Wer einen aktiven ETF kauft, erwartet aktives Management – ein Produkt, das gezielt vom Index abweicht, um Mehrrendite zu erzielen. Jan Tachtler, Leiter der Fonds- und Managerselektion und Partner bei HQ Trust, hat sich rund 40 in Deutschland verfügbare Produkte genauer angeschaut. Sein Befund ernüchtert: Die meisten aktiven ETFs sind deutlich weniger aktiv, als ihr Name vermuten lässt.

Für seine Analyse – auf Basis von Daten aus Morningstar Direct – berechnete Tachtler zwei Kennzahlen: den Active Share und den Tracking Error über das vergangene Jahr. Als Vergleichsindex diente jeweils die im Verkaufsprospekt angegebene Benchmark – also die Messlatte, an der sich der Anbieter selbst messen lässt. Der Betrachtungszeitraum reichte von Ende Januar 2025 bis Ende Januar 2026.

HQ Trust Analyse
Bildquelle: Morningstar Direct, HQ Trust Research

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Was die Kennzahlen messen

Der Active Share gibt an, wie stark ein Portfolio vom Vergleichsindex abweicht. Ein Wert von 0 Prozent bedeutet: Der Fonds ist identisch mit dem Index. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet: Es gibt keine einzige gemeinsame Position.

Der Tracking Error misst, wie stark die relative Wertentwicklung zur Benchmark über die Zeit schwankt. Ein niedriger Wert zeigt, dass der Fonds nah an der Indexentwicklung bleibt. Ein hoher Wert lässt auf stärkere Abweichungen schließen – muss aber nicht zwingend auf aktives Management zurückzuführen sein.

Dass für die Analyse nur rund 40 Produkte zur Verfügung standen, ist kein Zufall. Der Marktanteil aktiver ETFs liegt weltweit nach wie vor deutlich unter 10 Prozent. Viele Produkte sind zudem so neu, dass kein einjähriger Track Record vorlag – eine Mindestvoraussetzung für die Berechnung.

Die große Mehrheit bleibt nah am Index

Das Ergebnis ist eindeutig: „Die meisten der analysierten Produkte weisen einen Active Share unter 60 Prozent auf – und einen Tracking Error von unter zwei Prozent“, stellt Tachtler fest. „Das entspricht eher einem indexnahen als einem wirklich aktiven, konzentrierten Investmentansatz.“

Ausreißer gibt es – aber mit Erklärung. „Nur einige wenige ETFs zeigen deutlich höhere Abweichungen“, so der Experte. Dabei handele es sich häufig um thematische Produkte – etwa einen Klima-ETF, der als Benchmark den MSCI ACWI verwendet. Hier sorge schon die Themenfokussierung strukturell für einen höheren Active Share, unabhängig vom Aktivitätsgrad des Managers, erklärt Tachtler.

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Die Benchmark-Wahl verzerrt das Bild

Auch die Wahl der Benchmark spiele eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick vermuten würde. „Vergleicht man einen aktiven ETF auf US-Aktien nicht mit dem S&P 500, sondern mit dem MSCI USA, ergeben sich allein durch die unterschiedliche Titelanzahl der Indizes höhere Abweichungswerte“, erklärt Tachtler. Der S&P 500 enthält 500 Titel, der MSCI USA mehr als 600. Gleiches gilt für den MSCI World mit rund 1.650 Titeln und den MSCI ACWI mit rund 2.900 Titeln: „Hier entstehen allein durch die Indexwahl Abweichungswerte, ohne dass der Manager zwingend aktiver agiert.“

Der Markt für aktive ETFs ist jung – und das Bild könnte sich ändern. „Was heute gilt, muss in zwei oder drei Jahren nicht mehr zutreffen“, räumt Tachtler ein. Aktuell aber dominiere ein indexnahes Management.