Man sagt, wer erfolgreich sein will, muss von den Besten lernen. Alexander Hofmeier hat sich diesen Rat zu Herzen genommen. Er war viele Jahre als Strategieberater tätig und hat in dieser Rolle Konzerne bei komplexen Transformationsprozessen begleitet. „Als Berater suchst du immer nach Best Practices. Man schaut, was in anderen Branchen funktioniert und welche Aspekte und Ideen man in das eigene Business übertragen kann“, erinnert sich Hofmeier.

Anfang 2022 kam ihm eine Idee: Warum dieses Prinzip nicht auf die Börsenwelt anwenden? Schließlich gibt es eine Handvoll Investoren, die über längere Zeiträume hinweg konstant den Markt schlagen. Was wäre, wenn man deren Favoriten zu einer Art Superfonds zusammenschnürt? „Statt gegen die Besten anzutreten, ist es doch viel schlauer, sich deren Strategien zunutze zu machen“, so der Gedanke. Wenn schon Stockpicking, dann mit System. Und zwar mit dem der Champions.

Die Picks der Profis

Gesagt, getan. Hofmeier entwickelte zunächst einen Algorithmus für sein eigenes Depot, der Positionen von Starinvestoren wie Warren Buffett, Bill Ackman oder Ron Baron scannt. Mit dem System wollte er jene High-Conviction-Aktien herausfiltern, die bei den Profis klare Favoriten sind. „Ich suche nach Werten, bei denen sie einen großen Anteil ihres Kapitals parken und sogar noch regelmäßig aufstocken. Denn das zeigt, dass die Investoren weiter Potenzial in den Unternehmen sehen und langfristig an deren Geschäftsmodelle glauben.“

Wichtig sei dabei, die langfristigen Performer zu erwischen. „Es gibt ja einige, die kurz sehr gut performen, wenn sie auf den richtigen Trend setzen. Die schütteln wir durch einen Fokus auf mehrjährige Zeiträume und niedrige Volatilität ab“, betont Hofmeier. „Mir ist wichtig, dass die Investoren über verschiedenste Zeiträume hinweg starke Renditen erzielen und nicht abhängig von einzelnen Themen oder Marktphasen sind.“

Keine Chance für Momentumwetten 

Durch dieses System werden reine Momentumwetten aussortiert. Schnelllebige Trends oder Hypes schaffen es nicht durch das Raster. „Wir wollen die Substanz“, bringt es Hofmeier auf den Punkt. Nur: Wie kommt man überhaupt an die Daten der Top-Investoren? „Über die offiziellen Veröffentlichungen bei der US-Börsen aufsicht SEC“, erklärt Hofmeier den Kniff. „Die Pflicht zur Transparenz kann man sich zunutze machen.“

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Allerdings kann sich Hofmeier nicht blind auf die Angaben der Börsenaufsicht verlassen. Denn die SEC-Filings kommen in der Regel nur quartalsweise, man hinkt den Käufen der Starinvestoren somit immer etwas hinterher. „Bis zu 45 Tage nach dem Stichtag erhalten wir erst die Informationen. Wird eine Position radikal abgebaut und wir behalten sie drin, fahren wir unter Umständen gegen die Wand.“

Deshalb selektiert Hofmeier nur Investoren mit einem niedrigen Turnover-Ratio und nutzt noch weitere Quellen, um die Unternehmen eigenständig im Blick zu behalten. Wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Hofmeier setzt auf konzentriertes Portfolio

Auf diese Weise entsteht ein fokussiertes Paket von 35 bis 50 Titeln aus den Depots von fünf bis 15 namhaften Investoren. „Im Schnitt bedienen wir uns aus den Top-Fünf-Positionen, wo der Großteil des Kapitals gebunden ist“, so Hofmeier.

Von jedem Guru die vermeintlichen Überzeugungstaten, quasi ein Best-of der Börse – so jedenfalls die Idee. „Der Clou ist: Wir streuen nicht nur innerhalb der Aktien, sondern auch zwischen den verschiedenen Investorentypen“, erläutert Hofmeier seine Idee. Im Portfolio fänden sich somit neben Value-Veteranen wie Buffett auch Wachstumsjäger. „So erreichen wir eine doppelte Diversifikation.“

 

Was dabei herauskommt, zeigt ein Blick in das aktuelle Portfolio: In den Top-Positionen finden sich bekannte Namen wie Apple, Alphabet und Salesforce, aber auch das Eisenbahnunternehmen Canadian Pacific Kansas City oder die Fastfood-Kette Chipotle Mexican Grill. Die USA sind mit 81 Prozent vertreten. 32 Prozent werden im IT-Sektor allokiert. Ein Klumpenrisiko? Möglich. Hofmeier sieht das jedoch entspannt: „Mir ist egal, aus welchem Sektor oder welcher Region die Aktien kommen“, betont er. „Unser Modell ist rein faktorbezogen und sucht nach kontinuierlicher Outperformance bei hoher Allokation.“

