Mit Dividendenaktien verbinden Anleger häufig erfolgreiche Geschäftsmodelle, die es den Unternehmen erlauben, ihre Investoren kontinuierlich an diesem Erfolg teilhaben zu lassen – in Form von Gewinnausschüttungen. Dividenden waren historisch in vielen Ländern ein wesentlicher Werttreiber der Aktienmärkte.

Der japanische Index Topix notierte Anfang 1990 beispielsweise bei rund 2.750 Punkten. Ende August 2024 betrug der Indexstand nur 2.712 Punkte. Anleger fuhren somit selbst nach mehr als 30 Jahren einen Kursverlust ein. Wer jedoch die Dividenden mit einbezog und diese immer wieder reinvestierte, der erzielte dagegen einen Ertrag von +60 Prozent. Hierbei handelt es sich wohl um eines der denkbar schlechtesten Szenarien. In anderen wichtigen Märkten, zum Beispiel den USA, gesellten sich zu den Dividendenerträgen selbstverständlich auch noch großzügige Kursgewinne.

Aus steuerlichen Gründen kann es interessant für Unternehmen sein, Gewinne eher in Aktienrückkäufe (sogenannte Buybacks) zu investieren und somit den Kurswert der einzelnen Aktie zu steigern, als diese vorrangig als Dividenden auszuschütten. Relevant ist diese Praxis vor allem für den US-amerikanischen Markt. So legte der Kursindex S&P 500 seit dem Jahr 2000 um mehr als +280 Prozent zu. Berücksichtigt man außerdem die Dividendenzahlungen, waren es unglaubliche +570 Prozent.

 

Obwohl es nicht ihrem Ruf entspricht, zählen beispielsweise die großen US-amerikanischen Technologiewerte Alphabet und Meta Platforms neuerdings zu den Dividendenzahlern. Dennoch lässt die Dominanz der Wachstumswerte Dividendeninvestoren seit langem ihre Haare raufen. Das viele Jahre niedrige Zinsumfeld belohnte nicht die defensiven, solide wirtschaftenden Unternehmen mit Bewertungsaufschlägen und Kurszuwächsen, sondern die schnell wachsenden Firmen samt ihrer Hoffnung auf Erträge in ferner Zukunft. 

Investoren sollten sich außerdem bewusst sein, dass einige Firmen zwar hohe Dividenden zahlen, aber diese nur auf Basis einer hohen Verschuldung und geringen Rentabilität stemmen. Für Anleger bedeuten diese potenziellen Fallstricke: Augen auf bei der Fondswahl. Denn die verfügbare Auswahl erstreckt sich von Vehikeln mit soliden Dividendenzahlern über Fonds, die auf die Maximierung der Dividendenrendite setzen, bis hin zu Strategien, die vor allem die Sicherheit der Dividenden fokussieren.

Dividendenfonds sind somit nicht gleich Dividendenfonds. Ihre Zusammensetzung und Wertentwicklungen können signifikant voneinander abweichen. Wir haben uns daher mit vier unterschiedlich gelagerten Produkten im Detail beschäftigt.

Die aktiven Fonds: Zwei gegensätzliche Spiegelbilder  

 

Der DWS Top Dividende (ISIN: DE0009848119) ist mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro der Platzhirsch unter den Dividendenfonds in Deutschland. Portfoliomanager Thomas Schüßler verantwortet nun seit fast 20 Jahren die Entwicklung des Fonds. Sein Ansatz verkörpert wohl das, was sich die meisten Anleger hierzulande unter einem klassischen Dividendenfonds vorstellen, denn das Fondsportfolio besteht aus Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und liefert höhere Dividenden als der Gesamtmarkt bei geringeren Schwankungen. Neben der Dividendenrendite werden auch das -wachstum sowie die Ausschüttungsquote als Filterkriterium berücksichtigt.

Bei 1.000 Meetings mit Unternehmen pro Jahr fühlt Schüßlers Research-Team den Firmen und ihren Unternehmenszahlen genauer auf den Zahn. Fündig werden sie aktuell vor allem in Europa, dort sind derzeit 45 Prozent des Fonds investiert. Finanzwerte wie die französische Axa, die heimische Allianz oder die britische HSBC landeten neben europäischen Ölwerten wie Totalenergies und Shell im Einkaufwagen. Doch auch in Asien bieten sich mit dem Chiphersteller TSCM und dem Kommunikationsdienstleister Nippon Telegraph attraktive Investments. Bergbauaktien mit Fokus auf Edelmetalle aus Kanada, den USA und Australien finden ebenfalls Einzug ins Portfolio.

