Aktiv und passiv im Konjunkturzyklus In der spätzyklischen Phase rückt Qualität in den Blick

Schaufelreihen einer Gasturbine: Energieversorgungs-Unternehmen bleiben von Konjunkturschwankungen relativ unabhängig. | © Getty Images

Schaufelreihen einer Gasturbine: Energieversorgungs-Unternehmen bleiben von Konjunkturschwankungen relativ unabhängig. Foto: Getty Images

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Bill McQuaker, Experte für Multi-Asset-Strategien bei Fidelity

Aktiv gegen Passiv - diese  beiden Ansätze werden oft gegeneinander ausgespielt. In Wirklichkeit aber ergänzen sie sich. So wie sich die Bedingungen im Laufe eines Konjunkturzyklus weiterentwickeln, verändern sich auch die Markttreiber.

Manchmal liefert eine reine Ausrichtung auf den Markt eine angemessene Rendite und es gibt nur geringfügigen Spielraum eine Mehrrendite, also Alpha, zu erzielen. In einer anderen Konjunkturphase eröffnen Ineffizienzen kompetenten aktiven Managern Chancen auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung. Die optimale Strategie beinhaltet jedoch öfters unterschiedliche Abstufungen beider Ansätze. Was bedeutet das genau im Rahmen eines typischen Zyklus?

Im frühzyklischen Stadium punkten passive Strategien, aber auch Value-Ansätze

Zu Beginn eines Konjunkturzyklus zeigen sich erste Anzeichen einer Erholung nach einem Abschwung oder einer Rezession. „Dieser optimistisch geprägte frühzyklische Zeitraum wird oft von einer heftigen Marktrally begleitet, da die Anleger wieder in den Markt einsteigen. Risikoanlagen wie Hochzinsanleihen und Aktien gewinnen an Beliebtheit“, erklärt Bill McQuaker. Da durch die hoffnungsvolle Anlegerstimmung die Märkte generell nach oben tendieren, liefern passive Investments gute Renditen.

Allerdings kann in dieser frühen Phase auch schnell die Stimmung drehen. „Dann werden Aktien mancher Unternehmen stärker abgestraft als andere“, so McQuaker. Das spielt wiederum den aktiven Managern in die Karten, vor allem den Value-Investoren, die sich auf Unternehmen mit robusten Fundamentaldaten konzentrieren, deren wahrer Wert vom Markt noch nicht erkannt worden ist.

Im Aufwärtstrend schneiden passive Strategien überdurchschnittlich ab

In der anschließenden Zyklusphase beschleunigt sich das Wachstum. Die Wirtschaft floriert und die Kapitalmärkte folgen tendenziell dem allgemeinen Aufwärtstrend. „Durch den weit verbreiteten Optimismus korrelieren die Anlageklassen in der Regel sehr stark miteinander und weisen eine niedrige Volatilität und geringe Streuung auf“, sagt McQuaker und ergänzt: „Das sind Bedingungen, in denen in der Vergangenheit passive Strategien überdurchschnittlich abgeschnitten haben.“

Die höheren Gebühren für aktive Strategien zahlen sich in dieser Zeit eher nicht aus. Das haben Anleger auch in der jüngsten, sehr lang anhaltenden mittleren Phase des Zyklus bis 2017 zu spüren bekommen. Die Alpha-Chancen in vielen entwickelten Märkten waren relativ dünn gesät.  Unterdessen haben passive Fonds stark an Beliebtheit gewonnen.*

Nichtsdestotrotz erkennt McQuaker auch Chancen für aktive Manager in dieser mittleren Zyklusphase. Er sieht beispielsweise einen strategischen Vorteil für wachstumsorientierte Fondsmanager, aber auch für Ertrags- und Dividendenstrategien, die gerade in einem Niedrigzinsumfeld gefragt sein können.

Wenn’s kriselt, sind die Aktiven gefragt

Und wenn die guten Zeiten zu Ende gehen, die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren ins Stocken geraten und der Zyklus in seine Spätphase eintritt, können die Aktiven im Vorteil sein. „In diesem Umfeld können die Märkte rapide einbrechen. Die Volatilität steigt, die Streuung nimmt zu und die Korrelationen der Vermögenswerte ändern sich“, fasst McQuaker zusammen.

Mit der zunehmenden Risikoscheu der Anleger gewinnt die individuelle Titelauswahl an Bedeutung. Während passive Indexstrategien Markteinbrüche vollumfänglich zu spüren bekommen, können aktive Manager hier ihr Können beweisen. „Willkürliche Ausverkäufe sind von Natur aus ineffizient und ermöglichen kompetenten Anlegern, Informationsvorteile auszunutzen“, weiß McQuaker. Der Fidelity-Experte sieht hier insbesondere Vorteile für qualitätsorientierte Strategien. Unternehmen mit konsistenten und vorhersehbaren Gewinnen, einer guten Geschäftsführung und gesunden Bilanzen werden in einem solchen Marktumfeld zunehmend attraktiv.

Passive Strategien können in diesem Umfeld vor allem für taktische Wetten genutzt werden. Über Index-Tracker können Manager eine bestimmte Region, Branche oder ein bestimmtes Thema kurzfristig über- oder untergewichten.

Die große Kunst besteht jetzt darin zu erkennen, in welcher Phase sich der jeweilige Markt befindet. Denn Zyklen und jede einzelne Zyklusphase können von sehr unterschiedlicher Dauer sein – den Eintritt in die neue Phase bemerkt man meist erst im Nachhinein.

Aktuell ist etwas mehr Zurückhaltung angesagt

Derzeit stellt sich die Frage, ob die mittlere Wachstumsphase nun endgültig vorbei ist. „Zurzeit senden die entwickelten Märkte einige spätzyklische Signale. Die Wachstumsdynamik lässt nach, die Zentralbanken straffen die geldpolitischen Zügel und die steigenden Ölpreise üben weiteren Druck auf die Inflation aus“, erläutert McQuaker. Hinzu komme eine gestiegene Volatilität und sinkende Korrelationen zwischen den einzelnen Vermögenswerten. „Etwas mehr Zurückhaltung ist angesagt. Es ist wahrscheinlich eine gute Zeit, um das Exposure gegenüber tendenziell volatileren Aktien insgesamt zu reduzieren“, meint McQuaker.

Passive Strategien können hier allein kaum weiterhelfen. Diversifikation ist mehr denn je erforderlich. Dabei sollten vor allem Anlageklassen und Branchen, die in geringerem Maße von der Konjunktur abhängen, im Portfolio nicht fehlen.

*Die globale ETF-Industrie wuchs laut ETF-Branchenberatern 2017 um über 36% auf knapp 5 Bio. USD.

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