Die passiven Investments: Lieber verkappt aktiv als richtig passiv
Bei thematischen ETFs haben Anleger die Qual der Wahl. Die ETF-Pipeline reicht von A wie Artificial Intelligence über R wie Robotics bis W wie Wasser. Doch Einzelthemen-Investments erfordern eine Vielzahl an Entscheidungen des Investmentberaters und Anlegers – von der ETF-Auswahl über die Gewichtung im Portfolio bis hin zum Rebalancing und der Veräußerung einzelner Positionen.
Mit dem L&G Global Thematic ESG Exclusion ETF (IE000VTOHNZ0) können diese Aspekte an ein einziges Produkt delegiert werden. Der 2022 aufgelegte Multi-Themen-ETF des britischen Fondshauses Legal & General Investment Management beinhaltet neun Themen. Sie speisen sich aus den Megatrends Demographie, Technologie sowie Energie und Ressourcen. Darin finden sich wiederum Subthemen, zum Beispiel Therapieinnovationen, elektronische Zahlungen, KI und Internetsicherheit sowie Batterietechnik und erneuerbare Energien. Die Subthemen, die auch als einzelne ETFs erhältlich sind, werden von einem Algorithmus risiko-paritätisch gewichtet, sodass jedes Thema die gleiche Volatilität zum Fonds beiträgt.
Mit fast 400 Aktien, die gleichgewichtet allokiert sind, ist der L&G ETF das am breitesten diversifizierte Themeninvestment am Markt. Die Kostenquote von 0,6 Prozent per annum macht ihn sogar günstiger als viele Einzelthemen-ETFs. Mit erst 3 Millionen Euro Volumen ist das Produkt offensichtlich aber noch nicht richtig bei den Anlegern angekommen. Die zehn größten Positionen umfassen unter anderem Aktien der E-Autobauer Tesla und BYD, des Energieverwaltungsspezialisten Delta Electronics und des Cloud-Computing-Anbieters IonQ.
Nachhaltigkeitskriterien, die hauptsächlich Ausschlüsse der Tabak-, Rüstungs- oder Kohleproduktion umfassen und mittlerweile bei fast jedem neuen ETF Usus sind, sollen ESG-Risiken senken. Mit Blick auf die neusten, seit 2022 gültigen EU-Nachhaltigkeitsvorschriften dürfte dies aber auch den Vertrieb erleichtern.
Weniger als ein Jahr ist der ETF erst am Markt, somit ist es sicherlich noch zu früh für eine tiefergehende Renditeanalyse. Doch der Zeitpunkt der Auflage – knapp drei Monate vor dem Zwischentief des globalen Aktienmarktes im Dezember 2022 – hätte derweil nicht viel besser getimt werden können. Mit einem Kursplus von knapp 14 Prozent legte der ETF bis Ende Juli stärker zu als andere Multi-Themen-Fonds, ehe er diese Outperformance im August vollständig abgab. Er liegt deswegen nun deutlich hinter dem breiten MSCI World, der 16 Prozent an Wert gewann.
Eine Zeit lang gab es in der ETF-Branche nur ein Thema: den Ark Innovation (US00214Q1040) der „US-Aktienkönigin“ Cathie Wood. Das mit einst 23 Milliarden Euro Volumen ausgestattete Flaggschiff am US-Fondsmarkt katapultierte sich 2020 mit einem Wertzuwachs von 157 Prozent in den Fondsolymp. Doch schon 2022 musste der ETF einen fast 70-prozentigen Kurseinbruch verschmerzen. Woods ETF, der zu den ältesten Themenfonds überhaupt gehört, ist heute nur noch 8 Milliarden Euro schwer.
Bereits seit 2014 sucht die Unternehmerin mit ihrem 18-köpfigen Research-Team nach disruptiver Innovation in den Themenfeldern „DNA-Technologie und Genom-Revolution“, „Automatisierung und Robotics“ sowie KI und der „Internet- und Fintech-Revolution“. In den Top-Positionen des ETFs findet man seit Jahren neben Tesla auch den Streaming-Spezialisten Roku und den Zahlungsdienstleister Block (ehemals Square). Die Managementgebühr in Höhe von 0,75 Prozent erscheint für einen ETF hoch. Das liegt aber auch daran, dass Cathie neben ihrer aggressiven Anlagephilosophie noch eine weitere Innovation auf Lager hat: Mit dem Ark Innovation kreierte sie den ersten relevanten aktiv gemanagten ETF.
In Deutschland ist das in den USA beheimatete Produkt höchstens über Umwege beziehbar, zum Beispiel über den Nikko AM Ark Disruptive Innovation (LU1861558580). Ob das Hopp-oder-Top-Portfolio für deutsche Anleger aber eine Bereicherung ist, darf man bezweifeln. Das extreme Auf und Ab des Ark-ETFs von der Seitenlinie aus zu beobachten, könnte für den Nervenkitzel schon genügen. In dem einen oder anderen Finanzpodcast bleiben Cathies Investments sicher auch künftig ein beliebtes, aber polarisierendes Gesprächsthema.