Hofmeier würde gerne Bill Ackman treffen

Und da die meisten Profis nun einmal in Nordamerika zugreifen – „das war die vergangenen zehn Jahre ja nicht die schlechteste Idee“ –, liegt hier der Investmentschwerpunkt. Wichtig ist Hofmeier, nicht nur in die Ideen der Dickschiffe der Branche zu investieren. „Ob jemand ein Vermögen wie etwa Warren Buffett managt oder deutlich weniger Assets under Management hat, das spielt keine Rolle. Wichtig ist allein der Track Record.“ Schließlich könne man auch mit geringem Volumen über Jahre den Markt schlagen. Auf diese Weise will er für eine größere Vielfalt im Portfolio sorgen.

Dabei ist ihm bewusst, dass das Modell nicht darauf ausgelegt ist, die Nummer eins zu sein. „Wenn man die Aktien verschiedener Super-Investoren kombiniert, bildet man zwangsläufig deren Durchschnitt ab“, erklärt er. Ziel sei es, in den nächsten Jahren verlässlich einen Platz in den Top 20 Prozent der Aktienfonds zu besetzen – und das mit einem ausgewogenen Chance- Risiko-Profil. Ob seine Best-of-Strategie langfristig aufgeht, wird sich zeigen.

Von all seinen Idolen würde Hofmeier am liebsten einen Tag mit Bill Ackman verbringen. „Der sieht oft Dinge, die andere nicht sehen. Er denkt nicht wie die Herde, sondern versucht immer die Lücke oder die Ineffizienz zu finden. Zudem ist Ackman auch politisch sehr interessiert. An ihn hätte ich eine Menge Fragen.“

Die Kunst des Loslassens

Angefangen hat alles mit einem privaten Experiment. Nach dem Abschied aus der Beratung verwaltete Hofmeier sein Vermögen zunächst selbst. „Auch wenn viele Investments aufgegangen sind – ich merkte, dass meine Entscheidungen immer von Emotionen beeinflusst waren. Das macht einen wahnsinnig.“ Als er sein regelbasiertes Investorenmodell in die Praxis umsetzte, wurden Familie und Freunde hellhörig. „Viele fragten, ob ich ihre Depots nicht auch so managen könnte“, erinnert er sich.

Schnell wurde klar: Um seinem Ansatz eine Bühne zu geben, musste eine skalierbare Lösung her. Ein Investmentfonds. Im April 2023 entschloss sich Hofmeier, die Strategie als eigenständigen Fonds aufzulegen. Dabei greifen ihm bewährte Partner unter die Arme. Für die Administration ist Ampega zuständig, die Kreissparkasse Köln ist Depotbank, BN Partners stellt das Haftungsdach. Seit dem Start sammelte der Fonds Syntelligence Growth etwa 16 Millionen Euro ein.

 

Nach dem ersten Jahr steht eine Performance von 17 Prozent, nun will sich Hofmeier auf den Vertrieb fokussieren. „Mein Ziel ist eine weitere Verdopplung. 32 Millionen bis April 2025, also zum zweijährigen Jubiläum, sollten drin sein.“ Doch wer Geld einsammeln will, muss Klinken putzen. „Den Vertrieb hätte ich mir zugegeben etwas einfacher vorgestellt. Viele Strategien, die in anderen Branchen wie etwa dem E-Commerce funktionieren, lassen sich nicht eins zu eins auf die Fondswelt übertragen“, so der ehemalige Berater.

Doch ist es nicht auch unbefriedigend, sich ausschließlich auf die Ideen anderer zu verlassen und mitunter gar nicht nachvollziehen zu können, warum jemand eine Position kauft oder abbaut? Hofmeier zuckt mit den Schultern: „Ich hinterfrage nicht, warum einer unserer Investoren eine Aktie kauft oder verkauft“, sagt Hofmeier. „Die haben ihr Handwerk über Jahrzehnte perfektioniert, umgeben sich mit wahnsinnig vielen schlauen Menschen und haben Zugang zu Informationen, die die meisten Anleger nicht haben. Da stufe ich mein Ego zurück und gebe zu bedenken: Warum sollte ich klüger sein?“

Geerdet wird Hofmeier auch durch seinen beiden Töchter im Alter von zwei und vier Jahren. „Die sorgen schon dafür, dass man mit beiden Beinen auf dem Teppich bleibt“, schmunzelt der Familienvater. Da ist es gut, einen Fonds zu haben, der auch ohne ständiges Eingreifen auskommt. „Ich muss ja nicht täglich Geschäfts berichte wälzen und Bilanzen  analysieren.“