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in AnalysenLesedauer: 10 Minuten

Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF – wer findet die besten Value-Aktien?

Britisches Finanzzentrum City of London
Britisches Finanzzentrum City of London: Finanzunternehmen zählen zu den klassischen Value-Sektoren. | Foto: imago images / imagebroker

Erfüllt der aktive oder passive Fonds die Erwartungen seiner Anleger besser? Um diese beiden Produkte geht es heute:

In Value-Aktien – auch Substanzaktien genannt – zu investieren, war einst eine der
populärsten und erfolgreichsten Anlagestrategien. Der amerikanische
Nobelpreisträger Eugene Fama und sein Forscherkollege Kenneth French belegten vor mehr als 30 Jahren, dass Value-Aktien langfristiges Potenzial zur Mehrrendite gegenüber dem breiten Aktienmarkt aufweisen.

Die Value-Idee: Investoren kaufen Aktien, deren Kurse zum Kaufzeitpunkt noch
unter ihrem vermeintlichen tatsächlichen Wert notieren. Wird der Wert erreicht, verkauft
man mit Gewinn – soweit die Theorie. Doch von 2017 bis Ende 2021 erlebten Value-
Aktien eine historische Durststrecke. Mit Value-Titeln verdienten Anleger fast 45
Prozentpunkte weniger Rendite als der globale Aktienmarkt, gemessen am MSCI World
Index, lieferte.

Während 2007 noch 15 Prozent der Anlegergelder in Value-Produkten investiert
waren, sind es heute gerade einmal 4 Prozent. In dem über die letzten Jahre dominanten
Growth-Stil waren zuletzt hingegen 26 Prozent der Mittel investiert. Im Umfeld steigender Zinsen sah es jüngst wieder gut aus für Value-Anleger. Per Ende des ersten Halbjahres verloren sie nur -4,5 Prozent, während der MSCI World ein Minus von -13,5 Prozent verbuchte.

Wer Value-Aktien für sich wiederentdeckt, der findet am Markt eine Vielzahl von aktiven und passiven Anlageprodukten. Wir haben uns daher zwei attraktive Value-Investments näher angesehen und verglichen.

Der Aktive: Robeco BP Global Premium Equities

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

ISIN: LU0203975197
Kategorie: Aktienfonds Global
Fondsgesellschaft: Robeco Institutional Asset Management
Fondsmanager: Chris Hart und Joshua Jones

Anlageidee

Beim Value-Investing sind Anleger zwei wesentlichen Schmerzpunkten ausgesetzt. Zum einen mangelt es günstig bewerteten Unternehmen häufig an Wachstumspotenzial. Ob sich eine Firma in Zukunft erfolgreich entwickeln kann, spielt für klassische Value-Investoren häufig keine Rolle. Zum anderen lauert stets die Gefahr, in sogenannte Value-Fallen zu tappen. Auf ihrer Suche nach Firmen, deren Aktien vermeintlich unterhalb ihres fairen Wertes gehandelt werden, stoßen Investoren teils ungewollt auf Firmen, deren rechnerisch niedrige Bewertung sich später als gut begründet herausstellt.

Um diese Value-Fallen erfolgreich zu umschiffen, setzten die Fondsmanager des Robeco BP Global Premium Equities, Chris Hart und Joshua Jones, auf eine Aktienauswahl, bei der Unternehmen neben bekannten Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnissen oder Dividendenrenditen auch auf eine hohe Kapitalrentabilität und eine positive Geschäftsentwicklung geprüft werden. Darüber hinaus gilt die Maßgabe, dass der Fonds in zukunftsfähige Unternehmen anlegen soll. Diese Herangehensweise unterscheidet den Fonds von der ETF-Konkurrenz. Denn bei Value-ETFs spielt die Rentabilität der investierbaren Unternehmen oftmals keine Rolle.

