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Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in europäische Aktien?
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Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in europäische Aktien?

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Die aktiven Europa-Investments: der JPM Europe Equity

Unaufgeregt, aber effektiv: So lässt sich der Anlagestil des JPM Europe Equity (ISIN: LU0210530746) zusammenfassen. Der Fonds investiert breit gestreut in große und mittelgroße europäische Aktien, aber ohne sich dabei auf einen bestimmten Investmentstil wie Value oder Growth festzulegen.

Der Fonds wird sowohl auf Sektoren- als auch Länderebene mit relativ geringen Abweichungen von 5 Prozentpunkten zum MSCI Europe Index gemanagt. Trotz dieses scheinbar engen Korsetts widersetzt sich der JPM Europe Equity vehement dem weit verbreiteten Vorurteil, dass aktives Management in der hart umkämpften Anlageklasse „Aktie“ nicht mit dem Index mithalten kann. Er schafft sogar das für aktive Fonds scheinbar Unmögliche: trotz einer geringen Abweichung vom Index und höheren Kosten im Vergleich zu einem ETF eine Outperformance zu erzielen.

Der Fonds kombiniert ein quantitatives Screening von circa 1.800 europäischen Unternehmen mit der Expertise des Analystenteams von J.P. Morgan. Dieses darf als eines der weltweit führenden für die Fundamentaldatenanalyse gelten. Während zunächst nach Kennzahlen für Value, Momentum und Qualität gefiltert wird, zielt die Fundamentalanalyse auf profitable Geschäftsmodelle mit einer dominanten Wettbewerbsposition bei günstigen Bewertungen sowie einem sich verbessernden Geschäftsumfeld (sogenanntes positives Geschäfts-Momentum) ab.

Das Team um den leitenden Fondsmanager Fitzalan Howard konstruiert schließlich ein aus circa 150 Aktien bestehendes Portfolio. Die Top-10-Positionen besitzen mit 28 Prozent eine höheres Portfoliogewicht als bei Konkurrenzfonds (21 Prozent) und der Benchmark (22 Prozent). Obwohl sich diese größten Aktienpositionen nur in der Gewichtung unterscheiden, sind es genau diese Nuancen, die den Mehrwert für Anleger liefern.

Seit Howard den Fonds steuert, erzielte der Fonds einen Wertzuwachs von 9,3 Prozent pro Jahr. Die Kategorie Aktien Europa erreichte dagegen nur 7,4 Prozent pro Jahr – und der MSCI Europe Index jährlich 8,5 Prozent. Die guten absoluten und relativen Anlageergebnisse resultieren nicht aus einem oder zwei besonders guten Jahren, sondern wurden größtenteils kontinuierlich erzielt, sodass die Strategie über fünf, zehn und 15 Jahre zu den besten 15 Prozent innerhalb der Kategorie zählt.

Die geringe Kostenbelastung von 1,25 Prozent per annum trägt genauso zur Wettbewerbsfähigkeit bei wie die gut managebare Fondsgröße von nur 851 Millionen Euro. Dem Fonds bleibt somit reichlich Handlungsspielraum, die attraktivsten Unternehmen aus dem heterogenen europäischen Universum zu picken.

Der Berenberg European Focus Fund 

Wem der unaufgeregte Ansatz des J.P.-Morgan-Fonds zu alltäglich erscheint, für den könnten europäische Wachstumstitel reizvoll sein. Anleger steuern damit dem leidigen Argument entgegen, europäische Aktien litten unter einem Wachstumsmangel. Der Berenberg European Focus Fund (LU1637618155) investiert in ebendiese Growth-Werte. Dafür ist er mit fast allen Freiheiten ausgestattet, die der erfahrene wie erfolgsverwöhnte Investmentchef und Fondsmanager Matthias Born auch zu nutzen weiß.

Der Fonds wurde im Oktober 2017 aufgelegt, nachdem Born von Allianz Global Investors zu Berenberg wechselte. Er brachte nicht nur seinen Investmentstil mit, sondern unter anderem die hochrangigen Allianz-Managerkollegen und Nebenwertespezialisten Peter Kraus und Andreas Strobl.

Born verfolgt seit jeher eine auf Qualität ausgerichtete Strategie, die auf strukturell wachsenden Erträgen und einer verlässlichen Unternehmensführung beruht. Die Aktienauswahl ist durch die Fundamentaldatenanalyse getrieben und umfasst die Beurteilung des Geschäftsmodells anhand der Planbarkeit, diverser Wachstumstreiber, der Erfolgsbilanz der Führungsebene sowie der Wettbewerbsposition unter Berücksichtigung von Markteintrittsbarrieren und Preissetzungsmacht. Auch die Bilanzstärke und Profitabilität fließen in die Beurteilung jedes Investments ein.

 

Die Fondszusammensetzung ist frei von einer Benchmark-Denke. Der European Focus Fund zeigt eine sehr hohe Wachstumsneigung und ist in mittelgroßen Nebenwerten besonders stark investiert. Sowohl für die Performance als auch die Abweichung zum Markt war aber vorrangig der Growth-Stil verantwortlich. Zudem ist das Portfolio sehr konzentriert, was sich vor allem in zwei Merkmalen ausdrückt: Erstens kommt der Fonds mit 50 oder weniger Aktienpositionen aus. Zweitens haben die zehn größten Werte ein aufsummiertes Gewicht von 44 Prozent.

Zwar befinden sich unter den größten Positionen beliebte Werte wie Infineon, die London Stock Exchange, SAP, Novo Nordisk und ASML, doch weicht der Fondsmanager mit 75 Prozent des Portfolios vom MSCI Europe Growth ab. Diese Freiheit zahlte sich in guten Jahren für die Anleger aus. Seit Auflegung im Oktober 2017 bis Ende 2021 gehörte der Berenberg European Focus mit 17,9 Prozent Rendite p. a. zum besten Prozent aller europäischen Wachstumsfonds (10,9 Prozent p.a.).

Innerhalb des Umfelds gestiegener Zinsen, in dem Wachstumsunternehmen unter Druck gerieten, büßte die Strategie 2022 über ein Drittel ihres Wertes ein. Das auf 485 Millionen Euro gesunkene Fondsvolumen könnte für den Fonds gleichzeitig einen Pluspunkt darstellen und ihm noch mehr Möglichkeiten im Nebenwertebereich eröffnen.

Anleger sollten sich von den Höhen und Tiefen derweil nicht ins Boxhorn jagen lassen. Die Anlage in qualitativ hochwertige Unternehmen, die ein hohes Wachstumspotenzial aufweisen, ist ein Marathonlauf. Dieser erfordert zwar manchmal Leidensfähigkeit, doch angesichts der möglichen Renditeprämie dürften schließlich die Schmerzen in Vergessenheit geraten.