ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, englisch Exchange Traded Funds. Sie bilden verschiedene Börsenindizes ab und machen diese so für Anleger investierbar. „Ein Index bildet einen Markt ab. Das kann man jetzt noch weiter runterbrechen, aber die bekanntesten sind natürlich Aktienindizes. Also vor allem auch für Erstinvestoren sind diese am sichtbarsten. Es gibt aber auch welche auf Anleihen, Rohstoffe oder andere Themen“, erzählt Ferat Öztürk von Xtrackers by DWS den Hosts Birte Penshorn und Martin Vornweg-Brückner im Podcast „Expedition Investment“.

Weltweit gibt es mehr als drei Millionen Aktienindizes. Das ist eine ganze Menge. Woher soll man da als Anleger eigentlich wissen, was sich hinter den verschiedenen Indizes verbirgt und in welche man am besten mittels ETF investiert?

Um diese Frage zu beantworten, kann es sich lohnen, einen Blick auf die bekanntesten Indizes zu werfen.

Bekannte Aktienindizes und was sich dahinter verbirgt

Für den Heimatmarkt kennen viele den Dax 40, der die 40 größten börsengehandelten Unternehmen aus Deutschland umfasst“, führt Öztürk aus. „Ein Index, der gerade beim Thema Geldanlage auch sehr bekannt ist, ist der MSCI World Index, ein sehr breit diversifizierter Index, der aktuell circa 1.600 Aktien aus 23 Industriestaaten weltweit umfasst. Das ist eine Benchmark, die sehr bekannt ist. Ähnlich funktioniert das Thema Schwellenländer, das in MSCI-Sprache übersetzt MSCI Emerging Markets heißt. Es gibt aber auch viele andere Indexanbieter, die ähnliche Themen abbilden.“

Welche Indizes du kennen solltest und was sich genau hinter den einzelnen Namen verbirgt, zeigen wir dir hier. 

MSCI World: Der globaler Industrieländer-Index

Los geht es mit dem bereits angesprochenen MSCI World, der – für viele wahrscheinlich wenig überraschend – der beliebteste Index für Sparpläne und damit auch der wohl bekannteste Index überhaupt ist, da er vielen Einsteigern zum Investmentstart empfohlen wird. Er bildet die Wertentwicklung von etwa 1.600 Aktien großer und mittelgroßer Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. US-Unternehmen dominieren mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Japan und Großbritannien folgen mit Gewichtungen von nur knapp 6 und 4 Prozent. Schwellenländer wie China oder Brasilien sind nicht im Index vertreten.

Neben den großen US-Tech-Konzernen zählen das Pharmaunternehmen Eli Lilly (1,1 Prozent), Broadcom (1,1 Prozent) und JP Morgen Chase (0,9 Prozent) zu den größten Positionen. Die am stärksten vertretenen Branchen sind Informationstechnologie (21,6 Prozent), Finanzen (15 Prozent) und Gesundheit (12,8 Prozent).

Der MSCI World Index wird seit dem 31. März 1968 berechnet und startete 1969 mit einem Basiswert von 100 Punkten. Interessant für Echtzeit-Trader: Der Index wird jede Minute neu berechnet. Dabei fließen die aktuellen Kurse der Aktien ein, deren Heimatbörsen gerade geöffnet sind. Für alle anderen Titel werden die letzten Schlusskurse verwendet. So bleibt der Index immer auf dem neuesten Stand.

Auch die Zusammensetzung des Index wird regelmäßig überprüft. Alle drei Monate schauen die Experten von MSCI, welche Aktien drin bleiben, welche rausfliegen und wie stark die einzelnen Unternehmen gewichtet werden sollten. Diese regelmäßigen Anpassungen sorgen dafür, dass der MSCI World immer die wichtigsten und wertvollsten Unternehmen der Industrieländer abbildet.

 

MSCI ACWI: Die Industrie- und Schwellenländerkombi

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Quelle Fondsdaten: FWW 2026

Der MSCI All Countries World Index (ACWI) ist wie ein globales Aktien-Buffet: Er serviert Anlegern die 2.900 größten börsennotierten Unternehmen aus 47 Ländern auf einem Teller. Im Gegensatz zum MSCI World, der nur Industrieländer abdeckt, mischt der ACWI auch 24 Schwellenländer wie China, Südkorea oder Mexiko in den Topf, womit er den Titel „Welt-ETF“ mehr verdient hat.

