische neue Seidenstraße soll ein weltumspannendes Handelsnetz knüpfen. Dazu zählt enorme Präsenz in rohstoffreichen Ländern Südamerikas und Afrikas. Zwar haben die USA und Europa unlängst verkündet, ähnliche Pläne zu verfolgen, doch die Volksrepublik hat einen jahrelangen Vorsprung. Und der Aufbau von Infrastruktur hat den vor Ort beschäftigten chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft, der vorerst nur schwer aufzuholen sein dürfte.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas soll auch dank solcher Maßnahmen von 16.545 Milliarden Euro im Vorjahr bis 2028 auf knapp 25.000 Milliarden Euro klettern, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt. Der Blick in den Rückspiegel zeigt, dass die Volksrepublik ihr BIP in zehn Jahren nahezu verdreifacht hat.

China nimmt bereits den Platz der zweitgrößten Volkswirtschaft hinter den USA ein. Ein Ende des Aufwärtstrends zeichnet sich bislang nicht ab, wohl aber ein sinkendes Tempo. Das ist wenig
verwunderlich, denn die Wirtschaft des Milliardenstaats reift. Der Aufstieg währt bereits seit 1978, als China begann, sich zu öffnen und seine Märkte zu reformieren. Im Schnitt legt die Volksrepublik seitdem gemessen am BIP um 9 Prozent jährlich zu und steuert inzwischen ein Fünftel der weltweiten Wirtschaftsleistung bei.

An Chinas Vormacht hat auch der lange Corona-Lockdown wenig geändert:
In Asien bleiben selbst ökonomisch starke Staaten weit hinter dem Reich der Mitte zurück. So kommt der erste Verfolger Japan 2022 auf knapp 4 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung, Indien auf rund 3
Milliarden Euro und Südkorea auf Platz 4 auf lediglich 1,5 Milliarden Euro. 

 

 

 

Verglichen mit dem Westen glänzen Asiens Volkswirtschaften zudem mit enormem Wachstum. So wird die fernöstliche Wirtschaft in diesem Jahr um 5,3 Prozent zulegen, prognostiziert der IWF, 2024 sollen es immerhin noch 5,1 Prozent sein. Beide Zahlen sind vollkommen konkurrenzlos, in den USA etwa winken 1,6 Prozent in diesem und 1,1 Prozent im kommenden Jahr. In Europa herrscht ein aufwärts gerichteter Trend, allerdings auf gleich bescheidenem Niveau.

Kaum kräftiger präsentiert sich Lateinamerikas Produktion, und auch die übrigen Regionen mit aufstrebenden Nationen können nicht mithalten (siehe Grafik). Dass die asiatischen Zuwächse eine wichtige Rolle für das Wohl der gesamten Wirtschaft spielen, bestätigt der IWF-Ausblick, der weltweit 2,8 Prozent Plus für dieses und 3,0 Prozent für nächstes Jahr annimmt.

Quelle: IWF, April 2023

 

Experten wie Robert Horrocks erwarten, dass die Wachstumskluft zwischen den Emerging Markets und dem Westen im Lauf dieses Jahres noch breiter wird. Spannend für Anleger findet der Investmentchef des Asien-Spezialisten Matthews Asia die daraus resultierende Börsenperspektive: „Die Aktienerträge können in den Emerging Markets so stark zulegen, wie wir es seit Jahren nicht mehr gesehen haben.“

Einzigartiges Wachstum des asiatischen Wirtschaftsraums

Aufholpotenzial sollten die Kurse haben: Denn die Kraft des Wachstumsschleppers Asien spiegeln die Börsen noch nicht voll wider (siehe Grafik). Die Handelsplätze der westlichen Industriestaaten, allen voran die USA, sind in jüngerer Vergangenheit kaum zu schlagen gewesen. Aktuell schlägt das Pendel der Anlegergunst aber wieder Richtung Fernost aus. So haben europäische Investoren in den ersten vier Monaten dieses Jahres 7,4 Milliarden Euro frisches Kapital in Schwellenländer-Aktienfonds eingezahlt, selbst Portfolios mit US-Standardwerten sammelten weniger ein.

Aktienfonds mit chinesischem Anlageuniversum erhielten netto 3,4 Milliarden Euro Zufluss. Gut 1,5 Milliarden Euro waren es für Portfolios, die in ganz Asien ohne Japan anlegen. Schwellenländer-Aktienstrategien außerhalb Asiens floss dagegen kein nennenswerter Betrag zu. Und zum Vergleich: Anbieter europäischer Standardwerte-Fonds konnten unter dem Strich lediglich Anteile für 1,1 Milliarden Euro absetzen.

