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Ein Taucher fischt Plastikmüll aus dem Ozean: Die Firma Adidas hat inzwischen Schuhe und Kleidung auf dem Markt, die sie aus Ozeanplastik herstellt | © Getty Images

Aktienmanager im Wandel Die neue Welt des William Davies

„Wenn Sie eine US-Firma wären, warum sollten Sie ausgerechnet im Vereinten Königreich investieren?“ – Aktienchef William Davies spricht die Frage ganz ruhig und bestimmt aus. Und erntet, was er wahrscheinlich auch erwartet hat: Kopfschütteln allenthalben. Eben. Warum auch? Die Unternehmen von der Insel haben bald keine Handelspartner mehr, wenn alles so läuft, wie es derzeit aussieht. Und global übrigens ein ähnliches Bild, nur nicht ganz so scharf. Die USA, China und weitere Länder zanken sich und kündigen Handelsverträge. Ganz logisch, dass dann investierbares Geld erst einmal in der Schatulle bleibt.

Aktienmanager William Davies

Es ist Donnerstagmorgen in Frankfurt. Davies ist extra aus London angereist („Eigentlich wollte ich über den Brexit gar nicht reden, das ist zu schmerzhaft.“), um vor Journalisten zu erklären, womit er sich derzeit in seinem Job befassen muss. Und sein Job ist es, für Columbia Threadneedle Aktienfonds zu managen. Unter anderem der Threadneedle Global Select (ISIN: LU1864957136) und der Global Focus (LU0757431068) gehören zu seinen Aufgaben.

„Über die vergangenen Dekaden haben wir als Investoren enorm vom Freihandel profitiert“, sagt er. Durch den Handelskrieg zwischen China und USA werde die Globalisierung zwar nicht komplett zurückgedreht. Sie werde aber langsamer laufen.

Also muss er sich umsehen, wie man aus einer generell leiser tretenden Wirtschaft noch etwas herausholt. Säkulare Wachstumstrends nennt er das. Einer davon ist – nicht sonderlich originell, aber wer will sich beschweren – das Geschäft mit der Computer-Cloud. Nutzer legen Daten und Software nicht mehr auf der heimischen Festplatte ab, sondern auf zentral bewachten Servern. Und das bringt Miete. Lag der weltweite Umsatz 2016 noch bei 220 Milliarden Dollar, sind es 2018 schon 306 und im kommenden Jahr satte 411 Milliarden Dollar. Fast verdoppelt in nicht einmal vier Jahren. Und ein paar Favoriten hat Davies auch gleich an die Grafik angefügt: Amazon über die Tochter Amazon Web Services (AWS), Microsoft über die Tochter Azure, der chinesische Internethändler Alibaba und der US-amerikanische Infrastrukturanbieter Equinix.

Auch nicht neu, aber trotzdem entscheidend: Die Frage, wo morgen und übermorgen die Kaufkraft sitzt. Und hier bewegt sich die Welt in Richtung Osten. Der Begriff Emerging Market ergebe für einige Länder einfach keinen Sinn mehr, sagt Davies. „China und Südkorea sind keine Emerging Markets mehr, es sind doch entwickelte Länder“, so der Fondsmanager. Dann kommt wieder eine Grafik – nun ja, wie zuverlässig kann man die Konsumkraft für 2050 einschätzen? Kaum, aber es ändert wohl nichts am grundlegenden Trend. Laut Davies‘ Grafik sitzt die finanziell potenteste Mittelschicht im Jahr 2050 – in Indien. Grob geschätzt stellt sie ein Drittel der globalen Mittelschichtausgaben, gefolgt von China mit fast einem Viertel.

Die Grafik zeigt, wie sich die Kaufkraft der Mittelklasse prozentual auf Regionen aufteilt (Quelle: Columbia Threadneedle)

„Wo geht das Wachstum hin“, fragt Davies rhetorisch und bringt als Aktienbeispiele die westlichen Konsumunternehmen Unilever und L’Oréal und aus dem fernen Osten die Versicherungsgruppen Aia und Ping An, wieder einmal Alibaba und die andere chinesische Internetsupermacht Tencent (eine Art Kombination aus Google, Facebook und Paypal).

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