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Aktienmarktanalyse USA: Die Rezession ist vorbei

„Das Ende der Welt ist verschoben worden“, sagte kürzlich der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman. Auch wenn die Weltwirtschaft immer noch in Schwierigkeiten steckt, ist sie im Zuge der Finanzkrise nicht in einen Abgrund gefallen. Die meisten der größten Volkswirtschaften – darunter auch die USA – sind laut Krugman bereits über den Berg. Im September erklärte auch der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, die Rezession für „wahrscheinlich überwunden“. In der Zentralbankersprache bezeichnet dieser Ausdruck meist eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (November 2009). 
 
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>> zum Abo-Service & Einzelheftbestellung Der ISM-Einkaufsmanager-Index – ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung in den folgenden Monaten – hat im September die magische Schwelle von 50 Punkten überschritten. Der Index wird aus den Daten einer Umfrage errechnet, die 300 Unternehmen aus 20 Industriebereichen der USA umfasst. Dabei setzt sich der Index aus mehreren Teilindikatoren wie Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, Lieferfristen und Lagerbestände zusammen. Ein Wert von über 50 weist auf Wirtschaftswachstum hin.

Alle Zeichen deuten auf ein Ende der Krise hin

Die Industrieproduktion stieg im August noch stärker als erwartet. Zu den positiven Signalen zählt auch ein Anstieg der Aktivitäten im Bausektor. Alle Zeichen deuten auf ein Ende der Krise hin. Die Frage ist, wie sich der Aufschwung in den kommenden Monaten gestalten wird. Moderat und kaum spürbar, wie der Fed-Chef Bernanke befürchtet? Oder „wie ein Zug, der Fahrt aufgenommen hat“, was Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, prophezeit?

Historische Daten legen eher Naumers Prognose nahe. So stieg der S&P 500 in den zwölf Monaten, die auf alle Bärenmarkt-Endphasen seit 1949 folgten, zwischen 17 und 59 Prozent (mit Ausnahme 2001). Der durchschnittliche Aufschwung nach einer schlechten Marktphase betrug rund 35 Prozent (siehe Tabelle).

„Bisher risikoscheue Marktbeobachter werden wieder aktive Marktteilnehmer“

„Bisher risikoscheue Marktbeobachter werden wieder aktive Marktteilnehmer“, freut sich Dan Chung, Investmentchef der amerikanischen Fondsgesellschaft Alger. Besonderes Potenzial sieht Chung im Bereich der Finanzwerte sowie im Gesundheitssektor.

Doch nicht alle Marktbeobachter zeigen sich derart optimistisch. Die Skeptiker werfen ein, dass der derzeitige Aufschwung überwiegend auf staatliche Konjunkturpakete sowie die Fed-Programme zur Stabilisierung der Finanzmärkte zurückzuführen ist. So hätten die starken Daten zum Einzelhandel und zur Industrieproduktion zu einem großen Teil ihre Ursache in dem „Cash for Clunkers“-Programm, der Kfz-Abwrackprämie der USA.

Wie robust wird die Konjunktur sein, wenn die staatlichen Konjunkturprogramme auslaufen? Schließlich werden die USA ihre expansive Geldpolitik demnächst stark zurückfahren müssen. Wohl nicht, meint Eric Le Coz, Leiter des Produktentwicklungsteams der französischen Investmentboutique Carmignac. Und weiter: „Es ist nur schwer vorstellbar, dass die US-Regierung schon morgen beschließen könnte, ihr Haushaltsdefizit zu kürzen und die Steuern zu erhöhen.“

Die Zinsen werden auf längere Zeit noch „sehr niedrig“ bleiben, erklärte die Notenbank

Was die Geldpolitik betrifft, gab sich die Notenbank zumindest Ende September keine Blöße. Die Zinsen werden auf längere Zeit noch „sehr niedrig“ bleiben, hieß es. Eine konkrete Ankündigung sieht anders aus. Die Kerninflation liegt mit 1,4 Prozent sogar noch unter der Schwelle von 2 Prozent, die die Notenbank als Wohlfühlzone bezeichnet.

Beim Anleihenkauf zieht die Fed die Zügel an. Bis Ende Oktober soll das Ankaufprogramm für Staatsanleihen über 300 Milliarden Dollar abgeschlossen werden. Auch werde man, so die Notenbank, das Tempo für die Ankaufprogramme für immobilienbesicherte und andere Wertpapiere etwas senken.

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