ETF-Profi Olivier Paquier im Interview „Aktive ETFs streben danach, die Performance von Indizes zu übertreffen“

Collage mit ETF-Profi Olivier Paquier
Collage mit ETF-Profi Olivier Paquier: „Aktive ETFs eröffnen Anlegern die Möglichkeit, verschiedene Anlagethemen in einem einzigen ETF-Paket zu erschließen.“
© Barbara Bocks, Collage mit Canva

DAS INVESTMENT Academy: Was genau sind aktive ETFs?

Olivier: Der ETF-Markt hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und bietet aktuell eine breite Palette von Indizes für jeden Anlegertyp.

Aktive ETFs sind ein Teil dieser Entwicklung, da sie die Vorteile ihrer passiven Pendants beinhalten und darüber hinaus optimieren.

Aktive ETFs kombinieren einige der potenziellen Vorteile der Anlage in Investmentfonds mit dem Komfort, der Transparenz und der Liquidität eines ETFs. Sie spiegeln ein Modellportfolio wider, das von einem Portfoliomanager aufgebaut und aktiv verwaltet wird. Gleichzeitig werden sie dennoch an einer Börse gehandelt.

Das Ziel eines aktiven ETFs ist es, eine Benchmark zu schlagen - und nicht eine nachzubilden. Das bedeutet, dass aktive ETFs nicht einfach mit einem Marktindex im Wert steigen und fallen, sondern durch eine aktive Aktienauswahl eine verbesserte Performance erzielen sollen.

Obwohl aktive ETFs immer noch einen kleinen Anteil von etwa fünf Prozent am weltweiten ETF-Markt ausmachen, hat ihre Bedeutung in jüngster Zeit zugenommen. Allein im Jahr 2022 verzeichneten aktive ETFs Nettozuflüsse im Wert von 102 Milliarden US-Dollar, was auf ihre wachsende Popularität hinweist.

Für welche Art von Anleger:innen sind aktive ETFs geeignet, für Anfänger:innen, Fortgeschrittene oder nur fur Profis und wie begründen sie das?

Olivier: Aktive ETFs bieten sich für eine vielfältige Anlegerschaft an. Die unkomplizierte Möglichkeit des täglichen Handels an der Börse in Kombination mit erhöhter Transparenz macht sie besonders geeignet für Einsteiger, die sich gerade mit dieser Thematik vertraut machen. Da die Bestände täglich veröffentlicht werden, können selbst Börsenneulinge immer die aktuellen Marktentwicklungen nachverfolgen.

 

Besonders für Anleger, die gezielt in spezifische Strategien oder Themen investieren möchten, bieten sie die Möglichkeit einer einfachen und kostengünstigen Investition. Diese Vorzüge sind auch für erfahrene Anleger ansprechend, wegen der zusätzlichen Anziehungskraft einer aktiven Fondsverwaltung durch einen professionellen Portfoliomanager.

Was sind die Hauptgründe, warum sich Anleger:innen für aktive ETFs entscheiden sollten?

Olivier: Zusätzlich zu einem attraktiveren Preis im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds bieten aktive ETFs noch weitere Vorzüge: Sie eröffnen Anlegern die Möglichkeit, verschiedene Anlagethemen in einem ETF-Paket zu erschließen.

Beispielsweise bieten sie einen Mehrwert in Bezug auf verantwortungsvolles Investieren – zumindest, wenn sie nicht an eine Benchmark gebunden sind. Daher sind aktive ETFs, die auf Nachhaltigkeit abzielen, für einige Anleger besonders interessant. Denn neben dem Erreichen der individuellen finanziellen Ziele wird hier zusätzlich Wert auf verantwortungsbewusstes Investieren gelegt.

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Auch thematische aktive ETFs, die sich auf langfristige Trends wie Digitalisierung und Demografie konzentrieren, werden immer zahlreicher und beliebter. In bereits zwei oder drei Jahren könnten thematische ETFs, einschließlich nachhaltigkeitsorientierter Vehikel, in allen wichtigen Regionen an erster oder zweiter Stelle stehen, betrachtet man die erwartete Anlegernachfrage. Dies geht aus einer Umfrage von Pricewaterhousecoopers hervor.

