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Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF: Wer legt besser in Unternehmensanleihen an?

Aktiv oder passiv anlegen: Welche Fonds machen ihre Sache besser?
Aktiv oder passiv anlegen: Welche Fonds machen ihre Sache besser? | Foto: Jessica Hunold mit Canva

Kaum sind die hohen Zinsen zurück, werden Anleger schon mit der Frage konfrontiert: Wie lange noch? Die wirtschaftlichen Indikatoren trüben sich ein und die Inflationsraten sind rückläufig. Beides spricht dafür, dass in den USA und der Eurozone der Zinsgipfel erreicht ist. Um die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln, wird allgemein erwartet, dass Notenbanken allmählich ihre Leitzinsen wieder senken. Die Verzinsungen der aktuell attraktiven Tagesgelder werden dann erfahrungsgemäß rasch nach unten angepasst.

Anleger müssen sich somit mit Alternativen auseinandersetzen, wobei manche Optionen ihre ganz eigenen Nachteile mit sich bringen. So unterwandert die steigende Neuverschuldung vieler Nationen sowie mögliche Herabstufungen der Bonität durch Ratingagenturen das Vertrauen in als sicher geltende Staatsanleihen. Zudem ist die Verzinsung beispielsweise für deutsche Staatsanleihen gering und bietet über zehn Jahre mit 2,5 Prozent voraussichtlich nicht einmal einen realen Vermögensschutz.

Um eine Rendite auf Inflationsniveau zu erzielen, müssen Anleger folglich noch immer ins Risiko gehen. Unternehmen scheinen hinsichtlich ihrer Verschuldung insgesamt besser dazustehen als viele Staaten. Gleichzeitig bieten Anleihen von Firmen mit guter Bonität, sogenannte Investmentgrade-Anleihen, mit teilweise mehr als 4,5 Prozent Rendite pro Jahr eine interessante Einnahmequelle. Bei Hochzinsanleihen sind sogar mehr als 8 Prozent Rendite pro Jahr möglich, was bekanntlich aber auch eine höhere Risikotoleranz und einen genauen Blick auf die Bilanzen erfordert. 

Gleichen die geringen ETF-Kosten die Nachteile passiver Anleihen-Investments aus? 

Die allermeisten Anleihearten profitierten in den letzten Jahren zum einen von den bis 2022 rückläufigen Zinsen, zum anderen von der Suche der Investoren nach Ertragsquellen und den daraus resultierenden Kursgewinnen. Mit passiven Anlagen konnten Investoren in diesem Umfeld kaum Fehler machen. Strukturell haben passive Investments jedoch Nachteile:

  • Durch die häufigen Änderungen in den zugrundeliegenden Basisindizes entstehen bei passiven Produkten einige Kosten für Kauf und Verkauf von Anleihen, die sich beim Anleger in einer verringerten Performance bemerkbar machen.
  • Um die für die börsengehandelten ETFs notwendige Liquidität zu gewährleisten, können zudem nur Anleihen mit einer gewissen Mindestgröße zum Einsatz kommen.
  • Das starre Konzept kann auch bei Ratingänderungen den Verkauf von Anleihen erzwingen, wodurch bei Herabstufungen Kursverluste realisiert werden.
  • Oft dürfen zudem Anleihen mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr nicht im Portfolio vertreten sein.

Für aktive Fondsmanager sollte es also einige Möglichkeiten geben, Mehrwerte gegenüber ETFs zu bieten. Oder reichen die geringeren Gesamtkosten der ETFs aus, um die strukturellen Nachteile auszugleichen? 

Die aktiven Investments: Mut zum klaren Profil

Die Strategie des 2007 aufgelegten Fonds DWS Invest Euro Corporate Bonds (LU0441433728) lässt dem Fondsmanager Karsten Rosenkilde einigen Handlungsspielraum. Der Fonds investiert in auf Euro lautende Unternehmensanleihen, die auch von Emittenten außerhalb Europas stammen können. Der Großteil der Anleihen besitzt ein Investmentgrade-Rating. Um von Ratingverbesserungen oder einer verbesserten Finanzlage zu profitieren, kann der Manager bis zu einem Gewicht von 5 Prozent auch Anleihen niedriger Bonität beimischen. Interessante Anleihen in Fremdwährungen können ebenfalls enthalten sein, wobei das Währungsrisiko abgesichert wird.

