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Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in europäische Aktien?
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Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in europäische Aktien?

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Die passiven Investments: Der iShares Core MSCI Europe ETF

Obwohl der europäische Aktienmarkt in der Gunst der globalen Anleger nicht besonders hoch steht, gibt es für ihn reichlich Auswahl an passiven Produkten. Investoren stehen nicht nur ETFs auf Standardindizes wie den MSCI Europe oder Stoxx Europe 600 zu Verfügung, sondern auch nachhaltige Produkte sowie Faktor-Strategien, zum Beispiel für Growth-, Quality- oder Value-Aktien. Doch nicht in jedem Segment haben Anleger Auswahl.

Der iShares Core MSCI Europe ETF (IE00B4K48X80) ist mit einem verwalteten Vermögen von 13,3 Milliarden Euro der Platzhirsch unter den Europa-Aktien-ETFs. Der nachgebildete Index deckt ein breites europäisches Aktienuniversum ab. Anleger investieren in circa 425 Aktien aus 15 europäischen Industrieländern. Sie umfassen 85 Prozent des investierbaren Marktes. Der Index wird nach Börsenwert gewichtet und quartalsweise angepasst.

Wo früher vor allem Ölwerte und Banken zu finden waren, gehören heute Unternehmen aus strukturellen Wachstumsfeldern zu den Schwergewichten. Dazu zählen Novo Nordisk, ASML und LVMH. Aber auch deutsche Firmen wie die Softwareschmiede SAP oder Europas größter Online-Einzelhändler Zalando finden ihren Platz im Index. Aktien der Eurozone bilden rund 50 Prozent des Portfolios, Werte aus dem Vereinigtem Königreich 22 Prozent und Unternehmen aus anderen Nicht-Eurozone-Ländern gut 27 Prozent.

 

Der ETF bietet Anlegern eine Exponierung zu größtenteils konjunktursensitiven Aktiensegmenten, die bei einem wirtschaftlichen Aufschwung Potenzial bergen. Auf Branchenebene geben noch immer Finanzaktien (17,2 Prozent) den Ton an, gefolgt von Industrietiteln (16,2 Prozent) und den großen Gesundheitswerten (15,5 PRozent) aus dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Entsprechend breit gestreut ist der physisch replizierende ETF – wobei er nicht in alle Aktienpositionen des Index investiert, sondern die Benchmark-Performance optimiert nachbildet.

Seit Auflegung im Juli 2007 ließ der ETF den Durchschnitt der aktiven Manager auch dank der geringen Kosten von 0,12 Prozent beständig hinter sich. Über rollierende Dreijahreszeiträume gelang dem passiven Produkt gegenüber der aktiven Vergleichsgruppe eine Mehrrendite von 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Dank zusätzlich generierter Erträge, etwa durch die Wertpapierleihe und Portfoliooptimierung, schlägt der ETF auch seinen zugrundeliegenden Index.

Letztendlich ist der ETF der Stellvertreter für den europäischen Gesamtmarkt – nicht mehr und auch nicht weniger. Die Branchenstruktur, die mittlerweile verstärkt aus Wachstums- und Luxusgüteraktien besteht, lassen den oft geschmähten Europa-Aktienmarkt heute aber in einem ganz anderen, viel positiveren Licht erscheinen.  

Der Amundi MSCI Europe Growth ETF 

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Eine passive Alternative für wachstumsorientierte Anleger hat das größte europäische Fondshaus Amundi im Programm. Der Amundi MSCI Europe Growth ETF (LU1681042435) wurde ursprünglich 2009 vom französischen Anbieter Lyxor aufgelegt. Später kaufte ihn Amundi im Rahmen seines Expansionskurses auf.

Der ETF bildet als einer von weniger als einer Handvoll in Deutschland erhältlichen börsengehandelten Indexfonds einen Europa-Wachstumsaktienindex, nämlich den MSCI Europe Growth, ab. In diesem Segment haben die sonst so mit Produktvielfalt verwöhnten ETF-Anleger also nicht die Qual der Wahl. Auch zeigt der ETF mit einem derzeit verwalteten Vermögen von 40 Millionen Euro noch deutlich Absatzpotenzial.

Im MSCI Europe Growth Index befinden sich bis zu 250 Aktien mit ausgeprägten Wachstumsprofilen aus 15 europäischen Industrieländern. Gefiltert werden die Titel anhand von Kriterien, unter anderem dem historischen und erwarteten Gewinnwachstum. Kombiniert mit der Marktkapitalisierung ergibt sich daraus das Gewicht im Index.

 

Amundi bildet den Index, der zweimal jährlich rebalanciert wird, synthetisch nach. Das heißt, es werden an sich keine Aktien des Index in den ETF gekauft, stattdessen erhält er über Swap-Kontrakte die Performance des Basisindex. Gegenpartei dieser Kontrakte ist die französische Großbank Société Générale. Der Vorteil dieser Replikationsmethode liegt in der geringen Renditeabweichung, dem sogenannten Tracking Error, zum Index. Die laufenden Kosten betragen 0,35 Prozent.

Der ETF hat im Vergleich zur aktiven Vergleichskategorie ein klares Übergewicht bei großkapitalisierten Aktien. Die Erklärung hierfür ist simpel: Growth-Aktien lieferten in den vergangenen Jahren eine deutlich bessere Performance als der Rest des Marktes, wodurch auch ihre Börsenwerte anstiegen. Im ETF-Portfolio dominieren auf Branchenebene die Industriewerte (21 Prozent), Gesundheitsaktien (16,9 PRozent) und defensiven Konsumtitel (15,9 Prozent).

Der Amundi MSCI Europe Growth ETF liegt seit Auflegung mit 10,4 Prozent p. a. knapp hinter dem Index (10,8 Prozent p. a.) und noch knapper hinter der Kategorie Aktien Europe Standardwerte Growth (10,5 Prozent p.a.). In den vergangenen sieben Jahren ab 2017, als der Wachstumsstil auch in Europa den Ton angab, schnitt der ETF aber konstant besser als die Vergleichsfonds ab.

Die wenigsten langfristigen Anleger werden somit den Kauf des ETFs bereut haben, sie haben aber auch weiterhin kaum andere passive Alternativen im Bereich der europäischen Wachstumsaktien. Gerade für Anleger, die den traditionell starken und innovativen europäischen Mittelstand deutlich im Portfolio vertreten sehen wollen, bleibt das Produkt derzeit ein Kompromiss.