Ungewöhnlicherweise enthält der Fonds zu 5 Prozent Gold-ETCs und 5,3 Prozent US-Staatsanleihen. Die Goldquote sieht der Manager als diversifizierende Ergänzung zu den Edelmetallminen und die Anleihen als Zusatzertrag und Absicherung. Zwar liefert der defensive Ansatz eine hohe Dividendenrendite auf Portfolioebene, doch bleibt die Wertentwicklung in den letzten fünf Jahren mit +26 Prozent deutlich hinter Vergleichsfonds (+48 Prozent) sowie dem MSCI World (+80 Prozent) zurück.

Dafür gelang es dem Management in den letzten Jahren aber, die Ausschüttung jährlich zu steigern. Derzeit liegt die Dividendenrendite im Fonds mit 3,6 Prozent vor der Vergleichsgruppe mit 3,3 Prozent. Hinsichtlich der Risikoparameter weist der DWS Top Dividende eine geringe Schwankung und auch niedrigere Verluste in Korrekturphasen wie im Jahr 2022 auf. Durch seinen defensiven Charakter eignet sich der Fonds nicht nur für Dividendenenthusiasten, sondern auch für vorsichtige Investoren, die entspannt am Aktienmarkt partizipieren möchten.

 

Der JPM Global Dividend Fonds (LU0329202252) ist eine Art Gegenentwurf zum DWS-Fonds. Das Team besteht aus drei Managern und ist in dieser Kombination recht jung. Sam Witherow und Helge Skibeli arbeiten seit sechs Jahren zusammen, während Michael Rossi das Team seit rund einem Jahr ergänzt. Der Fokus von J.P. Morgan liegt nicht klassisch auf der Dividendenhöhe, sondern vor allem auf dem Dividendenwachstum sowie auf dem langfristigen Wachstumspotenzial der Unternehmen selbst. Dies resultiert in einer zur Vergleichskategorie überdurchschnittlich großen Position US-amerikanischer Aktien von knapp 60 Prozent. Spannende Titel findet das Team auch in Asien, das 17 Prozent Gewicht beisteuert. Europa ist mit 22 Prozent hingegen unterrepräsentiert.

Dem Wachstumsfokus wird mit Aktienpositionen wie Microsoft (7 Prozent) und Meta Platforms (3,5 Prozent) Tribut gezollt. Eine Schnittmenge zum völlig anders gelagerten DWS-Fonds bildet die TSMC-Position mit knapp 4 Prozent. Insgesamt investiert der J.P.-Morgan-Fonds ausgewogener als die Value-lastige Vergleichsgruppe. Die Wertentwicklung des Fonds reichte über die letzten fünf Jahre mit +70 Prozent gegenüber +80 Prozent nahe an den MSCI World Index heran und lag somit deutlich vor der Vergleichsgruppe mit +48 Prozent.

Mit seinem fokussierten (50 bis 90 Titel) und dennoch ausgewogenen Portfolio erzielt der Fonds jedoch eine vergleichsweise geringe Dividendenrendite von 2,7 Prozent. Für Anleger, die sowohl mit Dividendentiteln Stabilität ins Portfolio bringen als auch Wachstumschancen nutzen möchten, bietet dieser Fonds einen guten Kompromiss.

Die Passiven: Mit Qualitätskontrolle zum Erfolg

 

Beim Fidelity Global Quality Income ETF (IE00BYXVGZ48) liegt das Augenmerk auf Qualitätsaktien mit einer hohen Dividendenrendite. Zur Auswahl der Aktien führen im ersten Schritt entsprechend qualitative Faktoren wie die Höhe und Stabilität des Cashflows oder die Rendite auf das investierte Kapital über die letzten 20 Quartale. Im zweiten Schritt werden anschließend die Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite selektiert.

