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Aktienrally jenseits von Nvidia und Co. Warum es jetzt wirklich auf die zweite Reihe ankommt

Centro in Oberhausen
Konsumenten in Oberhausen: Dank sinkender Inflationsraten soll die Kaufzurückhaltung wieder abnehmen | Foto: Imago Images / Funke Foto Services

Die großen Aktienindizes haben in diesem Jahr bislang teils sehr gut abgeschnitten. Zu verdanken ist dies vor allem bekannten Big und Mega Caps wie Nvidia, Meta und Microsoft. Die Aktien der zweiten und dritten Reihe indes hinken ihren großen Brüdern deutlich hinterher. 

Wer den Markt derzeit tiefer betrachtet, dürfte sich wundern: Die großen Indizes Dax, Dow Jones und Nasdaq bewegen sich seit Wochen auf neuen Allzeithochs. M-Dax, S-Dax und der Small-Cap-Index Russell 2000 in den USA notieren jedoch weit unter Höchststand.

Konkret hat der Dax seit Januar 2023 satte 20 Prozentpunkte mehr gewonnen als der M-Dax, der die mittelgroßen Werte in Deutschland repräsentiert. In den USA legte der S&P 500 als Barometer der dort gelisteten 500 Top-Werte mehr als doppelt so stark zu wie der Small-Cap-Index.

 

 

Auf lange Sicht werden Anleger, die in Mid und Small Caps investieren, für das höhere Risiko belohnt.

Zinsschraube drückt Mid Caps stärker nach unten als große Werte

Die Schwäche der mittleren und kleinen Werte ist das Ergebnis der stärksten Zinserhöhungen seit Jahrzehnten in den USA und Europa. Denn Firmen dieser Größenordnung sind oft viel stärker von Darlehen abhängig, die sie von Banken als Kredite oder am Kapitalmarkt als Anleihen aufnehmen, als die großen Konzerne.

Zinserhöhungen um ein, zwei oder sogar vier Prozentpunkte bringen die Gewinne in diesem Segment daher deutlich unter Druck. In der Folge rauschen ihre Aktienkurse weitaus mehr in den Keller als die der Big Caps.

Auf lange Sicht schlagen mittlere Aktien die großen Werte deutlich

Auf lange Sicht jedoch werden Anleger, die in Mid und Small Caps investieren, für das höhere Risiko belohnt. Das zeigt der Vergleich über Jahrzehnte hinweg: Der MDAX hat seit dem Start vor knapp 30 Jahren fast eineinhalb Mal so stark zugelegt wie der Dax (siehe Grafik unten).

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA, wo der maßgebliche ETF auf mittelgroße Aktien seit dem Jahr 2000 rund doppelt so stark hinzugewonnen hat wie der älteste Indexfonds auf den S&P 500. Das bessere Abschneiden lässt sich damit begründen, dass ihre Gewinne prozentual weit stärker zulegen als bei Big Caps, wenn die Zinsen für Fremdkapital sinken und die Konjunktur brummt.

Mid und Small Caps dürften in Kürze durchstarten

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Zeiten, in denen Aktien der ganz großen Konzerne besser liefen als kleinere Unternehmen, gab es schon öfter – so etwa von 1967 bis 1972 und von 1996 bis 2003. Doch jedes Mal endeten diese Phasen damit, dass die Mid Caps in den folgenden ein bis zwei Jahrzehnten deutlich stärker zulegten als die großen Werte. Wir gehen nicht nur davon aus, dass dies auch dieses Mal so sein wird, sondern auch davon, dass es bereits in Kürze zu diesem Umschwung kommen wird.

Darauf deuten die Kursmuster der entsprechenden Indizes hin. So hat sich der ETF „MDY“ auf die 400 mittelgroßen Aktien in den USA aus einer zweijährigen Basis herausgearbeitet und steht nun auf der Startrampe für einen weiteren Aufschwung. Ganz nah an dieser Startrampe befinden sich auch die 2.000 amerikanischen Small Caps, die etwa im ETF mit dem Kürzel IWM gebündelt werden.

Deutsche und europäische Mid und Small Caps sind noch nicht ganz so weit wie ihre US-Brüder. Sie dürften aber mitziehen, wenn große Investmentfonds verstärkt die Nachzügler aus der zweiten und dritten Reihe in den Blick nehmen.

 

Grafik: Dax und M-Dax im langfristigen Vergleich

Der M-Dax (rote Kurve) hat seit 1996 über viele Jahre hinweg spürbar besser abgeschnitten als der Leitindex Dax.
Quelle: finance.yahoo.com

 


Über den Autor:

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung mit Sitz in Köln.

 

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