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Aktiver Fonds versus ETF: Wer investiert besser in globale Aktien?
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Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF: Wer investiert besser in globale Aktien?

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Aktiv oder passiv investieren: Welche Fonds machen ihre Sache besser? | Foto: Jessica Hunold mit Canva

Der globale Aktienmarkt durchlief trotz diverser Schocks und Unwägbarkeiten in den vergangenen Jahren eine geradezu fantastische Phase. Der MSCI World Index ist seit vielen Jahren die Benchmark, mit der sich alle globalen Aktienstrategien messen müssen, wenn nicht offiziell, dann zumindest am Stammtisch. Das globale Börsenbarometer hat die letzten Jahrzehnte hervorragend funktioniert und für Investoren eine historisch überdurchschnittliche Wertenwicklung verzeichnet.

Getrieben wurde der Index jüngst von einzelnen bereits außerordentlich beliebten und entsprechend hochbewerteten US-Wachstumsaktien. Besonders jüngere Anleger haben in den letzten Börsenjahren gute Erfahrungen mit ETF-Investments auf den Weltindex gemacht. Günstige Kosten und eine einfache Verfügbarkeit bei Neobroker-Apps sorgten dafür, dass die Depots der jungen Generation teilweise ausschließlich aus Index-Trackern und Einzeltiteln bestehen, in denen ein MSCI-World-ETF häufig das Kerninvestment darstellt.

 

Obwohl es sich beim MSCI World per Definition um einen globalen Aktienindex handelt, führt er im Depot nicht wirklich zu einer weltweit diversifizierten Aktienauswahl. Derzeit weist er ein beachtliches US-Gewicht von mehr als 70 Prozent auf. Das macht ihn vor allem abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung der USA, allen voran von amerikanischen Technologie- und Wachstumstiteln.

Vergleichbare aktive Strategien grenzen sich gegenüber den nach Marktkapitalisierung strukturierten MSCI-World-ETFs meist dadurch ab, dass sie ausgewogener und flexibler zusammengesetzt sind und dezidierte und replizierbare Aktien-Selektionsprozesse haben. Doch lohnt es sich angesichts der dominanten Performance des MSCI World, mit der die Mehrheit der aktiven Manager nicht mithalten konnte, überhaupt in teurere Fonds mit einer aufwendigen Portfoliozusammensetzung und einer aktiven Titelselektion zu investieren?

Die Antwort auf diese Frage hängt stark vom gewählten Produkt ab. Deshalb haben wir jeweils zwei weltweit anlegende ETFs mit aktiven globalen Aktienfonds verglichen.

Lesen auf den Folgeseiten in der Analyse:

  • iShares Core MSCI World ETF
  • iShares MSCI World SRI ETF
  • Terrassisi Aktien I AMI
  • JPM Global Select Equity

Die passiven Fonds: Zunehmend konzentrierte Kern-ETFs

Passiv Nummer 1: iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983)

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Der iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) ist mit einem Volumen von 74 Milliarden Euro nicht nur einer der größten in Deutschland handelbaren ETFs. Er ist auch eines der bei Neobrokern am meisten nachgefragten Produkte. Zur Beliebtheit des 2009 aufgelegten ETFs dürfte auch seine geringe Kostenquote (TER) von 0,20 Prozent per annum beigetragen haben. Aus Effizienzgründen optimiert der Anbieter iShares das ETF-Portfolio. Dadurch fällt es gegenüber dem 1.500 Einzelpositionen umfassenden Ursprungsindex rund 50 Titel kleiner aus. Über zehn Jahre und kürzer führte das sogar zu einer höheren Performance im Vergleich zum Index.

Der ETF setzt sich zu 97 Prozent aus Standardwerten aus 23 Industrienationen zusammen. Mittelgroß kapitalisierte Aktien machen den Rest des Portfolios aus. Schwellenländer- und Nebenwerte-Titel fehlen hingegen gänzlich. Weil es bei der Indexkomposition keine Beschränkung für das Maximalgewicht einzelner Länder gibt, hat in den vergangenen Jahren der Anteil der US-amerikanischen Titel stetig zugenommen. Er erreicht mittlerweile ein stattliches Gewicht von 72 Prozent – was alle anderen Länderpositionen in den Schatten stellt. So kommt Japan, die zweitgrößte Nation im ETF, nur auf 6 Prozent. Damit ist dieser globale Index laut MSCI selbst so konzentriert wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr.