Schon seit 2009 ist Rosenkilde für den Fonds verantwortlich, der mittlerweile ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro aufweist. Der Manager und sein Team nutzten einen fundamental ausgerichteten Anlageprozess. Die Bilanzqualität, die Generierung von freien Mittelzuflüssen (Cashflows) und die Managementqualität der Anleiheemittenten stehen im Mittelpunkt, um attraktiv bewertete Anleihen im Sektorenvergleich mit Aufholpotenzial zu identifizieren.

Finanzwerte sind aktuell mit circa 40 Prozent leicht untergewichtet – zu Gunsten der Bereiche Technologie und Telekommunikation. Auf regionaler Ebene tauchen vor allem europäischen Finanzwerte unter den größten Positionen auf. Aber auch das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T ist mit einem Anteil von 1,3 Prozent vertreten. Nachhaltige Aspekte berücksichtigt die DWS mittels gängiger Ausschlusskriterien, während Firmen mit deutlichen Klima- und Transformationsrisiken gemieden werden. 

Über die letzten drei Jahre konnte der Fonds sich trotz einer Anpassung des Zinsrisikos um plus/minus zwei Jahre Duration zum Vergleichsindex dem Anleihen-Crash nicht entziehen. Mit -12,7 Prozent verzeichnete er einen stärkeren Rückgang als die Vergleichsgruppe ( -10,8 Prozent). Seine Stärken spielte der Fonds eher in einem steigenden Markt aus, da dann auch die Anleihen mit Verbesserungspotenzial Beiträge leisten. So erreichte der Fonds in den Jahren 2019, 2020 und bisher 2023 eine Outperformance. Aktuell weist das Portfolio eine Anleihenrendite von circa 4,8 Prozent bei einer Duration von 4,9 Jahren auf.

Risiko aufmerksam im Blick

Für Anleger mit dem Wunsch nach höheren Zinsen in Kombination mit einem wachsamen Risikomanagement bietet sich der Fonds Robeco High Yield Bond (LU0085136942) an, der derzeit eine Rendite von 6,7 Prozent bei einer Duration von 3,4 Jahren aufweist. Die 25-jährige Historie macht das Produkt zum ältesten Fonds für Hochzinsanleihen in Europa. Seit 2001 verantworten Sander Bus und Roeland Moraal den Fonds, der sich auf Euro-Anleihen fokussiert.

Trotz attraktiver Zinsen im High-Yield-Bereich setzen die Manager nicht auf die absolut höchsten Renditen. Sanders und Moraal verfolgen hingegen einen vergleichsweise defensiven Ansatz. In erster Linie investieren sie in Anleihen von Emittenten mit Ratings von BB bis B. Ihr Ansatz basiert dabei auf einer tiefgehenden Firmenanalyse. Hierbei kann das Duo auf die Unterstützung eines Teams mit 24 Fondsmanagern und Analysten zurückgreifen, das Hochzinsanleihen regionen- und sektorenübergreifend analysiert. 

Rund 300 Emittenten finden schließlich den Weg ins Portfolio. Die Manager dürfen auch weniger riskante Anleihen aus dem Bereich Investmentgrade beimischen. Zum Teil besteht dieser Anteil aus Bonds, die durch Ratingverbesserung aufgestiegen sind, aber noch immer attraktive Risikoaufschläge (Spreads) aufweisen. Die regionale Aufteilung ist vor allem ein Ergebnis der Bewertungen, daher werden derzeit US- zu Gunsten von europäischen Anleihen untergewichtet.