Die Hauptzutaten sind ähnlich wie bei MSCI World die großen US-amerikanischen Tech-Konzerne Microsoft (4 Prozent), Apple (3,9 Prozent), Nvidia (3,8 Prozent), Alphabet (2,7 Prozent), Amazon (2,3 Prozent) und Meta (1,4 Prozent). Dazu kommen Schwergewichte wie Eli Lilly (0,9 Prozent), TSMC (0,9 Prozent) und Broadcom (0,8 Prozent).

Branchenmäßig dominieren IT (26 Prozent), Finanzen (14,1 Prozent) und Nicht-Basiskonsumgüter (10,6 Prozent). Ländertechnisch haben die USA mit 61 Prozent die Nase vorn, gefolgt von Japan (5,3 Prozent) und Großbritannien (3,4 Prozent). China ist als erstes Schwellenland mit 2,5 Prozent dabei, Indien bringt es auf 1,5 Prozent.

Aber Achtung: Trotz des „All Countries“ im Namen machen die Schwellenländer insgesamt nur um die 10 Prozent des Index aus. Die Industrieländer behalten mit mehr als 89 Prozent klar die Oberhand. Der ACWI bietet also einen breiteren Marktzugang als der MSCI World, bleibt aber stark auf die entwickelten Märkte fokussiert. Damit eignet er sich für Anleger, die global investieren, aber nicht zu viel Schwellenland-Risiko wollen!

 

FTSE All-World: Weltkombi ohne MSCI

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Aber auch wenn es manchmal so scheint: Es gibt nicht nur Welt-Indizes von MSCI! Die All-World-Variante des britischen Anbieters FTSE ist sogar noch umfangreicher als der MSCI ACWI und vereint 4.300 Aktien der größten börsennotierten Unternehmen aus 25 Industrie- und 24 Schwellenländern.

Doch auch hier gilt: Die Schwellenländer machen nur etwa 10 Prozent des Indexwertes aus. Wie gewohnt dominieren die US-Unternehmen mit einem Anteil von rund 60 Prozent. Deutsche Firmen steuern bescheidene 1,9 Prozent bei. Am unteren Ende finden sich Länder wie Island, Ägypten, Rumänien und Pakistan. Im Vergleich zum ACWI fehlt Peru, was aber aufgrund des geringen Gewichts kaum ins Gewicht fällt.

Die Schwergewichte? Natürlich wieder die üblichen Verdächtigen Microsoft mit 4,4 Prozent. Es folgen Apple (4,1 Prozent), Nvidia (3,9 Prozent), Alphabet (2,6 Prozent), Amazon (2,4 Prozent) und Meta (1,5 Prozent).

MSCI Emerging Markets: Ticket in die Zukunftsmärkte

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Der MSCI Emerging Markets Index ist wie ein Ticket in die Zukunftsmärkte: Er bündelt die vielversprechendsten großen und mittleren Unternehmen aus 24 Schwellenländern. Eine beliebte Kombinationsmöglichkeit, die viele Anleger nutzen, ist beispielsweise 70 Prozent in sichere Industrieländer zu investieren und 30 Prozent aufregende Schwellenländer.

Die Stars der Schwellenländer-Show? An der Spitze steht der Chip-Gigant Taiwan Semiconductor mit 9,7 Prozent. Dahinter folgen Chinas Social-Media-Riese Tencent (4,2 Prozent), Südkoreas Elektronik-Powerhouse Samsung (3,8 Prozent), der chinesische Online-Shopping-König Alibaba (1,9 Prozent) und Indiens größter Privatkonzern Reliance Industries (1,5 Prozent).

Ländermäßig hat China mit 25,1 Prozent die Nase vorn. Taiwan (19,4 Prozent) und Indien (19,2 Prozent) komplettieren das Spitzentrio.

Mit dem MSCI Emerging Markets Index können Anleger in die dynamischsten Volkswirtschaften der Welt investieren. Er bietet Zugang zu innovativen Tech-Unternehmen, wachsenden Mittelschichten und sich rasch entwickelnden Märkten. Damit passt er perfekt zu Anlegern, die ihrem Portfolio einen Schuss Wachstumspotenzial verpassen wollen.