Die zehn größten Positionen mit Microsoft, Apple und Nvidia an der Spitze machen aktuell circa 24,5 Prozent des Portfolios aus. Aus Branchensicht dominiert der IT-Sektor mit einem Anteil von rund einem Viertel das Portfolio, gefolgt von Finanztiteln mit 15 Prozent.

Die Wertentwicklung gegenüber der Vergleichskategorie „Aktien weltweit Standardwerte Blend“ kann sich über verschiedenste Zeiträume sehen lassen. Über die vergangenen drei Jahre erzielte der ETF ein Plus von 11 Prozent p. a. Dagegen kam Kategorie nur auf 7 Prozent p. a. Mit einer Rendite von 15 Prozent hat der ETF im laufenden Jahr sein historisches Soll sozusagen bereits erfüllt und die Vergleichskategorie (+12 Prozent) erneut übertroffen. Die hohe Konzentration einiger Positionen im ETF hat sich zumindest in den letzten Jahren im relativen Vergleich nicht nachteilig auf die Volatilität ausgewirkt, die mit 14 Prozent beim ETF etwas niedriger als die 16 Prozent der Vergleichskategorie ausfällt.

Mit dem ETF werden die meisten Anleger über weite Zeiträume glücklich sein. Doch sein Erfolg fußte besonders auf der starken Entwicklung des Technologiesektors. Dieser hat in den letzten drei Jahren mit fast 43,5 Prozent zur gesamten Performance beigetragen. Auf Einzeltitelebene wird diese Abhängigkeit noch deutlicher, da fast ein Drittel der Wertentwicklung von Nvidia, Microsoft und Apple generiert wurde.

Passiv Nummer 2:  iShares MSCI World SRI ETF (IE00BYX2JD69)

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Wer als Investor Wert auf Nachhaltigkeit legt, für den ist der iShares MSCI World SRI ETF (IE00BYX2JD69) einer der wenigen ETFs, die über eine aussagekräftige Historie verfügen. Zwar gibt es Indizes mit unterschiedlich restriktiven Nachhaltigkeitsansprüchen. Aufgrund einer Konsolidierung der Produktpalette der Häuser Amundi und Lyxor fehlt es den einzigen streng nachhaltigen Produkten jedoch an langfristigen Daten zur Detailanalyse. Dennoch darf der Nachhaltigkeitsansatz des SRI-ETFs aus dem Hause iShares ernst genommen werden. Doch dazu später mehr.

Der ETF basiert auf dem MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuels Index. Dessen Track-Record beginnt im Oktober 2017. Derzeit haben Anleger mehr als neun Milliarden Euro in den ETF gesteckt. Obwohl er nachhaltig ausgerichtet ist, verlangt iShares die gleichen 0,20 Prozent p. a. (TER), die Anleger auch vom nicht ESG-konformen iShares Core MSCI World ETF gewohnt sind. Aufgrund des kleineren Aktienuniversums, repliziert der ETF den zugrundeliegenden Index vollständig physisch.

Aus dem übergeordneten MSCI World Index werden Unternehmen für den SRI-Index mittels verschiedener Kriterien aussortiert. Neben gängigen Ausschlusskriterien, wie Umsatz aus kontroversen Waffen oder fossiler Energiegewinnung, wird das Aktienuniversum auch nach ESG-Bewertungen gefiltert. Die Gewichtungen kommen dann wie gewohnt auf Basis der Marktkapitalisierung zustande. Dabei wird sichergestellt, dass mindestens 25 Prozent jedes Sektors des MSCI World auch im SRI-ETF abgebildet werden. Dies beschert dem ETF jedoch eine ähnliche und teilweise sogar noch stärkere Konzentration in einigen wenigen Länder, Branchen und Tech-Titeln.

Das Portfolio des Indexfonds ist mit 69 Prozent mehrheitlich in den USA investiert, gefolgt von Japan mit einem Gewicht von rund 7 Prozent. Die zehn größten Positionen machen 32 Prozent des rund 400 Titel umfassenden Portfolios aus, wobei Microsoft und Nvidia mit jeweils rund 8 Prozent die zwei größten Positionen darstellen. Eigentlich werden beim quartalsmäßigen Rebalancing Titel mit maximal 4,5 Prozent gewichtet. Ziel dabei ist, dass kein Titel über die 5-Prozent-Grenze hinauswächst. Durch die starke relative Wertentwicklung der beiden Titel hielt diese Vorgabe zuletzt aber nicht stand. Die beiden Tech-Aktien sind angesichts des Anteils an IT-Unternehmen im ETF von 27 Prozent mehr als nur die Spitze des Eisbergs. Die nächstgrößte Branche – Finanzen – entspricht 15 Prozent des Portfolios.

