Solaranlage vor Stromtrasse Foto: RainerSturm / pixelio.de

Nachhaltigkeit in der Finanzbranche

Aktuare warnen vor Anlageblase bei Green Investments

„In Folge des Klimawandels werden die finanziellen Risiken für die Erst- und Rückversicherer deutlich steigen“, erwartet Guido Bader, ehemaliger Präsident der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Zum Abschluss der diesjährigen DAV-Jahrestagung stellte er seine Prognose vor, dass in den kommen­den Jahrzehnten auch hierzulande mehr Unwetterschäden entstehen werden. Als konkrete Beispiele nennt er Herbststürme, die häufiger und schwerer auftreten dürften, sowie Hagel und Starkregen, die mit zunehmender Überschwemmungs­gefahr verbunden seien.

Auf diese klimatischen Prozesse reagierten die im DAV zusammengeschlossenen Versicherungsmathematiker: Sie betrachten die Naturgefahren Sturm, Hagel und Überschwemmung beziehungs­weise Starkregen in ihren Modellen nicht mehr getrennt, sondern auch spartenübergreifend als Risikofaktoren. „Diese sogenannten Kumulrisiken können langfristig dazu führen, dass die derzeit überschaubaren Hochrisikoregionen in ihrer Größe und Anzahl zunehmen und die Frage ihrer privatwirtschaftlichen Versicherbarkeit stärker in den Mittelpunkt rückt.“ 

Prävention höheren Stellenwert einräumen

Vor diesem Hintergrund appelliert das Vorstandsmitglied des Versicherers Stuttgarter an die deutsche Politik, der Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen. So sollten zum Beispiel keine Neubaugebiete mehr ausgewiesen werden, die nachweislich besonders hochwassergefährdet sind. „Leider ist dies in den vergangenen Jahren noch viel zu häufig geschehen, sodass es zum Beispiel 2002 und 2013 durch Hochwasser von Elbe und Donau erhebliche – teils vermeidbare – Versicherungsschäden gegeben hat“, stellt Bader fest.

Um derartige Risiken zu bewerten, gibt es bei Erst- und Rückversicherern seit Jahren immer häufiger gemischte Teams aus Aktuaren, Physikern und Experten anderer Fachrichtungen. Sie entwickeln gemeinsam neue Modelle, indem sie unter anderem aktuarielle Modelle mit Data-Science-, KI-Anwendungen und Klima-Projektionen verknüpfen. „Durch diese modernen Methoden lassen sich Risiken noch genauer analysieren und kalkulieren. Dadurch besteht die Möglichkeit, Schadenschwerpunkte, Schadenmuster und -entwicklungstendenzen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu initiieren“, erklärt Bader.

Blasen bei Green Investments verhindern

Der Klimawandel stelle die Versicherer aber auch bei der Kapitalanlage vor große Herausforderungen: „Als wichtige Langfristinvestoren können und werden die Versicherer die nachhaltige Transformation aktiv unterstützen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen verbessert werden“, so Bader. Einer immer größer werdenden Nachfrage stehe ein bisher noch zu beschränktes Angebot an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten gegenüber. 

„Der erste deutsche Green Bond war trotz Negativzinssatz mehrfach überzeichnet. Und bei renditestärkeren nachhaltigen Infrastruktur- oder Energieprojekten sieht es nicht besser aus. Auch dort gibt es einen deutlichen Nachfrageüberhang.“ Daher warnt der DAV-Präsident da vor, dass sich bei den Green Investments Blasen bilden. Diese könnten langfristig sogar die Stabilität des gesamten Finanzmarktes gefährden.

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Nach DAV-Analysen würde die Gefahr sogar noch verstärkt, wenn bei Eigenkapital­vorschriften für nachhaltige Kapitalanlagen geringere Risiken als bei konventionellen Investments unterstellt würden. Denn dann müssten die Versicherer weniger Risikokapital vorhalten, ohne dass das aus Risikogründen gerechtfertigt wäre. Diese vielfach geäußerte politische Forderung widerspreche dem Solvency-II-Prinzip „Same Risk, Same Capital“, das ein Eckpfeiler des europäischen Aufsichtsregimes für die Versicherungsbranche ist.

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Der Klimawandel mache zwar allein aufgrund der gestiegenen Umweltrisiken ein Umdenken in der Kapitalanlage der Versicherungsgesellschaten erforderlich. Wenn der Staat grüne Investments darüber hinaus aus politischen Gründen stärker fördern will, dann kann er zum Beispiel „für diese staatliche Garantien aussprechen und damit real die Kapitalanlagerisiken reduzieren“, schlägt Bader abschließend vor. „Damit würde das Ziel einer geringeren Kapitalbindung ohne ein Verbiegen des Systems erreicht.“

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