Dax 40: Die Stars des Heimatmarktes

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Quelle Fondsdaten: FWW 2026

Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist das Herzstück der deutschen Börse. Er zeigt die Performance der vierzig größten und meistgehandelten Unternehmen Deutschlands. Diese Schwergewichte machen zusammen etwa 80 Prozent des Börsenwerts aller deutschen Aktiengesellschaften aus. Der Dax ist sozusagen der Kapitän der Dax-Familie und wurde am 1. Juli 1988 ins Leben gerufen. Im September 2021 wurde er von dreißig auf vierzig Unternehmen aufgestockt.

Wer sind die Stars im Dax? Ganz vorne steht der Softwareriese SAP mit 12,9 Prozent. Dicht dahinter folgen der Technologiekonzern Siemens (9,9 Prozent), der Versicherungsgigant Allianz (7,8 Prozent), der Flugzeugbauer Airbus (7 Prozent) und die Deutsche Telekom (5,7 Prozent).

Bei den Branchen haben die Industrieunternehmen mit 25,8 Prozent die Nase vorn. Es folgen der Finanzsektor mit 19,5 Prozent und Technologie (16,5 Prozent).

S&P 500: Der US-Club

Der S&P 500 vereint die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, die zusammen 75 Prozent des amerikanischen Aktienmarktes ausmachen. Dieser Index wird nach Marktkapitalisierung gewichtet und gilt weltweit als Fieberthermometer für die US-Wirtschaft.

Um in den exklusiven S&P-500-Club aufgenommen zu werden, müssen Unternehmen harte Kriterien erfüllen:

  • Sie müssen aus den USA stammen,
  • mindestens 8,2 Milliarden US-Dollar wert sein,
  • in sechs Monaten mindestens 250.000 Aktien gehandelt haben,
  • seit einem Jahr an der New York Stock Exchange oder Nasdaq gelistet sein,
  • im vergangenen Quartal Gewinn gemacht haben,
  • im vergangenen Jahr insgesamt profitabel gewesen sein,
  • mindestens die Hälfte ihrer Aktien muss öffentlich handelbar sein.

Die Schwergewichte im S&P 500? Natürlich wieder Big Tech. Microsoft (7 Prozent), Apple (6,3 Prozent), Nvidia (6,2 Prozent), Alphabet (4,2 Prozent), Amazon (3,7 Prozent), und Meta (2,3 Prozent). Dazu gesellen sich Warren Buffetts Berkshire Hathaway (1,7 Prozent) und der Pharmariese Eli Lilly (1,5 Prozent).

Branchenmäßig dominieren Technologie (33,5 Prozent), Gesundheit (11,7 Prozent) und Finanzen (10,4 Prozent).

Nasdaq 100: Der Big-Tech-Index

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Der Nasdaq-100 vereint die 100 größten Unternehmen des Nasdaq Composite, sortiert nach Marktkapitalisierung. Um in diesen exklusiven Club aufgenommen zu werden, müssen täglich durchschnittlich 200.000 Aktien eines Unternehmens gehandelt werden. Damit kein Unternehmen den Index dominiert, darf keines einen Anteil von mehr als 24 Prozent haben. Um das sicherzustellen, wird die Gewichtung viermal im Jahr überprüft.

Die Schwergewichte im Nasdaq-100? Natürlich wieder die Tech-Riesen. Microsoft führt mit 8,5 Prozent, gefolgt von Apple mit 8,1 Prozent. Dann kommen Nvidia (7,6 Prozent), Alphabet (5,5 Prozent), Amazon (5,1 Prozent) und Meta (4,5 Prozent).

Bei den Branchen ist der Nasdaq-100 seinem Ruf als Tech-Index treu: Die Informationstechnologie dominiert mit 51,4 Prozent, gefolgt von Telekommunikationsdienstleistern mit 15,5 Prozent.

Stoxx Europe 600: Best-of Old World

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Der Stoxx Europe 600 ist das europäische Pendant zum S&P 500. Er vereint die 600 größten Unternehmen des alten Kontinents und wird von der Stoxx Limited, einer Schweizer Tochter der Deutschen Börse AG, herausgegeben. Seit seiner Einführung 1998 hat er sich zum Maßstab für den europäischen Aktienmarkt entwickelt.