Quelle: IWF, Pictet

Üppige Zuflüsse von netto rund 100 Millionen Euro erreichten in den vergangenen sechs Monaten auch den Matthews Asia ex Japan Total Return (ISIN: LU1311310541), dessen Lead-Management-Duo Kenneth Lowe und Sharat Shroff nun mehr als eine halbe Milliarde Euro Fondsvermögen hütet. Investmentchef Horrocks unterstützt als Co-Manager. Bevorzugte Anlageregion ist wie bei allen Aktienfonds, die ganz Asien mit Ausnahme Japans im Visier haben, China, derzeit mit 44 Prozent im Portfolio gewichtet. Auf den Plätzen folgen Taiwan mit 20 Prozent sowie Südkorea und Indien mit jeweils 8 Prozent.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

 

Matthews Asia: Neues Management, bewährter Ansatz bleibt

Erst im Januar hat der 2015 aufgelegte frühere Matthews Asia ex Japan Dividend seinen aktuellen Namen bekommen. „An unserer Philosophie und dem Investmentprozess hat sich nichts geändert“, betont Horrocks. Der Fonds soll im Sinne eines Total-Return-Anspruchs möglichst unabhängig von der Lage an den Aktienmärkten seinen Wert steigern.

Dafür besteht das Portfolio aus Titeln von Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten und diese im besten Fall noch steigern: „Wir glauben, dass Dividenden eine zu wenig beachtete Komponente sind. Sie machen einen erheblichen Teil der Renditen asiatischer Aktien aus, und das Universum der Dividendenzahler hat sich in den zurückliegenden Jahren dramatisch vergrößert.“ Das Team des US-Fondsanbieters betreibe weiterhin Research vor Ort, so Horrocks, um in einem breiten Spektrum von Sektoren und Ländern fleißige Dividendenzahler zu finden.

Als Geheimtipps gehen zumindest die drei Top-Investments nicht mehr durch, die zusammen knapp 15 Prozent des Portfolios ausmachen: Chiphersteller Taiwan Semiconductor, Chinas Internetriese Tencent und Südkoreas Vorzeige-Tech-Gigant Samsung. Im Ergebnis steht auf Drei-Jahres-Sicht ein Plus von 16,7 Prozent zu Buche (Stand 20. Mai 2023, siehe auch Tabelle).

Im Schnitt schafften Aktienfonds mit gleichem Anlageuniversum nur 11 Prozent. Noch deutlicher wird der Vorsprung seit dem Start des Fonds im November 2015. In diesem Zeitraum stehen 73 Prozent Wertzuwachs lediglich 35 Prozent Plus in der Peergroup gegenüber. Die Benchmark des Fonds, der Börsenindex MSCI AC Asia ex Japan, blieb mit 43 Prozent ebenfalls weit zurück.

1) Asien ohne Japan;  Quelle: FWW; Sortierkriterium: Wertentwicklung 5 Jahre; Stand: 20. Mai 2023

 

Überhaupt gelingt es Aktienfonds-Managern mit Fernost-Fokus derzeit am häufigsten, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Dieses Ergebnis liefert eine Analyse der Ratingagentur Scope. Im Anlageuniversum Asien ohne Japan schafften es im Vorjahr 49 Prozent der Portfolio-Lenker, besser als
breite Börsenbarometer abzuschneiden. Als Ursache stellen die Analysten fest, dass viele Manager rechtzeitig entschieden haben, die schwächelnden chinesischen Börsentitel niedriger als ihre Benchmark zu gewichten.

 

 

 

Auf die Frage, welche Regionen Anleger jetzt auf dem Zettel haben sollten, findet auch Carsten Roemheld vom US-Fondsanbieter Fidelity eine klare Antwort: „Meine erste Empfehlung ist Asien. Wir haben in den USA und Europa die Gefahr einer Rezession, die durch die Bankenkrise noch zunahm.“ Infolgedessen komme es zu einer eingeschränkten Kreditvergabe. „Das wird die wirtschaftliche Situation verschlechtern“, sagt der Experte voraus. Für Roemheld spricht deshalb vieles dafür, einen großen Teil internationaler Investments nach Fernost zu verlegen. Hinzu kommt, dass Chinas Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt. Die Exporte etwa kletterten im April um 8,5 Prozent auf 269 Milliarden Euro.

Erfolgreiche Manager und volle Sparschweine

„Dieses Plus wird der chinesischen Wirtschaft weiteren Auftrieb geben“, kommentiert Jens Hildebrandt, Vorstand der Deutschen Handelskammer in Peking. Sorgen bereite noch der schwächelnde Binnenmarkt, deutsche Unternehmen vor Ort blickten jedoch zuversichtlich auf das zweite Halbjahr.