Die Theorie hinter dem Ansatz ist, dass der Aktienkurs langfristig dem Unternehmensprofit folgt und somit Firmen von hoher Qualität mit stabilen Gewinnen und Cashflows besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Bei der Gewichtung der

Sektoren- und Länder orientiert sich der ETF weitestgehend am MSCI World, wobei Abweichungen äußerst gering ausfallen. Anleger erhalten mit dem Fidelity-Produkt einen ETF, der mit 250 Aktien weder besonders konzentriert noch überdiversifiziert ist. Rund 72 Prozent der Unternehmen sind davon in den USA ansässig. Dominant gewichtet sind auch drei der bekannten „Glorreichen-Sieben“-Titel, nämlich Apple mit 4,9 Prozent sowie Microsoft und Nvidia mit jeweils 4,6 Prozent. Die Dividendenrendite im ETF liegt mit 2,6 Prozent deutlich höher als beim MSCI World, der mit 2 Prozent aufwartet, aber unterhalb der Vergleichsgruppe mit 3,3 Prozent.

Die sektor- und länderneutrale Struktur verhilft dem Fidelity-ETF zu einem ähnlichen Renditeprofil im Vergleich zum MSCI World mit einer nur geringen Abweichung (Tracking Error). So spielt der ETF mit +71 Prozent über fünf Jahre insgesamt in der gleichen Liga wie der Weltindex mit +80 Prozent. Für Anleger, die nach einem Qualitätsaktienportfolio mit hohen Dividenden suchen und sich ohne eine gewisse Nähe zur wichtigsten globalen Aktienbenchmark unsicher fühlen, ist der Fidelity-ETF eine interessante Option.

 

Der sperrige Name des Vaneck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders Ucits ETF (NL0011683594) verrät bereits, dass sich dieses Investmentprodukt auf Unternehmen mit den höchstmöglichen Dividendenrenditen konzentriert. Gleichzeitig wird aber auch die Qualität der Firmen keinesfalls außer Acht gelassen. Insgesamt 100 Unternehmen gewährt die New Yorker Investmentfirma Vaneck Einzug in das für einen ETF untypisch flexibel gestaltete Portfolio. Die Auswahl der Aktien beruht auf den höchsten beobachteten Dividendenrenditen über die letzten zwölf Monate.

Mit einem zusätzlichen Filter wird sichergestellt, dass die derzeitige Dividende im Vergleich zur Dividende von vor fünf Jahren mindestens beibehalten oder sogar gesteigert wurde. Auch dürfen die Unternehmen im ETF in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr als 75 Prozent des Gewinns ausschütten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich Unternehmen die Dividende „leisten“ können und nicht aus der Substanz ausschütten.

Dieser Ansatz führt in der Regel zu einer Konzentration von Unternehmen bestimmter Branchen, wie Gesundheitsaktien (16 Prozent) und Finanzwerte (40 Prozent), die in diesem ETF Übergewichte gegenüber dem MSCI World darstellen. Immobilienaktien, die in der Theorie ebenfalls gut zu den Anforderungen des ETFs passen, werden aufgrund der meist zinssensitiven, wenn auch hohen Dividenden kategorisch ausgeschlossen. Das Gewicht jedes Sektors im ETF ist zudem bei maximal 40 Prozent gedeckelt, einzelne Aktienpositionen dürfen die Fünf-Prozent-Marke nicht übersteigen.

 

Über die letzten fünf Jahre erreichte der Vaneck-ETF mit +74 Prozent eine Entwicklung, die zwar hinter dem MSCI World Index (+80 Prozent) liegt, aber die Vergleichsgruppe deutlich übertrifft. Diese Entwicklung erscheint mit Blick auf den dreiprozentigen Technologieanteil beachtlich. Insbesondere im Jahr 2022 gelang dem ETF mit einer überproportional hohen Gewichtung von Ölwerten und Pharmatiteln ein deutlicher Mehrertrag gegenüber der Konkurrenz. Und auch der spärliche Technologiebereich leistete damals einen positiven Beitrag, vor allem das Unternehmen IBM. 

Mit +16 Prozent Ertrag setzte sich der ETF 2022 deutlich von der verlustreichen Vergleichsgruppe mit -12 Prozent und dem MSCI World mit -18 Prozent ab. Erkauft wird dieser Mehrertrag aber auch mit einer leicht höheren Volatilität und einem überdurchschnittlichen maximalen Verlust in den letzten fünf Jahren. Dieser ETF punktet mit seinem nicht alltäglichen Ansatz, der Schwung, Abwechslung und mit aktuell 6,2 Prozent auch eine hohe Dividendenrendite ins Depot bringt.

