Aktienrotation Was Anleger über den Wachstum-Value-Switch wissen müssen

Repräsentantenhaus in Washington: Die Kongresswahlen am 6. November entscheiden nicht nur über Parlamentssitze, sondern auch Aktienkurse.  | © Getty Images

Repräsentantenhaus in Washington: Die Kongresswahlen am 6. November entscheiden nicht nur über Parlamentssitze, sondern auch Aktienkurse. Foto: Getty Images

Thomas Kruse, Investmentchef von Amundi Deutschland

In unserer Gesamtbewertung bleibt der US-Marktausblick mittelfristig positiv. Allerdings könnte sich angesichts der Handelsstreitigkeiten und der bevorstehenden Zwischenwahlen am 6. November in den kommenden Wochen eine gewisse Volatilität einstellen.

Nachdem aus europäischen Aktien im laufenden Jahr rund 40 Milliarden Euro abgeflossen sind, würde jede gute Nachricht aus den „Problemfeldern“ Italien, Brexit und Handelskrieg eine Erholung der Anlageklasse bewirken. Wir glauben, dass die jeweiligen Risiken inzwischen eingepreist sind.

Weltweit haben sich Ungleichgewichte hinsichtlich der Beliebtheit von Growth- und Value-Aktien ergeben – damit steigt das Risiko einer Korrektur. Der beste Weg der Kapitalanlage in dieser Phase ist unserer Meinung nach die Konzentration auf Qualitätsaktien von Unternehmen, die ein nachhaltiges Ertragswachstum auch in der Zukunft erwarten lassen. Die betreffenden Titel werden derzeit zu angemessenen Preisen gehandelt.

Konjunkturumfeld in Europa bleibt weiterhin gut

Das Gewinnwachstum europäischer Unternehmen verbesserte sich im zweiten Quartal um rund 9 Prozent. Das vom schwachen Euro begünstigte Währungsumfeld wurde allerdings durch höhere Produktionskosten und eine schwächere Wirtschaftsdynamik beeinträchtigt. Dynamisch entwickelten sich die Bereiche Energie und Immobilien, während die Sektoren Konsumgüter, Telekommunikation und Gesundheitswesen hinterherhinkten. In Europa bietet es sich an, Value-Aktien mit einem starken Fokus auf Qualität zu spielen sowie zyklische mit defensiven Engagements auszugleichen. Mit dieser Strategie sollten Anleger vom nach wie vor positiven wirtschaftlichen Umfeld profitieren können.

In den USA dürfte Aktienrotation hin zu Value bevorstehen

Kurzfristig rechnen wir mit einer erhöhten Unsicherheit: Die Handelsspannungen verschärfen sich, zugleich rücken die US-Zwischenwahlen näher. Die Amerikaner wählen im November das Repräsentantenhaus mit 435 Sitzen und ein Drittel des Senats (35 von 100 Sitzen) neu. Das Ergebnis gibt den Ausschlag dafür, wie viele seiner Vorhaben Präsident Donald Trump noch durchsetzen kann.

Obwohl die mittelfristigen Aussichten für US-Aktien nach wie vor konstruktiv sind, ergeben sich Auffälligkeiten im Hinblick auf die Aktienrotation: Die Dominanz der FAANG-Aktien im ersten Halbjahr (Renditeplus von 30,4 Prozent des NYSE-FANG-Index im ersten Halbjahr 2018 gegenüber +1,6 Prozent für den S&P 500) kehrt sich nun um (-4,3 Prozent Renditeverlust im NYSE-FANG-Index seit Beginn des 3. Quartals gegenüber +7,8 Prozent für den S&P 500).

Eine weitere Rotation, die bevorstehen könnte, dürfte die Umschichtung in Richtung Value-Aktien sein. Ihre Bewertung stand in den vergangenen zwölf Monaten im Schatten der Growth-Aktien. Doch hier dürfte sich ein Wechsel ankündigen, bedingt durch die lange Zeit eindimensionale Marktentwicklung der Wachstumstitel. Größte Chancen für Value finden wir in den Sektoren Investitionsgüter, Wohnungsbau, Banken und Telekommunikation. Bei Tech- und FANG-Titeln sind wir hingegen vorsichtig.

Nach US-Zwischenwahlen unterschiedliche Aktienszenarien denkbar

Sollten die Republikaner um US-Präsident Donald Trump im Zuge der Midterm-Wahlen am 6. November ihre Parlamentsmehrheit verlieren, wären Trumps Steuererleichterungen und damit das Wachstum der Unternehmensgewinne in Gefahr. Während wir davon ausgehen, dass die US-Unternehmensgewinne 2019 das Potenzial für einen Wachstumsschub von 10 Prozent oder mehr haben, könnte eine Parlamentsmehrheit der Demokraten zu einer deutlich niedrigeren Gewinnwachstumsrate der US-Unternehmen führen, weil es dann keine zusätzlichen Steuervorteile mehr gäbe. Risiken für die Bilanzen der Unternehmen ergeben sich auch aus einem denkbaren Anstieg der Inflation: Zölle und Lohnerhöhungen könnten zu einer höheren als bislang erwarteten Inflation führen, die dann die Gewinnmargen der Unternehmen verringern würde.

Bleibt es jedoch beim Status quo im Kongress, könnten die Aktienmärkte höher steigen. Die geplante Erhöhung der Infrastrukturausgaben könnte zum Teil die nachlassenden Impulse von Trumps Steuergesetzen ausgleichen und so dazu beitragen, die US-Wirtschaft deutlich über dem Trendwachstum zu halten. Die Republikaner planen zudem eine zusätzliche Steuerreform, die eine Verringerung der Kapitalertragssteuern beinhaltet. Dadurch könnten die Aktienkurse auf kurze Sicht weiter steigen – vorausgesetzt, die Gewinne der Unternehmen wachsen wie erwartet und die Handelskonflikte beeinträchtigen nicht das Wirtschaftswachstum.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 19.10.2018. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.