Welche spezifischen Vorteile und Nachteile bieten sie im Vergleich zu ETFs und zu aktiven Fonds?

Olivier: Im Gegensatz zu passiven ETFs, die darauf abzielen, die Performance eines Benchmarks nachzubilden, streben aktive ETFs danach, diese zu übertreffen. Dies kann zum einen finanzielle Vorteile bieten, da die aktive Auswahl der einzelnen Titel durch einen professionellen Portfoliomanager höhere Renditen ermöglicht.

Außerdem ermöglicht das Loslösen von einem Index einen wesentlich größeren Investitionsspielraum. Sie bieten die Möglichkeit, auf Chancen oder Themen zuzugreifen, die sich durch Indexinvestitionen nicht so einfach nachbilden lassen.

Dies kann eine kosteneffiziente Möglichkeit sein, sich in einem diversifizierten Wertpapierportfolio zu engagieren und ermöglicht den Anlegern eine schnelle und effiziente Allokation zwischen Regionen und Anlageklassen. Diese Eigenschaften machen sie natürlich etwas preisintensiver im Vergleich zu einem passiven ETF.

Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen klassischen Fonds und aktiven ETFs: Beide werden von professionellen Fondsmanagern verwaltet, und bieten im Allgemeinen ein Engagement in einer breiten Palette von Anlagen in einem einzigen Produkt.

Allerdings sind aktive ETFs kostengünstiger und, was die Fondsallokation angeht, transparenter und somit für einen größeren Kreis von potenziellen Anlegern interessant. 

 

Inwiefern eignen sich aktive ETFs beim Thema Unternehmensanleihen?

Olivier: Festverzinsliche Wertpapiere sind aufgrund des aktuellen Zinsniveaus ein wichtiger Baustein im Portfolio. Das Volumen der Unternehmensanleihen hat in den vergangenen zehn Jahren ein erhebliches Wachstum erfahren. Allein der Markt für Euro-Unternehmensanleihen ist von 1,6 Billionen Euro im Jahr 2013 auf 2,6 Billionen Euro im Jahr 2023 gewachsen, begleitet von einer 2,3-fachen Steigerung der Emissionen (ICE BofA Euro Credit IG Index).

Angesichts dieser Entwicklungen bieten Unternehmensanleihen-ETFs eine Möglichkeit, breiter in einem Marktsegment investiert zu sein. Aktive ETFs bieten neben dem Marktzugang die Perspektive eines Portfoliomanagementteams.

Wie sieht es mit der Performance, den Gebühren und der empfohlenen Haltedauer von aktiven ETFs im Vergleich zu klassischen ETFs und Fonds aus?

Olivier: Ein Hauptvorteil von ETFs ist die Kosteneffizienz. Der Erfolg von aktiven ETFs basiert auf dem Know-how des individuellen Anlageteams. Die traditionellen Varianten zielen weniger auf Alpha-Renditen ab und konzentrieren sich auf Kostentransparenz. Abhängig von individuellen Umständen und Zielen, variiert die empfohlene Haltedauer. In der Regel ist es ratsam, während eines vollständigen Marktzyklus (meist drei bis fünf Jahre) investiert zu bleiben.

 

Welche Themen sind derzeit bei Anlegern von aktiven ETFs besonders angesagt und welche werden in Zukunft eine große Rolle spielen?

Olivier: Kosten- und Steuereffizienz werden für Anleger weiterhin die wichtigsten Themen sein. Denn wahrscheinlich wird der Druck auf die Fondsgebühren anhalten.

Aktive ETFs haben im Vergleich zu traditionellen ETFs einen höheren Preis, weshalb Anleger genau beobachten, wie sich die beiden Varianten weiterentwickeln.

Aber auch Nachhaltigkeit und der Schutz der Artenvielfalt sind ein immer größer werdendes Thema, auch in finanzieller Hinsicht. Denn die möglichen Kosten des Klimawandels könnten neben der Biodiversität auch die Wirtschaft stark treffen.

 

Zur Person: Olivier Paquier ist Global Head of ETF Sales bei der Fondsgesellschaft AXA IM.

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