In Sachen Performance kann sich der SRI-ETF über den Zeitraum von drei Jahren mit +9 Prozent zwar vor die Vergleichsgruppe der globalen Aktienfonds setzen. Diese erreichte ein Plus von 7 Prozent. Er überholt jedoch nicht die Standard-Variante des MSCI World (zur Erinnerung: Der iShares Core MSCI World erzielte 11 Prozent). Dabei war die Volatilität mit 16 Prozent auf dem Niveau der Vergleichsgruppe, was in Summe in einem attraktiveren Rendite-Risiko-Profil resultierte. Im laufenden Jahr konnte sich der ETF mit 9 Prozent trotz seiner für die Performance eigentlich vorteilhaften Aufstellung nicht gegen die Vergleichsgruppe mit 12 Prozent behaupten.

Das höhere Risiko, das der SRI-ETF im Vergleich zum MSCI World Index eingeht, hat sich in den vergangenen drei Jahren nicht in einer besseren Wertentwicklung niedergeschlagen. Die Abhängigkeit von einzelnen Sektoren und wenigen Titeln ist in diesem ETF letztendlich noch deutlicher ausgeprägt. Im selben Zeitraum waren zum Beispiel der IT- und der Gesundheitssektor für fast 60 Prozent der Wertentwicklung verantwortlich.

Auf Einzeltitelebene trugen Nvidia, Microsoft und Novo Nordisk knapp 40 Prozent zur Performance bei. Den Fokus auf Nachhaltigkeit mussten Anleger somit mit einer leicht niedrigeren Rendite bei gleichem Risiko bezahlen. Mit diesen Kritikpunkten lässt sich vorzüglich auf hohem Niveau jammern, denn die Vergleichsgruppe wurde bis 2024 stets übertroffen. Die strukturell höheren Risiken, die bereits der nicht nachhaltige ETF an den Tag legt, sind bei diesem Produkt jedoch noch ausgewachsener. Die Betrachtung der historischen Performance und Volatilität ist angesichts der sich nur sehr langsam anpassenden Portfoliostruktur ein Risiko. Dessen sollten sich Anleger bewusst sein.

Die aktiven Fonds: Ressourcenstarker Prozess und replizierbare Leistung

Aktiv Nummer 1: Terrassisi Aktien I AMI (DE0009847343)

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Die Anlagestrategie des globalen Standardwerte-Fonds Terrassisi Aktien I AMI (DE0009847343) (Eigenschreibweise: terrAssisi Aktien I AMI) ist untrennbar mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden. Denn der Fonds wurde im Jahr 2002, weit vor dem Aufkommen des jüngsten Nachhaltigkeitstrends, ins Leben gerufen. Er soll bei attraktiven Renditen die Finanzierung von Hilfsprojekten der Missionszentrale des Franziskanerordens ermöglichen.

Auch Privatanleger können an diesem Ansatz teilhaben. Sie erhalten ein Aktieninvestment, das sich vor den globalen Benchmarks nicht zu verstecken braucht, aber deutlich ausgewogener aufgestellt ist. Mittlerweile managt die Strategie ein Volumen von knapp 1,3 Milliarden Euro. Der Fonds weist außerdem eine für einen aktiven Fonds recht günstige Kostenquote (TER) von 1,36 Prozent auf.

Das überdurchschnittlich nachhaltige Fondsportfolio hat einen leichten Hang zum Wachstumsstil und umfasst rund 80 Titel mit derzeit bis zu 4 Prozent Portfolioanteil. Bei den Einzeltitelgewichten orientiert sich der Fonds – ähnlich wie viele ETFs – an der Marktkapitalisierung. Aktuell sind etwa 92 Prozent der Titel großkapitalisierte Firmen. Von einfacheren passiven Vehikeln unterscheidet sich der Fonds nicht nur durch seinen strengen Nachhaltigkeitsansatz, sondern auch durch seine Einzeltitelauswahl mit Fokus auf Dividenden, das Wachstum von Unternehmensgewinnen und die Volatilität.