Insbesondere Banken findet das Management interessant bewertet und gewichtet sie daher derzeit mit 6 Prozent. Anleihen im Investmentgrade-Bereich machen in der Summe circa 13 Prozent aus. Durch das aktive Management unterliegen die Investitionen im Fonds auch einem ESG-Screening. Dieses zielt in erster Linie darauf ab, mögliche Risiken zu identifizieren und zu neutralisieren. Über drei Jahre entwickelte sich der Fonds mit -3,2 Prozent leicht schlechter als seine Vergleichsgruppe mit -1,6 Prozent. Im für Rentenwerte schwierigem Umfeld 2022 erreichte das Management jedoch eine Outperformance und begrenzte den Jahresverlust auf -10,7 Prozent, während die Vergleichsgruppe  11,8 Prozent an Wert verlor.

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Die passiven Investments: anständige Ergebnisse, anspruchsvolle Zukunft

Der Xtrackers Euro Corporate Bond SRI ETF (LU0484968812) investiert ausschließlich in Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating, die auf Euro lauten. Der ETF enthält über 2.500 Anleihen und bildet den Bloomberg MSCI Euro Corporate SRI PAB Index direkt ab. Sein Volumen von 2,3 Milliarden Euro macht ihn zu einem der größten hierzulande erhältlichen Unternehmensanleihen-ETFs mit einem nachhaltigen Investmentansatz. Es dürfen nur Anleihen erworben werden, die unter anderem über ein MSCI-ESG-Rating von mindestens BBB verfügen. Die Emittenten müssen außerdem Branchenführer im Bereich der Dekarbonisierung sein. Zudem kommen gängige Ausschlusskriterien zum Einsatz. In dem ETF ergibt sich eine Portfoliorendite von 4,4 Prozent und eine Duration von 4,3 Jahren. 

Wie auch die aktiven Mitstreiter hat der ETF zwar einen Schwerpunkt auf die Euro-Währung, nicht aber auf bestimmte Regionen. Daher finden sich im Portfolio beispielsweise auch auf Euro lautende Anleihen von US-Unternehmen wie Microsoft oder der Schweizer Novartis. Der Anteil an US-Positionen macht insgesamt etwa 17 Prozent aus, während der Schweiz 2,5 Prozent zukommen. Der Großteil der Anleihen stammt jedoch aus europäischen Ländern inklusive Großbritannien. Über drei Jahre konnte sich der ETF dem Marktzinsanstieg nicht entziehen, er lag mit 11,5 Prozent im Minus. Stellt man dem ETF eine Vergleichsgruppe aus aktiven Fonds gegenüber, die über diesen Zeitraum -10,8 Prozent verlor, muss sich das passive Vehikel geschlagen geben.

Hochzinsanleihen im Fokus 

Ganz im Gegensatz zum Xtrackers-Vehikel, besteht der iShares Global High Yield Corporate Bond ETF Euro-Hedged (IE00BJSFR200) zur Hälfte – und damit zum Großteil – aus US-Anleihen. Europäische Anleihen stehen an zweiter Stelle. Wie auch der Robeco-Fonds konzentriert sich dieser ETF auf Hochzinsanleihen und erzielt dadurch höhere Renditen als die Investmentgrade-Produkte. Gleichzeitig werden Währungsrisiken zum Euro abgesichert.

Die aktuelle Rendite im Fonds liegt bei circa 8 Prozent und das bei einer Duration von 3,3 Jahren. Die Markit iBoxx Global Developed Markets Liquid High Yield Index Family bildet die Entwicklung von über 20.000 Anleihen aus den entwickelten Ländern ab und ist das Fundament des ETFs, wobei dieser auf ein Optimierungsverfahren zurückgreift, um die Portfoliopositionen letztendlich auf rund 1.800 Anleihen zu reduzieren. Die Investments müssen zudem Mindestvolumina und eine Mindestlaufzeit erfüllen.

