„Der sieht gar nicht aus wie ein Finanzmann mit der lustigen Brille<br> und dem Bart“,stellte Nelly Dreher (9) fest. Versiko-Chef Alfred<br> Platow wurde von ihrer Schwester Frida (5) porträtiert.

„Der sieht gar nicht aus wie ein Finanzmann mit der lustigen Brille
und dem Bart“,stellte Nelly Dreher (9) fest. Versiko-Chef Alfred
Platow wurde von ihrer Schwester Frida (5) porträtiert.

„Alfred, wie kann mehr Umweltschutz klappen?“

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„Kommen Sie doch mal bei uns in Hilden vorbei.“ Die Einladung von Versiko-Vorstand Alfred Platow brachte Redakteurin Astrid Lipsky ins Schwitzen. Wo sollte sie in der Zeit ihre Tochter Carla (4 Jahre) unterbringen? Papa musste arbeiten, die Omas waren im Urlaub. „Die nehmen Sie einfach mit“, so Platows knappe Antwort. Das brachte Kollege Malte Dreher auf eine Idee: Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und ein Interview machen – Kinder fragen, Öko-Pionier Platow antwortet? Platow, ausgebildeter Erzieher, drei Töchter, ein Sohn und drei Enkelkinder, stimmte sofort zu. Dreher schnappte sich daraufhin seine beiden Töchter Nelly (9) und Frida (5) und fuhr mit Kollegin und Kindern nach Hilden. DAS INVESTMENT: Menschen müssen lernen, mehr Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Wie kann das klappen? Alfred Platow: Nur durch dich und durch alle, die hier sitzen. Bei vielen Erwachsenen ist es jedoch zu spät. Die können das nicht mehr. Wir können es nur mit dir ändern und vielen anderen Kindern und deinen Lehrerinnen und Lehrern. Richtig mit der Umwelt umzugehen musst du lernen, wie du Schreiben und Lesen lernst. Nur dann wirst du dich anders verhalten und auch viel kritischer werden. Du wirst gucken, was Erwachsene für Fehler machen. Wie kann das im Alltag aussehen? Platow: Indem du immer die Augen offen hältst und alles überprüfst. Was trägt dein Vater für einen Pullover? Ist das Baumwolle aus fairem Anbau oder ist da Chemie drin? Machst du das jeden Tag, gehst du vorsichtiger mit dem Material um, das zur Herstellung des Pullovers gebraucht wird. Dein Vater und ich haben das nicht in der Schule gelernt. Damals war die Umwelt noch nicht so wichtig. Heute ist das zum Glück anders. Schon Kindergärtnerinnen sollten täglich Umweltspiele spielen und mit natürlichen Materialen basteln. Was du jetzt in der Schule lernst, macht dich fit für die Zukunft, und wenn du dann 30 oder 40 Jahre alt bist, funktioniert der Umweltschutz sicher besser als heute. Erwachsene fahren zu viel Auto. Oft alleine und nur kurze Strecken. Es wäre klasse, wenn bewusster gefahren wird. Haben Sie eine Lösung? Platow: Zunächst sollte sich jeder Erwachsene fragen, warum er ins Auto steigt. Wo wollen sie hin? Was machen sie da? Lohnt es sich, das Auto zu benutzen? Man sollte Erwachsene belohnen, wenn sie das Auto stehen lassen. Platow: Das ist richtig. Aber so ein Anreiz oder eine Belohnung funktioniert natürlich nur, wenn es ausreichend Alternativen zum Auto gibt. Das ist derzeit nicht der Fall, und da sind unsere Politiker gefragt. Mehr Busse und mehr Eisenbahnen, U- und S-Bahnen müssen fahren, und mein Wunsch ist, dass die Bahnen und Busse nichts kosten. Jeder, der in Hamburg, Düsseldorf oder München dann zur Arbeit fährt, muss nichts zahlen. Wie viel Taschengeld bekommst du? 2 Euro die Woche. Platow: Gut. Um das Taschengeld wette ich. Wenn alle Bahnen und Busse kostenlos sind, fahren Menschen ganz sicher weniger Auto. Und wenn mal keine Bahn fährt? Platow: Dann müssen Sammeltaxis kostenlos fahren. In anderen Ländern, etwa in Mexiko, funktioniert dieses Modell. Wir müssen auch über die Natur sprechen. Es werden zu viele Bäume gefällt und Wälder gerodet. Platow: Das ist leider richtig. Und auch hier müssen wir uns fragen, warum ist das so, und was wird überhaupt aus dem Holz hergestellt? Wir müssen sparsam mit Rohstoffen umgehen. Das fängt auch bei dir im Schulalltag an. Verschwende kein Papier und sorge dafür, dass Altpapier in die richtige Tonne kommt und nicht einfach in den Hausmüll. Wenn aus deinem Schulheft später Toilettenpapier wird, muss dafür kein Baum gefällt werden. Das Papier ist nicht ganz so weiß, aber es schützt die Natur. Sollten Kinder sich stärker einmischen in Umweltthemen? Platow: Aber natürlich, und du musst auch andere motivieren. Geh zu deinem Vater und sag ihm ,Papa, ich habe es satt, setz dich bitte mehr für die Umwelt ein‘. Wenn etwa Sondermüll und Gift um die halbe Welt transportiert wird, nur weil das Zeug in anderen Ländern entsorgt werden kann, musst du etwas dagegen machen. Du musst öffentlich demonstrieren mit deiner Schulklasse und mit Freunden und deinen Eltern. Du musst auch selbst anfangen, Müll zu vermeiden. Wir haben sehr große Angst vor Umweltkatastrophen. Platow: Das habe ich auch. Ein Ausweg ist der technologische Fortschritt. Der muss sich aber noch stärker durchsetzen. Es gibt beispielsweise Schiffe, die mit Windrädern angetrieben werden. Die brauchen kein Öl mehr, und der Wind macht keinen Abfall. Aber das kostet sehr viel Geld. Doch wenn viele Menschen solche Entwicklungen fordern und fördern, sind wir auf dem richtigen Weg. Und Sonnenenergie – ist das auch der richtige Weg? Platow: Ja, ich bin mir sicher, dass in gut 40 Jahren, etwa 2050, die Sonne die alles bestimmende Energiequelle ist. Dann ist auch Schluss mit Atomkraft? Platow: Ja, hoffentlich. Atomenergie ist eine Katastrophe, weil wir die Technik nicht beherrschen. Ich gebe dir ein Bespiel: Dein Vater kann dieses iPhone nicht auseinander- und wieder zusammenbauen. Er ist kein Techniker. Ein Techniker kann das. Das erste Atomkraftwerk wurde vor 45 Jahren gebaut, und bis heute hat es kein Techniker geschafft, ein Atomkraftwerk so sicher zu bauen, dass es nicht explodieren kann. Würdest du hier neben dem iPhone sitzen, wenn es explodieren könnte? Ich nicht. Ich würde weglaufen. Nun ist ein Telefon sicher, und man kann es auch recyceln. Aber bei einem Atomkraftwerk? Wohin mit den gebrauchten Teilen? Hast du noch eine Bitte an uns? Platow: Ja. Ich würde mich freuen, wenn ihr erkennt, dass die Umwelt wichtig ist. Denn die Umwelt, das sind du und ich. Und ich finde, wir sind sehr wichtig. Ohne Umwelt kein Leben, und das Leben macht uns doch so viel Spaß. Das soll auch so bleiben.

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