Mit dieser Aufgabe ist seit Mai 2009 der Fondsmanager Sebastian Riefe von der Gesellschaft Ampega Investment betraut. Riefe unterliegt bei seiner Arbeit weder einer Benchmark, an der er sein Portfolio ausrichten muss, noch muss er bestimmte Quoten einhalten. Riefe arbeitet aber mit einem rund 400 Unternehmen umfassenden Universum, das von der Rating-Agentur ISS-ESG bereits gemäß einem Best-in-Class-Ansatz zu ökologischen, sozialen und unternehmerisch-nachhaltigen Belangen vorgefiltert wurde. Anschließend werden harte Ausschlusskriterien angewandt.

Dem gängigen Problem, dass nachhaltige Ausschlusskriterien das Aktienuniversum verkleinern und dadurch zu einer geringeren Rendite führen können, widersetzt sich dieser Fonds vehement. Auch, dass sich die Branchenaufteilung dadurch übermäßig in Richtung Growth-Titel verschiebt, lässt sich beim Blick ins Portfolio nicht bestätigen. Vor allem sind Industriewerte mit 24 Prozent und Finanztitel mit 22 Prozent präsent vertreten. Gegenüber dem MSCI-SRI-Index sind sie übergewichtet, was unter anderem am Fokus auf Dividenden und Bewertungen liegt. Erst an dritter Stelle folgt der IT-Sektor mit 19 Prozent.

Mit Blick auf die regionale Verteilung ist die USA mit etwas mehr als der Hälfte des Portfolios gegenüber dem Index knapp untergewichtet. Dafür stellen aber Frankreich mit 11 Prozent und Deutschland mit 6 Prozent Übergewichte dar. Die größten zehn Positionen machen circa 27 Prozent des Portfolios aus, was ein Indiz für eine hohe Diversifikation ist. Zu den größten Positionen zählen derzeit Nvidia, Eli Lilly und Abbott Laboratories.

Der Fonds erzielte bislang sehr gute Ergebnisse. Er übertraf mit Überrenditen zwischen 2 Prozent bis 3 Prozent p. a. seine Vergleichskategorie („Aktien weltweit Standardwerte Blend“) über alle relevanten Zeiträume. Lediglich seit Jahresstart liegt der Fonds aktuell 0,5 Prozentpunkte hinter der Kategorie.

Noch spannender ist der Vergleich zum noch recht jungen nachhaltigen Index. Über fünf Jahre liegt die Performance des aktiven Fonds mit 12,9 Prozent p. a. beinahe gleichauf mit dem passiven Indexinvestment, das 13 Prozent p. a. erzielte. Über den Zeitraum von drei Jahren schlug der Terrassisi-Fonds den Index jedoch annualisiert mit knapp 10 Prozent gegenüber 9 Prozent. Auch im laufenden Jahr, sowie über ein Jahr wusste der Terrassisi Aktien zu überzeugen. Mit der Ausnahme von 2020 und 2023 schlug der Fonds den Index zudem seit Auflage in jedem Kalenderjahr, was für die Kontinuität des Managements spricht. Nur zwei Mal übertraf der nachhaltige Index – vor allem durch ein Investment in Tesla – den aktiven Fonds, aber auch beinahe alles annäherungsweise Vergleichbare am Markt. In Phasen hoher Inflation und steigender Zinsen, wie 2022, hatte der Fonds entschlossen die Oberhand.

Untersucht man den Ursprung der häufigen Mehrrendite des Fonds, zeigt sich, dass Fondsmanager Riefe sie gleichermaßen durch eine erfolgreiche Sektor- als auch Einzeltitelauswahl erzielte. Anleger mussten die Outperformance somit nicht mit einer noch risikoreicheren Portfoliostruktur als bei den ETFs bezahlen. Im Gegenteil, sie erhalten deutlich abweichende Investments. Dabei erfüllt der Fonds nicht nur Nachhaltigkeitsansprüche, sondern punktet auch mit geringen Schwankungen, einer hervorragenden Wertentwicklung und niedrigeren Kosten.

Aktiv Nummer 2: JPM Global Select Equity (LU0157178582)

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Mit dem JPM Global Select Equity (LU0157178582) setzt sich der traditionsreiche amerikanische Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management (JPMAM) schon seit 1981 das anspruchsvolle Ziel, Anlegern ein überlegenes Investment in den Weltaktienmarkt zu bieten. Dabei wollen die Amerikaner Stilneutralität wahren. Das heißt, weder dauerhaft in Richtung Growth noch Value abdriften und durch einen aufwendigen fundamentalen Analyseprozess Unternehmen finden, die ein überzeugendes langfristiges Gewinnwachstum erwarten lassen.