Die Einschätzung teilt Fidelity-Stratege Roemheld, der den Abschwung in asiatischen Ländern und speziell China als überwunden ansieht. „Dort öffnet sich die Wirtschaft jetzt wieder, und die Chinesen haben in den vergangenen drei Jahren viel Geld gespart und wenig konsumiert“, so der Experte. Das Versäumte nun nachzuholen werde die Wirtschaft ordentlich anschieben: „Und wenn es der chinesischen Ökonomie gut geht, geht es dem gesamten fernöstlichen Markt gut. Deshalb würde ich mich nach Asien orientieren.“ Mit dem hauseigenen Fidelity Sustainable Asia Equity (LU0048597586) steht ein 3,3 Milliarden Euro schweres Fondsschwergewicht bereit, das 1990 das Licht der Fondswelt erblickte. Am Ruder steht seit 2015 Dhananjay Phadnis.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

 

Die Analysten des Fondsdatenanbieters Morningstar loben ihn in höchsten Tönen: „Der Fidelity Sustainable Asia Equity ist dank seines erfahrenen und versierten Fondsmanagers, guten Analysten und eines äußerst robusten Anlageprozesses ein hervorragendes Angebot.“ Anteilseigner konnten sich in den vergangenen drei Jahren über 20 Prozent Zuwachs freuen. Die Risikokennziffer Volatilität liegt über fünf Jahre mit 19,6 Prozent etwas höher als bei den meisten Fonds dieses Typs. Langfristige Anleger, die 20 Jahre kontinuierlich dabei waren, konnten ein gewaltiges Plus von 658 Prozent einheimsen.

Beim Blick auf Phadnis ́ Portfolio mit insgesamt 75 Titeln fällt auf, dass der Fondsmanager die drei Top-Investments mit zusammen 28 Prozent offensiv gewichtet. Zudem ist Chinas Vorzeige-Internetkonzern Tencent bei dem Trio nicht dabei und landet mit gut 2 Prozent gerade noch in den Top 10. Den freien Platz auf dem Treppchen neben Samsung und Taiwan Semiconductor nimmt der in Hongkong ansässige Versicherer AIA ein, der nach eigenem Bekunden in ganz Fernost erfolgreich sein will. An chinesischen Unternehmen mangelt es aber nicht. Je knapp 3 Prozent des Vermögens setzt Phadnis etwa auf Alibaba sowie auf Meituan, das ebenfalls eine Online-Handelsplattform betreibt.

 

 

 

Dass vorzeigbare Wertzuwächse auch mit geringerem China-Exposure machbar sind, zeigt der Allianz Oriental Income (LU0348783233). Fondsmanager ist seit dem Start 2008 Stuart Winchester. Der Aktienfonds fokussiert die gesamte asiatisch-pazifische Region inklusive der Old Economy Japan. In stürmischen Marktphasen darf Winchester die Hälfte der rund 980 Millionen Euro Fondsvermögen auf dem Anleihemarkt parken. Winchester folgt nach eigenem Bekunden strikt einem Bottom-up-Ansatz. Das heißt, der Fondsmanager startet seine Titelwahl mit einer Analyse auf Unternehmensebene und stellt auf dieser Basis sein Portfolio zusammen. Im Ergebnis unterscheidet sich dieses deutlich von der Benchmark MSCI AC Asia Pacific, was vor allem auch Winchesters Vorliebe für Nebenwerte mit günstigen Kursen geschuldet ist.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

 

Das Portfolio besteht den Morningstar-Analysten zufolge zu mehr als 40 Prozent aus Small und Mid Caps, der Index zu nicht einmal einem Zehntel. Während das Resultat über drei Jahre mit plus 30 Prozent den Fonds von Allianz Global Investors schon als einen der stärksten Asienfonds ausweist, bleibt das Fünf-Jahres-Ergebnis mit 61,6 Prozent konkurrenzlos.

Höhenflug japanischer Aktien

Dass Japans Aktienmarkt durchgestartet ist und den höchsten Stand seit den 1990er Jahren erreicht hat, hat sicherlich geholfen. Neben seinen langfristigen Favoriten will Winchester Schnäppchen machen. So hat der Manager den Anteil von Energiefirmen erhöht, da er Öl- und Gaspreise weiterhin auf hohem Niveau erwartet.

„Die Strategie hat sich langfristig gut entwickelt, aber Anlegern sollte klar sein, dass der Schwerpunkt auf Small und Mid Caps sowie Winchesters große Freiheit auch ein höheres Risiko mit sich bringen“, urteilen die Researcher.

Als großes Plus gilt seine Expertise bezüglich japanischer Titel, die ein Drittel der Benchmark bilden und im Fonds nahezu genauso viel Platz einnehmen. Ganz anders chinesische Aktien, in die Winchester verglichen mit dem Index nur gut die Hälfte investiert. Sein Top-Investment Mainfreight ist ein Logistikkonzern aus Neuseeland mit 6,1 Prozent, dahinter folgen der taiwanesische Chip-Hersteller Alchip sowie Woodside Energy, ein Ölförderer aus Australien.

An Chinas dauerhaft dominanter Rolle herrscht aber offensichtlich auch in Winchesters Team kein Zweifel. Jüngst haben es drei China-Kenner als Neuzugänge verstärkt.

Quelle: IWF

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
PDF nur für Sie. Weitergabe? Fragen Sie uns.
Tipps der Redaktion