Fazit: Hoch lebe die Vielfalt

Obwohl alle hier vorgestellten Produktlösungen das Thema Dividenden für sich beanspruchen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Die Überschneidungen bei den investierten Aktien sind minimal – auch im Verhältnis zum MSCI World Index.

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Für die Konzeption der ETFs stehen quantitative Faktoren im Vordergrund. Beim Vaneck-ETF sind es die Höhe und das Wachstum der Dividenden, beim Fidelity-Produkt zusätzlich noch die soliden Bilanzen, die beständige Profitabilität und das Gewinnwachstum. Auch bei der Unternehmensanalyse durch die aktiven Fondsmanager spielen diese Faktoren eine essenzielle Rolle, werden in der Regel jedoch deutlich detaillierter betrachtet.

Diese Perspektive kombiniert der DWS-Fonds mit einem flexiblen aktiven Ansatz, der dem Fonds beispielsweise erlaubt, konservative Zusatzerträge aus der Beimischung von Anleihen zu generieren, ohne dadurch sein Profil und den Charakter einer Dividendenstrategie zu verlieren. Die passiven Produkte besitzen hingegen eine tendenziell starre Vermögensaufteilung. Dem Fonds von J.P. Morgan erlaubt die aktive Herangehensweise einen sehr erfolgreichen Spagat zwischen Qualitätswachstumsaktien und Dividendenrenditen, auch wenn letztere im Vergleich geringer ausfallen.

 

Für Investoren, die am globalen Aktienmarkt teilhaben wollen, dabei jedoch auch auf Dividenden Wert legen, bieten sich somit der Fidelity-ETF und der aktive J.P.-Morgan-Fonds an. Der Anteil an Wachstumswerten ist in diesen Portfolios deutlich höher. Beide Produkte achten zwar auf die Dividendenhöhe, doch investieren sie nahe der globalen Aktienbenchmark. Durch seine sektor- und länderneutrale Ausrichtung zum MSCI World kommt der Fidelity-ETF dem globalen Aktienbarometer oft am nächsten.

Dividendenmaximierer sind auf den aktiven Fonds der DWS, oder aber das passive Produkt von Vaneck angewiesen. Letzterer investiert risikofreudiger und bietet somit auch das höhere Ertragspotenzial. Weil er sich primär auf die Dividendenhöhe fokussiert, weist der ETF bei einzelnen Titeln und Sektoren hohe Gewichte auf. Ein insgesamt ruhigeres und schwankungsärmeres Verhalten bei dennoch attraktiven Dividenden legt der DWS Top Dividende an den Tag.

Gerade weil die Produkte so unterschiedlich sind, sollte Investoren die Wahl leichtfallen – vorausgesetzt, sie sind sich über ihre eigenen Ansprüche und Wünsche an einen Dividendenfonds im Klaren. Der Vaneck-ETF setzt einem diversifizierten Fondsdepot das Sahnehäubchen auf, mit dem DWS-Fonds können Aktienanleger am ruhigsten schlafen, wohingegen sowohl der J.P.-Morgan-Fonds als auch der Fidelity-ETF solide Basisinvestments im Depot bilden können. Hoch lebe die Vielfalt!

Wünschen Anleger ihre Dividenden schlussendlich tatsächlich ausbezahlt, sollte eine Eigenheit berücksichtigt werden: Ausschüttungen sowohl beim Fonds als auch beim ETF werden nach Abzug der Fondskosten gezahlt. Das bedeutet im Normalfall einen Vorteil für günstige ETFs und einen Nachteil für aktive Fonds. Wie gezeigt, können die aktiven Fonds dieses Vergleichs dies aber entweder durch einen vorsichtigen oder wachstumsorientierten Ansatz kursseitig kompensieren.

 

Sven Gruse
@ Fonds Finanz

Über den Autor:

Sven Gruse ist Markt- und Produktanalyst im Bereich Portfoliomanagement und Analyse des Maklerpools Fonds Finanz Maklerservice. Sein Team selektiert Fonds für die hauseigene Empfehlungsliste und Vermögensverwaltung Comfortinvest.