Um des rund 2.500 Titel großen Aktienuniversums Herr zu werden, unterhält J.P. Morgan im Bereich globale Aktien ein Team von mehr als 80 Analysten. Es wurde 2017 komplett neu aufgestellt. Diese Manpower wird durch eine hauseigene Investmentsoftware ergänzt, die die Analysten und Fondsmanager beispielsweise mit Research-Daten unterstützt. Die Plattform kondensiert unter anderem mit Hilfe Künstlicher Intelligenz eine Fülle an unstrukturierten Daten – von brandneuen Unternehmensergebnissen bis hin zu rund 30 Jahre alten historischen Zahlen – in konkrete Research-Memos.

Doch das ist selbstverständlich nur der Anfang des Prozesses. Die Analysten prüfen die Unternehmensqualität, Wettbewerbsposition, ESG-Daten und als besonderen Fokuspunkt eben auch das Gewinnwachstum der Firmen. Das Team ordnet die analysierten Unternehmen nach ihrer Attraktivität in Quintile ein.

Hier kommen Christian Pecher und Helge Skibeli, CIO für Internationale Aktien bei JPMAM, ins Spiel. Sie sind als Portfoliomanager seit rund fünf Jahren für die Strategie und die darin verwalteten Anlegergelder in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro verantwortlich. Anhand der Vorarbeit der Analysten und deren Kategorisierung bestimmen sie das jeweilige Portfoliogewicht. Während dieses regelmäßigen Prozesses selektieren Pecher und Skibeli die besten Ideen und passen das Portfolio an.

Insgesamt umfasst das Portfolio 70 bis 100 Titel, mit maximal 3 Prozent Gewicht. Auf Branchenebene wird den Managern eine Abweichung von 3 Prozent auf Sektor- sowie 15 Prozent auf Länderebene zum MSCI World Index zugestanden.

Das Vorgehen kann zunächst einen recht starren Eindruck machen, ist aber tatsächlich ein disziplinierter und transparenter Bewertungsprozess. Er dient den Fondsmanagern als Entscheidungsgrundlage und lässt durchaus Spielraum für Flexibilität. So nutzt das Duo immer wieder Chancen, zum Beispiel bei nicht effizienten Märkten. Im Jahr 2020 allokierte es trotz der Vorgabe der Stilneutralität verstärkt zyklischere Titel. Aufgrund von Chancen im Technologiebereich wanderte die Portfolio-Ausrichtung 2022 dann in Richtung Growth-Segment.

Aktuell sind die Sektoren Technologie und Finanztitel zu je rund +3 Prozentpunkten übergewichtet. Die Pharmabranche ist hingegen -2 Prozentpunkte untergewichtet und auch zyklische Industrietitel sind um rund -2 Prozentpunkten zur Benchmark reduziert. Auf Länderebene stellen die USA und Japan Untergewichte dar (circa -1 und -4 Prozentpunkte). Dafür erhalten Europa und die Schwellenländer um +1,5 beziehungsweise rund +6 Prozentpunkte erhöhte Allokationen. Zu 92 Prozent setzt sich das Portfolio aus großkapitalisierten Unternehmen zusammen. Die zehn größten Positionen machen stattliche 40 Prozent des Portfolios aus, können sich aber im Zeitverlauf deutlich ändern.

Unter den größten Titeln finden sich Microsoft, Nvidia und Amazon, jedoch keine Tesla- oder Alphabet-Aktien. Vergleicht man die Kennzahlen zum MSCI World, so ergibt sich sowohl ein ähnliches durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis als auch ein freier Cash-Flow in ähnlicher Höhe, jedoch ein signifikant höheres langfristig erwartetes Gewinnwachstum.

Über alle relevanten Zeiträume konnte der Fonds nicht nur die Vergleichskategorie übertreffen, sondern auch den MSCI World Index. Dabei ist die Überrendite pro Jahr zwischen 0,7 und knapp 5 Prozentpunkten nach Kosten abhängig vom betrachteten Zeitraum. Seine Performance generierte der Fonds sowohl über Value- als auch Growth-Phasen hinweg. Im schwierigen Börsenjahr 2022 verbuchte der Fonds zudem mit -10,5 Prozent einen niedrigeren maximalen Verlust als die Benchmark mit -13 Prozent. Lediglich 2019 lag der Fonds leicht hinter dem Vergleichsindex.

