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Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in US-Value-Aktien?
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Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF – wer investiert besser in US-Value-Aktien?

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Die aktiven Fonds: Value-Freunde mit gewissen Vorzügen

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

S4A US Long

Der S4A US Long (DE000A1H6HH3) des Frankfurter Vermögensverwalters Source For Alpha überzeugt gleich auf den ersten Blick mit seiner Performance. Doch dazu später mehr. Der Fonds verfolgt einen quantitativen Ansatz, um circa 100 Aktien aus dem 500 Aktien umfassenden Universum des S&P 500 Index auszuwählen.

Der Auswahlprozess basiert auf der empirischen Kapitalmarktforschung. Er versucht die typischen Fallen des Value-Investings zu umschiffen. Zunächst werden nach einer Reihe von Bewertungskennzahlen niedrig bewertete Aktien vorselektiert. Anschließend werden die Aktien mit Insolvenzrisiken, geringem sechsmonatigem Momentum und dem höchsten Risiko, gemessen an der historischen Volatilität, aussortiert. Wie attraktiv ein Titel ist, wird an den Risikoprämien festgemacht und entscheidet über die Gewichtung. Zudem wird der Fonds optimiert, um Faktor- und Klumpenrisiken zu vermeiden.

Der besondere Kniff des Fonds? In Krisen- beziehungsweise Crash-Situationen bauen die Manager das Portfolio kurzfristig um. Im Mittelpunkt stehen dann nicht die üblicherweise allokierten günstig bewerteten und soliden Substanzaktien, sondern vielmehr „Loser-Aktien“, die die Fondsmanager normalerweise meiden. Nach einem Abverkauf oder Aktien-Crash, so die empirische Kapitalmarktforschung, zeigten diese Verlierer-Aktien in der Folge außerordentliche Kursgewinne.

Dieser Umstand ist auch intuitiv nachvollziehbar. In Krisensituation verlieren riskante Titel überproportional, da die Anleger in Stresssituationen Risiken abbauen. In die Aktienkurse anfälliger Unternehmen wird zu diesem Zeitpunkt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das schlechtestmögliche Szenario eingepreist. Beruhigt sich die Situation wieder, weil etwa Notenbanken oder Staaten stützend eingreifen, werden viele Gefahren wieder ausgepreist und die Risikoprämien verschwinden, sprich die Kurse steigen deutlich. Da vorher niemand abschätzen kann, wie lange eine Krise andauert, baut das Fondsmanagement die Positionen sukzessive auf. Es verkauft die Verlierer-Aktien wieder, sobald die zusätzlichen Risikoprämien nicht mehr erkennbar sind.

 

Die Portfolioausrichtung nach Sektoren und hinsichtlich der Marktkapitalisierung ist das Ergebnis des quantitativ getriebenen Anlageprozesses. Das Portfolio zeigt ein Übergewicht in eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum-, Versorger- oder Telekommunikationsaktien. Bei den Sektoren Finanz-, Grundstoff- und Immobilienaktien neigen Anleger tendenziell dazu, die zyklische Natur des Geschäftsmodells zu unterschätzen und die Attraktivität niedriger Bewertung zu überschätzen. Solche sogenannten „Value-Fallen“ will der Fonds vermeiden – was sich in einer Untergewichtung dieser Segmente im Vergleich zur Vergleichskategorie für US-Value-Standardwerte ausdrückt. Mittelgroße Aktien, bei denen das quantitative Modell von Source For Alpha offenbar höhere Risikoprämien erkennt, sind hingegen deutlich übergewichtet. 

Dass die Kombination aus einem Value-Ansatz, der während „normaler“ Börsenphasen explizit Verlierer-Aktien vermeidet, in Krisen diese „Loser-Aktien“ aber gezielt einsetzt, funktioniert hat, zeigt sich an der Performance des Fonds. Seit Auflage im Mai 2011 liegt er mit plus 442 Prozent deutlich vor der Vergleichskategorie, die plus 291 Prozent erzielte. Allerdings sollten Anleger bedenken, dass die Rendite der Strategie ohne das Jahr 2020 nicht ganz so spektakulär ausgefallen wäre.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Fidelity America

Der Fidelity America (LU0251127410) ist einer der ältesten hierzulande erhältlichen US-Value-Aktienfonds mit einer Kurshistorie von bald 34 Jahren. Er ist auch der älteste Fonds dieses Vergleichs. Mit seinem Volumen von drei Milliarden Euro schafft er es zudem unter die Top drei größten Anlagevehikel seiner Art.

Der Fonds aus dem Hause Fidelity International wird vom Manager-Duo Rosanna Burcheri und Ashish Bhardwaj gesteuert, das in dieser Zusammensetzung erst seit 2021 das Portfolio verantwortet. Wobei es den beiden nicht an Erfahrung mangelt: Burcheri arbeitet seit 24 und Ashish seit neun Jahren als Portfoliomanager. Das Duo kann auf umfangreiche Ressourcen eines der größten Fondshäuser weltweit zurückgreifen, was für die fundamental geprägte Auswahl von unterbewerteten Aktien zentral ist.

Ziel des Fonds ist es, in große US-Unternehmen zu investieren, die über eine starke Marktposition verfügen, aber derzeit vor Herausforderungen stehen, weshalb der Markt ihr langfristiges Potenzial unterschätzt. Es kann sich dabei um unterbewertete Vermögenswerte oder um unterbewertete Ertragskraft, zum Beispiel operative Cashflows, handeln. Zudem sucht das Fondsmanagement nach Value-Unternehmen, die von langfristigen Trends wie dem demografischen Wandel oder dem Infrastrukturausbau profitieren.

Der Fidelity America richtet sich dafür auch nachhaltig gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung aus, flankiert von ESG-Zielen und einem Engagement-Ansatz. Sowohl die Einbeziehung von langfristigen Trends als auch die Nachhaltigkeitsausrichtung wurden erst mit dem neuen Fondsmanagement eingeführt.

Dieser verfeinerte Value-Ansatz schlägt sich im Portfolio durch Bewertungskennzahlen nieder, die nun ähnlich hoch wie die der Kategorie sowie der Index-Benchmark ausfallen. Neben Aktien wie Intel, das ein Beispiel für Unternehmen mit deutlichem Verbesserungspotenzial darstellt, befinden sich auch moderat bewertete Wachstumsunternehmen wie Alphabet oder Qualcomm im Portfolio.

Mit etwa 50 Aktienpositionen und Top-Zehn-Aktien, die einen Anteil von 38 Prozent auf sich vereinen, fällt das Portfolio konzentriert aus. Der dominanteste Sektor ist das Industriegewerbe mit 19 Prozent, gefolgt von defensiven Konsumgütern und Telekommunikation. Alle drei Branchen sind gegenüber der Vergleichskategorie deutlich übergewichtet. Auffallend ist das ebenfalls hohe Gewicht an mittelgroßen Werten.

Seit das Manager-Duo den Fonds im Juli 2021 übernommen hat, liegt er mit 30 Prozent knapp vor der Vergleichskategorie (27 Prozent). Obwohl dieser Zeitraum zu kurz ist, um wirklich aussagekräftig zu sein, bringt der Fonds mit dem erfahrenen Management inklusive seiner weitläufigen Ressourcen sowie dem verfeinerten und stringenten Investmentprozess die Zutaten mit, um langfristig im Value-Segment überzeugen zu können.    

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