Alexander Darwall, Manager des Aktienfonds Jupiter European Growth

Alexander Darwall, Manager des Aktienfonds Jupiter European Growth

Alexander Darwall

“Wir mögen Branchen, die sich wandeln”

Sind europäische Aktien bereits überkauft?

Alexander Darwall: Gerade Aktien aus in der Vergangenheit notleidenden Branchen und von Firmen, deren Absatzmarkt nach wie vor der Heimatmarkt ist, haben sich jüngst sehr gut entwickelt. Damit folgen sie der Stabilisierung der europäischen Wirtschaft. Wir schauen uns den Markt aber nie als Gesamtes an.

Stattdessen schauen wir auf einzelne Unternehmen. Investmentmöglichkeiten sehen wir vor allem dann, wenn sich Märkte oder Branchen wandeln – sei es nun wegen neuer Regularien, Technologien oder verändertem Konsumentenverhalten. Ziel ist es, starke Geschäftsmodelle zu finden, die einzigartige Produkte oder Dienstleistungen anbieten.

Letztendlich geht es darum, Unternehmen zu finden, die für ihre starken Produkte oder Dienstleistungen belohnt werden und daher hohe Erlöse erzielen. Wir glauben, dass unser Vorgehen bei der Titelselektion weiterhin gute Investmentmöglichkeiten generiert und der Investmentansatz auch in Zukunft gute Wertentwicklungen erzielt.

Gemessen an der eher unbekannten Fondskennzahl Active Share gehören Sie zu den aktiveren Managern in der Kategorie Aktienfonds Europa. Ist das Zufall?


Das hat schlichtweg drei Gründe: unseren uneingeschränkten Stockpicking-Ansatz, eine hohe Überzeugung bei dem, was wir tun, und ein sehr konzentriertes Portfolio. Alles zusammen führt dann dazu, dass wir beispielsweise Ende 2013 einen hohen Wert beim Active Share von 95,9 hatten.

Orientieren Sie sich überhaupt an der Benchmark und den darin enthaltenen Aktien und Gewichtungen und zielen Sie auf einen hohen Active Share oder Tracking Error?

Wir suchen nach für uns interessanten Unternehmen aus Europa. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese im Vergleichsindex gelistet sind oder nicht. Ein hoher Active Share und Tracking Error sind Beiprodukt unseres Investmentprozesses. Sie kommen zustande, weil wir beispielsweise Unternehmen mit einem niedrigen Capex (Anm. d. Red.: Investitionskosten, Kurzwort im Englischen für Capital Expenditure) mögen.

Was wir nicht mögen, sind Unternehmen aus der Versorger- und Telekommunikationsbranche, die stark reguliert werden, oder Minenbetreiber und zyklische Firmen, die abhängig von einem speziellen Wirtschaftsumfeld sind. Dies spiegelt sich dann in Bewertungskennzahlen wie dem Active Share und Tracking Error wider.

In welchen Branchen weichen Sie zurzeit im Portfolio denn am meisten von der Benchmark ab?

Wir sind strukturell untergewichtet bei Finanztiteln. Die neigen dazu, unsere Investmentkriterien nicht zu erfüllen. Allerdings meiden wir viele Finanzwerte auch, weil es an Transparenz mangelt, weil die Unternehmen tendenziell wenig sensibel für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung sind und wegen der Unsicherheit über weitere Regulierungsvorhaben.

Generell liegt unser Schwerpunkt auf der Suche nach Unternehmen, welche weniger vom wirtschaftlichen Umfeld abhängen als von langfristigen, strukturellen Treibern.

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