Die Mehrrendite entsteht vorrangig aus der Aktienselektion, während die Sektoraufteilung kaum eine Rolle spielte. Dieses Ergebnis beeindruckt vor allem angesichts der nur geringen Abweichungen zum Vergleichsindex. Der Active Share, der den Anteil dieser Abweichung vom Index darstellt, liegt nur bei rund 70 Prozent. Somit würde er von manchem ETF-Anhänger schon als „Index-Schmuser“ abgestempelt werden. Tatsächlich bietet der Fonds aber nur wenig Angriffsfläche.

Dass 35 Prozent der Wertentwicklung in den letzten drei Jahren allein von Nvidia, Microsoft und Apple stammten, wirft einerseits die Frage nach der künftigen Wiederholbarkeit der (Out-)Performance auf. Genau diese Aktien bewahrheiteten sich andererseits als ein Must-Have-Investment, sofern man nicht erheblich Performance verpassen wollte. Dass gewissenhaftes Research zu dieser Aktienauswahl führt, anstatt die Marktkapitalisierung, nimmt auch hohen Gewichtungen den Schrecken.

Der Fonds bietet zudem den entscheidenden Vorteil, dass im Anlageprozess schnell und konsequent auf Umbrüche am Aktienmarkt reagiert werden kann. 

Fazit: Teilhaben oder investieren?

Alle der vorgestellten Produkte, egal ob passiv oder aktiv, waren lukrative Anlagen. Wer nur auf die Kosten und die bisherige Performance schaut, ist auch mit den passiven Produkten gut bedient.

Sowohl der JPM Global Select Equity als auch der Terrassisi Aktien haben gezeigt, dass durch eine fundierte Einzeltitelauswahl über diverse Zeiträume eine bessere Performance als die der beiden Indexfonds erzielt werden kann – und das trotz Managementgebühren und Beratervergütung.

Das gelang den aktiven Strategien mit geringeren Schwankungen und einem Fokus auf die Unternehmensqualität sowie die Bewertungen, was die Strategien in turbulenten Märkten und Abwärtsphasen stabilisierte. Exemplarisch ist hier das Kalenderjahr 2022 zu nennen, in dem fast alle Asset-Klassen verloren und die beiden aktiven Fonds besser als ihre passiven Pendants abschnitten.

 

Auch in Zukunft dürften die Fonds in Börsen- und Wirtschaftsphasen, die von raschen Umbrüchen geprägt sind, besser abschneiden. Ein Faktor der angesichts diverser struktureller Herausforderungen relevanter sein könnte, als viele Investoren glauben.

Speziell die hohe Konzentration von Nvidia und Microsoft bei allen vorgestellten Produkten sollte zur Vorsicht mahnen. Die aktiven Fonds entziehen sich diesem Trend nicht, gehen jedoch nicht bis in das Extrem der Gewichtungen mit. Die aktiven Produkte werden der Kategorie „Globale Aktienfonds“ mit einer deutlich ausgewogeneren Länderverteilung gerecht, während der US-Anteil bei den ETFs an der 70-Prozent-Marke kratzt oder diese teilweise bereits überschritten hat.

Die Indexfonds sind zuweilen langsame und unflexible Vehikel, die sich träge an neue Gegebenheiten anpassen. Drei Monate mögen ein überschaubarer Zeitraum sein, doch alleine Nvidia legte in dieser Zeitspanne zuletzt knapp eine Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung zu. Die Flexibilität der aktiven Fonds sollten Anleger als Erfolgsfaktor somit nicht unterschätzen.

Gerade im Hinblick auf die geopolitischen Risiken, das Wechselspiel zwischen Investmentstilen, zinspolitischen Umbrüchen und den schwer zu kontrollierenden Schulden und Inflationsraten, müssen sich Anleger fragen, ob sie eng am Markt teilhaben wollen, oder bewusste und aktive Investmententscheidungen bevorzugen. Die hier vorgestellten aktiven Fonds boten bislang die Möglichkeit, sich ohne zusätzliches Risiko oder übermäßige Marktabweichungen an proaktiven zukunftsgerichteten Entscheidungen zu beteiligen.

Wer eher Investor als Trendfolger sein möchte, der könnte angesichts der hohen Qualität der aktiven Fonds auch in Zukunft mit Ergebnissen belohnt werden, die die Alles-Benchmark MSCI World gekonnt übertreffen.

Julius Schneider
© Fonds Finanz

Über den Autor:

Julius Schneider ist Markt- und Produktanalyst im Bereich Portfoliomanagement und Analyse bei der Fonds Finanz Maklerservice GmbH. Das Team des Münchner Maklerpools selektiert Fonds für die hauseigene Empfehlungsliste und Vermögensverwaltung Comfortinvest. 

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