 

 

Derzeit ist im Fonds der eher defensive Gesundheitsbereich mit 24 Prozent gegenüber dem MSCI World Value Index (16 Prozent) deutlich übergewichtet. Auch Technologie- und Industriewerte sind im Fonds mit 17 Prozent/14 Prozent höher gewichtet als im Value-Index. Obwohl hinter der Allokation weder makroökonomische noch thematische Überlegungen stecken, fließen deren Auswirkungen in die Unternehmensanalyse ein. Dies erlaubt den Managern, das 120 Titel umfassende Portfolio des Fonds dennoch an die Marktgegebenheiten anzupassen.

Mit knapp 55 Prozent weist der Fonds seit jeher ein höheres US-Exposure als seine Vergleichs-Benchmarks auf. Der Anteil an Schwellenländeraktien wie zum Beispiel aus Südkorea oder Singapur lag in der Vergangenheit meist unter 5 Prozent. Hart und Jones können bei ihrem auf Substanzaktien spezialisierten Arbeitgeber Boston Partners, einer Schwesterfirma des bekannten niederländischen Vermögensverwalters Robeco, auf die Unterstützung von 55 Analysten und Portfoliomanager zählen. Trotz dieses personellen Aufwands fallen die Gebühren von 1,46 Prozent per annum für einen aktiven Fonds, der mit 4,2 Milliarden Euro Fondsvolumen weder zu den unflexiblen Dickschiffen noch zu den teuren Newcomern gehört, relativ niedrig aus.

So hat sich der Fonds entwickelt

Der Robeco Global Premium gehört zu den kurz- und langfristig erfolgreichsten globalen Value-Aktienfonds. Doch auch gegenüber dem breiten Aktienmarkt, der weder eine Value- oder Growth-Stilausprägung aufweist, können sich die langfristigen Ergebnisse sehen lassen.

Chris Hart verantwortet den Fonds schon seit Juli 2008. In diesen 14 Jahren hat der Fonds 9,5 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Wohingegen der MSCI World Value Index nur 8,6 Prozent und seine Value-Vergleichskategorie 7,4 Prozent pro Jahr lieferten. Dieser Rendite-Vorsprung, der insgesamt etwa 42 beziehungsweise 85 Prozentpunkte beträgt, wurde vor allem zwischen 2008 und 2017 erzielt.

In dieser Phase übertrafen Hart und Jones durch ihre Einzelaktienauswahl wiederholt die Value-Benchmarks und sogar den MSCI World. Im Anschluss, zwischen 2017 und Ende 2021, als der Value-Anlagestil aufgrund seiner deutlichen Minderrendite gegenüber Growth-Aktien bereits beinahe totgesagt war, lag der Robeco-Fonds mit seinen 41,8 Prozent nur leicht hinter seinem Value-Vergleichsindex (42,2 Prozent) und der Value-Vergleichsgruppe (42,4 Prozent).

Auch wären Anleger mit einem einfachen MSCI-World-ETF in dieser Phase besser gefahren als mit diesem Fonds. Einige große Wachstumsaktien aus dem Technologie- und technologienahen Bereich wie Microsoft, Apple, Alphabet, Meta oder Amazon, trieben den MSCI World Index deutlich an. Dadurch überflügelte dieser nicht nur den Kategorie-Durchschnitt der Value-Fonds sowie den Robeco BP Global Premium Equities, sondern auch die ausgewogenen globalen Aktienfonds insgesamt.

Als die Finanzmärkte Ende 2021 die restriktivere Geldpolitik der Notenbanken einzupreisen begannen, zeigte sich die Robeco-Strategie aufgrund ihres stringenten Value-Ansatzes robust nicht nur gegenüber dem breiten Markt, sondern auch gegenüber anderen Value-Fonds. Insbesondere der im Portfolio enthaltene Rüstungskonzern Rheinmetall legte mit 168,7 Prozent deutlich zu. Die Gesundheitsaktie McKesson lieferte ebenfalls beachtliche 43,2 Prozent. Im ersten Halbjahr 2022 verlor der Fonds dann mit -5,4 Prozent weniger an Wert als der durchschnittliche Value-Fonds mit -7,6 Prozent sowie der MSCI World Index mit -13,5 Prozent.