Der Index ist ein bunter Mix aus 17 Ländern: Großbritannien führt mit 20,7 Prozent, gefolgt von Frankreich mit 18 Prozent und der Schweiz mit 14,3 Prozent. Deutschland steuert 12,8 Prozent bei, die Niederlande 7,7 Prozent und Dänemark 5,5 Prozent.

Alle drei Monate wird die Zusammensetzung des Index überprüft. Das Hauptkriterium ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes, wobei kein Unternehmen mehr als 10 Prozent Gewicht haben darf.

Die Schwergewichte im Stoxx Europe 600? An der Spitze steht seit Kurzem der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk mit 3,5 Prozent, dicht gefolgt vom niederländischen Hightech-Ausrüster ASML mit 3,3 Prozent. Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé, ehemals Spitzenreiter, kommt auf 2,4 Prozent.

Index- und ETF-Auswahl: Das solltest du beachten

Die Aufzählung ist natürlich noch längst nicht vollständig, zeigt aber bereits: Die abgebildete Region ist ein Merkmal, an dem sich viele Indizes unterscheiden. Die Entscheidung, in welche Weltregionen du investieren willst und wie groß ihr Anteil an deinem Portfolio sein soll, ist also ein wichtiges Auswahlkriterium.

Aber was gilt es noch zu beachten?

Breite Mischung als Basis, Zeithorizont und Risikotoleranz wichtig

Ein wichtiger Faktor bei ETFs und ihren zugrundeliegenden Indizes ist die Anzahl der enthaltenen Titel. Denn: „Je mehr Titel enthaltenen sind, desto risikoärmer ist das Produkt tendenziell“, erklärt Öztürk.

Sollen Anleger sich jetzt also alle Indizes anschauen und gucken, wie viele Titel sie enthalten, bevor sie anfangen zu investieren? Oder wie geht man am besten vor, wenn man erstmal breit streuen und auf Nummer sicher gehen will?

„Wir sehen tatsächlich, dass Erstanleger oft sowas wie den MSCI World als Einstieg nehmen und dann mit weiteren Themen aufstocken. Das können dann zum Teil auch gewisse Sektoren sein wie beispielsweise ein ETF, der Technologiethemen oder Zukunftstrends abbildet. Aus einem ETF-Baustein werden dann oft mehrere, so dass eine Art ETF-Portfolio im privaten Bereich entsteht“, erläutert Öztürk. Für die sogenannten breit anlegende ETFs sind der MSCI World, der MSCI Emerging Markets, der MSCI ACWI oder der FTSE All-World gute Beispiele.

 

Auch Thomas Kehl von Finanzfluss würde immer dazu tendieren einen weltweit streuenden Aktien-ETF zu kaufen und darauf dann eine zum Anleger passende Investmentmischung aufbauen. „Wenn ich davon ausgehe, dass ich sehr risikoavers bin, fangen wir mit einem Anteil von 5 bis 10 Prozent an und den Rest investiere ich in was anderes. Geldmarkt-ETFs oder Geldmarkt-Fonds sind da beispielsweise eine gute Alternative. Diese funktionieren im Endeffekt wie ein Tagesgeldkonto nur mit dem Vorteil, dass ich da kein Kontrahenten Risiko gegenüber der Bank habe.“

Der Anlagehorizont sollte aus seiner Sicht immer bei mindestens zehn Jahren liegen. „Wir haben das mal für den MSCI World durchgerechnet“, erklärt Kehl. „Über alle Perioden ab 13 Jahren, egal welche man ausgesucht hat, gab es keine Laufzeiten, die eine Negativrendite hatten. Im schlechtesten Fall hatte man eine kleine positive Rendite, aber nie eine negative. Wenn man dann noch ein, zwei Jahre drangehängt hat, ist man in der Regel auch wieder sehr nah am Durchschnitt dran. Deswegen sagt man oft: 10 bis 15 Jahre sollte man Zeit haben, bis man sein Geld wieder braucht, weil man dann auch die Chance hat Finanzkrisen, die völlig normal sind am Kapitalmarkt, auszusitzen.“

>> Auf welche Kennzahlen du bei der ETF-Auswahl noch achten solltest, kannst du hier nachlesen. Hilfe bei der Beantwortung der Frage, welcher Welt-ETF am besten zu dir passt, findest du hier.