Auf der Ratingseite haben circa 70 Prozent der Anleihen ein BB und circa 30 Prozent ein niedrigeres Rating. Nachhaltige Kriterien fließen bei diesem global anlegenden Produkt nicht mit in die Betrachtung ein. Über die letzten drei Jahre entwickelte sich der ETF mit -0,5 Prozent besser als die Vergleichsgruppe mit -1,6 Prozent – trotz der für einen ETF hohen laufenden Kosten von jährlich 0,55 Prozent. Auch im Jahr 2022 konnte der ETF punkten. So wies der iShares Global High Yield Corporate Bond ETF Euro-Hedged mit -10,8 Prozent einen geringeren Verlust als die Vergleichsgruppe für globale Hochzinsanleihefonds (-11,8 Prozent) auf. 

Fazit: Nicht am falschen Ende sparen

Attraktive Renditen zwischen 4 Prozent und 8 Prozent halten die Unternehmensanleihenfonds dieses Vergleichs bereit. Angesichts der massiven Verschuldung von Staaten und den teilweise deutlich niedrigeren Renditeniveaus derer Anleihen sind die Fonds eine interessante Alternative. Bei einem wirtschaftlichen Abschwung, der Unternehmen belastet, könnten diese konjunktursensibleren Fonds jedoch Kursverluste erleiden, etwa wegen einer Ausweitung der Risikoprämien. Im aktuellen Umfeld dürften die Zinskupons mögliche Kursrückgänge insgesamt aber besser abfedern als im vorangegangenen Zinstief bis 2021. 

Trotz struktureller Nachteile bestehen sowohl der Xtrackers-ETF also auch das iShares-Produkt den Performance-Vergleich mit den aktiven Produkten und ihren Benchmarks. Die Beschränkungen der ETFs, zum Beispiel Mindestanforderungen an das Anleihevolumen, engen den Nutzen der Produkte jedoch ein. Die Flexibilität der aktiven Fonds dürfte hier in Zukunft ein entscheidender Erfolgsfaktor werden. 

Im High-Yield-Bereich kommt der Vermeidung von Schuldnerausfällen eine besonders große Bedeutung zu. Künftig sollten Anleger wieder mit höheren Ausfallraten rechnen. Schließlich sind die Notenbanken davon abgekehrt, billiges Geld bereitzustellen, das Risse im Finanzsystem immer wieder zuspachtelte. Schon eine moderate Ausfallrate von 2-3 Prozent könnte die Risikoaufschläge des ungemanagten iShares-ETFs auffressen. Mit Blick in die Zukunft hat das aktive Management des Robeco-Fonds, das Ausfallrisiken meist vermied, daher klar die Nase vorn. Das defensive Profil des Fonds sorgte zudem in der jüngsten Vergangenheit dafür, dass Anleger ohne großes Drama und nach allen Kosten eine indexähnliche Performance erhielten.

Bei Investmentgrade-Anleihen spielen Ausfälle keine große Rolle. Auch deshalb müssen sich die DWS-Manager anderweitig von der ETF-Konkurrenz abgrenzen. Wie die Robeco-Kollegen haben auch sie Mut zum Profil: Der DWS sucht unter anderem attraktive Anleihen mit Aufholpotenzial, was dazu führt, dass er bisher in Aufwärtsphasen dynamisch performte und auch den ETF der eigenen Tochterfirma deutlich überholte. Der Xtrackers-ETF will mittels ESG-Regeln als einziges hier vertretenes Produkt CO2-Ausstöße reduzieren, während die restlichen Mitstreiter durch ESG höchstens Risiken reduzieren.

Obwohl sich die passiven Produkte in diesem Vergleich gut schlagen, sollten Anleger bedenken, dass die Stunde der aktiven Manager geschlagen hat: Die höheren Zinsen legen in vielen Bereichen erhebliche Risiken offen und eröffnen ihnen gleichzeitig lange vermisste Chancen.

 Über den Autor:

Sven Gruse ist Markt- und Produktanalyst Investment im Bereich Portfoliomanagement und Analyse der Fonds Finanz Maklerservice GmbH. Das Portfoliomanagement-Team des Münchner Maklerpools selektiert Fonds für die hauseigene Empfehlungsliste und die Vermögensverwaltung Comfortinvest.

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