Robert Beer

Robert Beer

Aktives Management oder passive Indexfonds: Fondsmanager Robert Beer im Gespräch

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Beer managt den Aktienfonds Lux Topic Aktien Europa (WKN: 257546), der sein Vergleichsindex seit Jahresbeginn um knapp 5 Prozent geschlagen hat. Im Krisenjahr 2008 lag der Fonds zwar im Minus, hat jedoch eine Outperformance von rund 16 Prozent gegenüber dem Index erzielt. DAS INVESTMENT.com: Die ETF-Industrie boomt. Vielen Anleger sind die Gebühren für aktive Fondsmanager zu hoch und steigen auf ETFs um. Zu Recht? Robert Beer: ETFs sind in der Tat eine kostengünstige Alternative zu aktiv gemanagten Fonds. Schließlich schaffen es auf Zehn-Jahres-Sicht nur 10 Prozent der aktiven Manager, den Vergleichsindex zu schlagen. Allerdings haben ETFs einen großen Nachteil: Fallende Märkte werden ebenso abgebildet wie steigende. DAS INVESTMENT.com: Die jährliche Gesamtkostenquote (TER) ihre Fonds beträgt 2,16 Prozent. Womit rechtfertigen Sie diese Mehrkosten gegenüber einem ETF? Beer: Mit einer Outperformance von durchschnittlich 3 bis 4 Prozent jährlich.

DAS INVESTMENT.com: Das klingt nicht besonders viel. Beer: Im Laufe der Jahre summiert sich das. So haben wir in den letzten sechs Jahren seit der Fondsauflage den Vergleichsindex Euro Stoxx 50 nach Kosten um rund 50 Prozent geschlagen. DAS INVESTMENT.com: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Beer: Aktive Aktienauswahl und aktives Risikomanagement. Bei der Aktienauswahl verzichten wir auf die Fundamentalanalyse und das „Stockpicking“. Unser Portfolio wird mit Hilfe eines technischen Selektionsmodells zusammengestellt, das aus den 50 Euro Stoxx Unternehmen die 35 attraktivsten Titel auswählt. Die entscheidende Rolle spielt für uns dabei die Dynamik der Einzelwerte. DAS INVESTMENT.com: Was bedeutet das? Beer: Wir gehen davon aus, dass alle entscheidenden Informationen über ein Unternehmen in seinen Aktienkursen bereits enthalten sind. Wir analysieren Kurschwankungen einzelner Aktien über längere Zeiträume hinweg. Werte mit einer positiven Kursdynamik kommen ins Depot beziehungsweise werden übergewichtet; schwache Werte werden untergewichtet beziehungsweise aus dem Depot genommen. Außerdem wird fortlaufend eine Hitliste für die Aktien entsprechend ihrer Dynamik erstellt. DAS INVESTMENT.com: Und wie sieht Ihr Risikomanagementansatz aus? Beer: Wir wollen das Risiko unvorhersehbarer Markteinbrüche reduzieren – aber mit einem vertretbaren Prämieneinsatz. Die normalen Versicherungen sind uns daher zu teuer. Wir setzen lieber auf Optionsstrategien, die ein besseres Kosten-Ertrags-Verhältnis bieten.  Optionsstrategien sind Anlagestrategien mit derivativen Finanzinstrumenten, die zur Absicherung eines im Portfolio gehaltenen Basiswerts dienen. Der Schwerpunkt unseres Risikomanagements ist der Kauf von Put- und der Verkauf von Call-Optionen. DAS INVESTMENT.com: Wie wird sich der europäische Aktienmarkt Ihrer Meinung nach weiter entwickeln? Beer: Nach den Schwankungen in den nächsten Monaten rechne ich damit, dass die Aktienkurse Ende des Jahres wieder anziehen werden. Ende kommenden Jahres dürften die Anleger – vor allem institutionelle Investoren – wieder verstärkt auf die Aktienmärkte zurückkehren.

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