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Kritik an Regierungsplänen Wie aus der Aktienrente eine Aktienrücklage wurde

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Der Finanzminister spricht bereits selbstbewusst von der „vielleicht größten Rentenreform seit Bismarck“. Das Echo der meisten Fachleute dagegen ist eher verhalten. Denn mit der noch im Wahlkampf propagierten „Aktienrente“ hat das derzeitige Modell nichts mehr viel zu tun. Denn der Beitragszahler bleibt außen vor. Ursprünglich sollten die Beitragszahler sich direkt mit eigenen Beiträgen daran beteiligen und von den Renditen profitieren können. Es sollte echtes Eigentum für die Altersvorsorge über die Investition in Aktien aufgebaut werden und damit höhere Altersrenten generiert werden.

Ähnlich zum Model in Schweden wäre das ein wirklicher Paradigmenwechsel in der gesetzlichen Rentenversicherung gewesen. Für viele Verantwortliche in der derzeitigen Regierungskoalition ist eine Investition in Aktien allerdings immer noch „Teufelszeug“. So wurde aus der Aktienrente nur eine Aktienrücklage. Dabei bedarf die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland einer dringenden Reform. Das derzeitige Umlageverfahren ist nicht mehr in der Lage, eine auskömmliche Rente für die Beitragszahler zu garantieren.

 

Hinzukommt, dass das Generationenkapital viel zu niedrig dimensioniert ist, um einen nennenswerten Betrag zur Stabilisierung der zukünftigen Renten zu leisten. Zehn Milliarden Euro sind eine mickrige Summe, gemessen daran, was tatsächlich nötig ist, um das deutsche Rentensystem aus der Schieflage zu holen. Fachleute haben errechnet, dass mindestens eine dreistellige Milliardensumme notwendig wäre, um den Anstieg der Rentenbeiträge um nur ein Prozent zu vermeiden.

Dabei sind die zehn Milliarden Euro im Jahr 2023 erst das Startkapital. Ob es tatsächlich über einen Zeitraum von weiteren 15 Jahren fließt, bleibt Gegenstand weiterer Koalitionsverhandlungen. Viele Beobachter haben berechtigte Zweifel, dass der eingeschlagene Weg weitergeführt wird.

Generationenkapital mit Aktien: Sparen für den Ruhestand ist einfach

Es war ein glücklicher Zufall, dass am Tag der Präsentation des Generationenkapitals der deutsche Leitindex Dax erstmals nach langer Zeit wieder die 15.000-Punkte-Grenze übersprang. Der deutsche Aktienmarkt sorgt derzeit wieder für positive Nachrichten. Vielleicht hilft das Generationenkapital dabei, die Aktienphobie der Deutschen etwas zu überwinden. Denn nach wie vor halten nur knapp 12 Millionen Menschen in Deutschland Aktien. Den Großteil ihres Geldvermögens horten private Haushalte nach wie vor in Form von Bargeld oder parken es auf Giro- und Tagesgeldkonten. Weder Nullzinsphasen noch eine anziehende Inflation konnte daran bis jetzt etwas ändern.

Es ist zwingend notwendig, dass jeder Bürger privat für sein Alter vorsorgt. Idealerweise baut sich jeder sein eigenes Generationenkapital mit Aktien auf. Denn das traditionelle Konzept des Sparens für den Ruhestand ist einfach. Es sieht vor, früh anzufangen, konstant zu sparen und dem Zinseszins die meiste Arbeit im Zeitablauf zu überlassen. Man muss ab dem Alter von 25 Jahren nur monatlich 300 Euro zurücklegen und man ist mit 65 Jahren Millionär. Bei einem jährlichen Ertrag von 8 Prozent (ohne Berücksichtigung von Steuern). Das funktioniert dann auch ohne Leverage Effekt. Denn investieren auf Pump ist nur etwas für Profis oder den Staat.

Über den Autor:
Markus Richert ist Senior-Berater Vermögensverwaltung bei Portfolio Concept Vermögensmanagement aus Köln.

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